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Coronavirus: Fledermaus-Suppe? Die Mythen zur Lungenkrankheit im Faktencheck

Faktencheck zur Lungenkrankheit  

Stammt es aus dem Labor? Die häufigsten Coronavirus-Mythen

Von Josephin Hartwig

29.01.2020, 20:39 Uhr
Coronavirus: Was die Symptome sind und wie Sie sich schützen können

Das Coronavirus hat mittlerweile auch Europa erreicht. Dieses Video beantwortet die Fragen, durch welche Symptome sich das Virus beim Menschen äußert und wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen. (Quelle: dpa)

Kampf gegen das Coronavirus: Welche Symptome für eine Ansteckung sprechen und wie Sie sich schützen können. (Quelle: dpa)


Das Coronavirus beschäftigt die ganze Welt. In den Sozialen Medien kursieren zahlreiche Meldungen, doch nicht alle stimmen. Die vier häufigsten Verschwörungstheorien finden Sie hier.

Rund um den Ausbruch des Coronavirus tauchen im Internet zahlreiche Behauptungen, Theorien und aberwitzige Falschmeldungen auf. Bei Twitter gibt es schon mehr als 24.000 Tweets, mit Fakten haben längst nicht alle etwas zu tun. Die wichtigsten Antworten auf diese Theorien: 

Wurde das Virus im Labor entwickelt?

Nein, der derzeitige Kenntnisstand sieht den Ursprung für die Ausbreitung auf einem Wildtiermarkt in Wuhan. Er wurde inzwischen geschlossen. Im Internet behaupten einige Portale und provate Nutzer, dass das Virus in einem Labor entwickelt wurde. Dazu kursieren Nachweise von Patentanmeldungen auf Coronaviren. Die sollen beweisen, dass der Erreger gezielt entwickelt und ausgesetzt worden ist. Damit sollen angeblich Impfungen vermarktet werden.

Es gibt Patente auf bestimmte Gensequenzen der Viren, allerdings handelt es sich bei den Coronaviren um eine Virusfamilie mit etlichen verschiedenen Varianten. So gehörte der Erreger der SARS-Epidemie in den Jahren 2002/2003 laut WHO ebenfalls zu dieser Familie. Die Patente beziehen sich auf einen Erregertyp in diesem Zusammenhang, berichtet ein Virologe auf der Seite faktencheck.org. Mit der aktuell aktiven Variante 2019-nCoV haben diese Patente jedoch nichts zu tun, schreib die "Tagesschau" unter Berufung auf faktencheck.org.

Als einen weiteren möglichen Beweis für die Labortheorie führt die "Washington Times" an, dass sich in Wuhan das Nationale chinesische Labor für Biosicherheit befindet. Ein ehemaliger israelischer Geheimdienstmitarbeiter habe der Zeitung erklärt, dass das Virus aus dem Labor gekommen sein könnte.

Tatsächlich war dieses Zentrum in Wuhan 2015 eingeweiht worden – mit einer biologischen Schutzstufe 4. Damit gilt sie als Hochsicherheitseinrichtung, in der mit Biostoffen der höchsten Risikogruppe gearbeitet werden darf. Das bedeutet aber auch, dass die Sicherheitsvorkehrungen höher sind, als bei anderen Zentren dieser Art.

Hat Bill Gates etwas mit dem Coronavirus zu tun?

Nein, das hat er nicht, auch wenn es eine entfernte Verbindung gibt: Eines der Patente auf einen mit dem aktuellen Erreger verwandten Coronavirus gehört dem Pirbright-Institut, das von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung unterstützt wird. Diese Tatsache wird als angeblichen Beweis für eine Verschwörung der Impfindustrie benutzt. Die Internetseite "Politfact" hat sich genau damit beschäftigt und klärt auf: "Pirbright-Wissenschaftler arbeiten nicht an den menschlichen Coronaviren." Zusammenhänge seien aus dem Kontext gerissen. Die Stiftung unterstütze zwar die Arbeit der Wissenschaftler, mit dem Coronavirus habe das aber nichts zu tun. 

Was ist an dem Panikvideo dran, das im Umlauf ist?

Nach aktuellem Kenntnisstand ist das nicht wahr: In einem YouTube-Video, das derzeit hundertfach geteilt und angesehen wird, behauptet jemand, dass der Ausbruch des Virus weitaus schlimmer sei, als man glauben machen wolle und dass Flüssigkeiten "die Lebenskraft" des Virus verlängern würden. Diese Aussage sei falsch, erklärte der Virologe Hartmut Hengel der "Tagesschau". "Flüssigkeiten können die Infektiosität eines Virus nicht steigern. Es kann sich außerhalb eines Wirts überhaupt nicht vermehren", erklärte er.

Auch das ist falsch: Eine andere Behauptung ist, dass es sich bei dem derzeit aktiven Coronavirus um eine mutierte und weitaus gefährlichere Variante des SARS-Erregers handelt, der 2002/2003 vermehrt auftrat. Das stimmt nicht. Die beiden Erreger gehören lediglich der selben Familie an und ähnelten sich grob, seien ansonsten aber so unterschiedlich wie Katze und Hund. Das sagt Dr. Sebastian Maurer-Stroh, stellvertretender geschäftsführender Direktor der Forschung am Institut in Singapur, in diesem Text der Straits Times.

Inzwischen gibt es auch eine Reihe anderer Videos, deren Echtheit nicht belegt ist. Darauf zu sehen sind Menschen, die scheinbar plötzlich umfallen. Kommentiert werden diese Bilder meist mit Aussagen zu dem Virus. Darunter kommentieren Nutzer: "Unverantwortlich, wie die Lage verharmlost wird". Eine andere Nutzerin schreibt: "Das ist ein Fake-Video, es hat keinen Datumsstempel im Bild."

Ist die Quelle des Virus' eine Fledermaus-Suppe?

Welches Tier der ursprüngliche Träger des Coronavirus' ist, weiß man bislang noch nicht. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" behauptet aber: Die Infektion sei möglich gewesen, weil eine Suppe aus Fledermausfleisch ein verbreitetes Gericht in China sei und die Ansteckung darüber deshalb wahrscheinlich. Etwa zur Zeit des Ausbruchs sei demnach das Video einer Influencerin aufgetaucht, die sich selbst filmt, während sie die Suppe isst, inklusive einer kompletten Fledermaus. Laut "EHA News" soll sie die Suppe in Wuhan auf dem Markt gekauft haben. 

Beweise dafür gibt es nicht. Noch ist unklar, von welchem Tier das Virus kommen soll. Die Influencerin soll das Video bereits 2016 gedreht haben, viral ging es nur aufgrund des aktuellen Anlasses, wie "Mimikama" herausfand. 

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