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Auf "pr0gramm"-Plattform: Tausende spenden wieder aus Protest gegen Krebs

Aktion auf "pr0gramm"-Plattform  

Tausende spenden wieder aus Protest gegen Krebs

Von Lars Wienand

03.04.2019, 08:52 Uhr
Auf "pr0gramm"-Plattform: Tausende spenden wieder aus Protest gegen Krebs. Weniger bunte Bildchen: Auf pr0gramm dominierten in den vergangenen Tagen Screenshots von Spenden "gegen Krebs". Das ist die Neuauflage einer Protestaktion gegen den US-Sicherheitsexperten Brian Krebs. (Quelle: Screenshot/Montage t-online.de)

Weniger bunte Bildchen: Auf pr0gramm dominierten in den vergangenen Tagen Screenshots von Spenden "gegen Krebs". Das ist die Neuauflage einer Protestaktion gegen den US-Sicherheitsexperten Brian Krebs. (Quelle: Screenshot/Montage t-online.de)

Der Ärger über den US-Sicherheitsforscher Brian Krebs verschafft der Krebshilfe einen Spendensegen. Denn Tausende haben sich an einer Neuauflage der Aktion "Spenden gegen Krebs" beteiligt.

Im vorwiegend von jungen deutschsprachigen Menschen besuchten Imageboard "pr0gramm" haben Nutzer in fünf Tagen rund 280.000 Euro gespendet. Damit wird der Jahrestag einer verrückten Aktion gefeiert, bei der 2018 Mitglieder mit Wut im Bauch Gutes getan hatten.

Spenden mit Verwendungszwecken wie "Krebs ist Scheiße" oder "Gegen Krebs" waren im März 2018 der kreative Protest gegen den US-Sicherheitsforscher Brian Krebs. Er hatte in einem Artikel über zweifelhafte Methoden zum digitalen Schürfen der Kryptowährung Monero* Informationen über die Verantwortlichen der Seite preisgegeben. Damit löste er Empörung aus in der Community, in der es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl gibt. 

Als Anfang April 2018 ein Nutzer ein Bild einer Überweisung "gegen Krebs" postete, drehte der Unmut in eine konstruktive Richtung. Er löste eine Spendenflut aus. Die Seite der Deutschen Krebshilfe brach unter einer Verzehnfachung der Zugriffe zusammen. Eine vergleichbare Spendenaktion hatte es zumindest im deutschen Internet noch nicht gegeben. 

Ein Jahr später haben die Administratoren nach Vorschlägen von Nutzern zum Spendenmarathon aufgerufen – wiederum für die Krebshilfe. Bereits am ersten Tag wurden 100.000 Euro gespendet, wie Screenshots der Überweisungsbestätigungen zeigten. 

pr0gramm gehört nach Zahlen des Analysedienstes "Similiarweb" mit 11 Millionen Visits monatlich zu den 100 meistbesuchten Seiten in Deutschland. Administrator "Gamb" spricht von 20.000 bis 50.000 registrierten Nutzern pro Tag und deutlich mehr unangemeldeten Zuschauern. Der größte Teil kommt aus Deutschland. Seit 2007 wurden rund drei Millionen Bilder und Videos hochgeladen, täglich kommen zwischen 1.000 und 3.000 hinzu. "pr0gramm" finanziert sich über kostenpflichtige "pr0mium"-Account, Werbung und über einen angeschlossenen Shop. 

Administratoren und Helfer haben Tausende von Bildern ausgewertet und gerechnet: An den fünf Tagen sind demnach allein bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mehr als 6.500 Spenden eingegangen.

Michael Bartels, Sprecher der DKMS, kann die genaue Zahl nicht bestätigen, weil die Spender nicht so gezielt erfasst werden. "Aber es hat einen deutlichen Impact, das Spendenaufkommen war deutlich höher als an normalen Tagen. Wir freuen und bedanken uns."

5.000 weitere Spenden verteilen sich auf Deutsche Krebshilfe, die Kinderkrebshilfe und weitere Organisatoren. Einige Nutzer spendeten mit dem Spruch "Krebs bleibt Scheiße". 

Brian Krebs, der nach seinem Bericht 2018 zunächst Anfeindungen ausgesetzt war, meldete die Spendenaktion auf seinem Blog nüchtern, ohne sie selbst zu kommentieren. 

Selbstmalen: Zum 1. April konnten keine Fotos oder Videos hochgeladen werden – Aprilscherz mit Bezug auf die heftig kritisierte Entscheidung zur Urheberrechtsreform. Gemalt werden konnte aber – und das taten die "Kellerkinder", wie sich die Nutzer selbstironisch nennen. (Quelle: Screenshot)Selbstmalen: Zum 1. April konnten keine Fotos oder Videos hochgeladen werden – Aprilscherz mit Bezug auf die heftig kritisierte Entscheidung zur Urheberrechtsreform. Gemalt werden konnte aber – und das taten die "Kellerkinder", wie sich die Nutzer selbstironisch nennen. (Quelle: Screenshot)

Die anarchische Kreativität in dem Forum zeigte sich auch beim Aprilscherz der Betreiber. Sie hatten – als Reaktion auf die Urheberrechtsentscheidung im EU-Parlament – die Möglichkeit komplett gesperrt, Inhalte hochzuladen, weil die Gefahr von Urheberrechtsverletzungen bestehe.


Möglich war es aber, auf der Seite Bilder zu malen und hochzuladen. Das Ergebnis: mehrere Hundert digitale Kunstwerke.

*In einer früheren Fassung hatten wir geschrieben, dass es um das Schürfen von Bitcoins gegangen sei. 

Verwendete Quellen:

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