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LTE-Tarif: Warum Millionen Smartphone-Nutzer wechseln sollten

Schlechter Empfang bei Alt-Tarif  

Warum Millionen Smartphone-Nutzer wechseln sollten

20.11.2019, 18:22 Uhr
LTE-Tarif: Warum Millionen Smartphone-Nutzer wechseln sollten. Eine Frau schaut enttäuscht auf ihr Smartphone: Der Wechsel von UMTS zum schnellen LTE-Netz vollzieht sich in Deutschland nur langsam.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Frau schaut enttäuscht auf ihr Smartphone: Der Wechsel von UMTS zum schnellen LTE-Netz vollzieht sich in Deutschland nur langsam. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die meisten Deutschen besitzen heutzutage ein Smartphone. Trotzdem surfen und telefonieren mehr als die Hälfte noch mit einem alten Handytarif ohne LTE – mehr als in jedem anderen entwickelten Land.  Die Anbieter könnten gegensteuern, zögern jedoch. 

Mit einer neuen Mobilfunkstrategie will die Bundesregierung Funklöcher stopfen und den Netzausbau vorantreiben. Das erklärte Ziel von Politik und Netzbetreibern: Die schnellen Mobilfunkstandards LTE und 5G sollen künftig flächendeckend verfügbar sein und das alte, weniger leistungsfähige UMTS-Netz (auch 3G genannt) ersetzen.

Das ist durchaus sinnvoll. Es gibt nur ein Problem: Viele deutsche Nutzer sind auf die Umstellung nicht vorbereitet – sie hängen noch mit alten Verträgen im UMTS-Netz fest. Das belegen Zahlen der Bundesnetzagentur und des Mobilfunkbranchenverbands VATM. 

Mehr als 107 Millionen aktive SIM-Karten gibt es demnach in Deutschland. Nicht einmal die Hälfte davon nutzen das LTE-Netz. Alle anderen wählen sich ausschließlich in das alte 3G- oder 2G-Netz ein. Mobilfunkexperten rätseln über die Gründe. Im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern sei der Anteil der 3G-Nutzer in Deutschland extrem hoch, teilt die Analysefirma Opensignal auf Nachfrage von t-online.de mit. 

Sogar Smartphone-Besitzer verzichten auf LTE 

Die Statistik ließe sich leicht erklären, wenn die Besitzer dieser SIM-Karten kein LTE-fähiges Smartphone nutzen würden, sondern nur ein altmodisches Handy. Zum Telefonieren und SMS-Schreiben genügt eine 2G-Verbindung. Wer mobil surfen und Apps nutzen will, braucht hingegen mindestens 3G-Netz, besser aber LTE (4G). 

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LTE ermöglicht nicht nur größere Datenübertragungsraten. Auch die Signalabdeckung ist deutlich besser, während das UMTS-Netz Schritt für Schritt zurück gebaut und dadurch immer löchriger wird. 

Zahlen der Analysefirma Opensignal deuten darauf hin, dass viele deutsche Smartphone-Nutzer trotzdem freiwillig auf einen Handytarif mit LTE verzichten. Demnach besitzen mehr als 81 Prozent der Mobilfunkkunden im deutschen UMTS-Netz ein 4G-fähiges Gerät und halten sich regelmäßig in Regionen mit einer guten LTE-Versorgung auf. Theoretisch könnten sie also von dem neuen Mobilfunkstandard und einer besseren mobilen Internetverbindung profitieren. Das Einzige, was ihnen dazu fehlt, ist ein entsprechender Handytarif. 

Ein kleines Symbol auf dem Smartphone-Display verrät, ob man im UMTS- oder LTE-Netz unterwegs ist.  (Quelle: t-online.de/Benjamin Springstrow)Ein kleines Symbol auf dem Smartphone-Display verrät, ob man im UMTS- oder LTE-Netz unterwegs ist. (Quelle: t-online.de/Benjamin Springstrow)

Woher weiß ich, ob ich LTE habe?

Der fehlende LTE-Zugang lässt sich häufig durch einen alten Mobilfunkvertrag erklären. "Das Problem ist aus der Historie gewachsen", sagt der Tarifexperte Henning Gajek vom Ratgeberportal teltarif.de. "Früher war das LTE-Netz den Premium-Kunden der großen Anbieter vorbehalten." Wer vor einigen Jahren einen günstigen Vertrag abgeschlossen und nie gewechselt hat, surft und telefoniert möglicherweise immer noch im 3G-Netz. Vereinzelt werden solche Tarife immer noch angeboten, sie werden nur nicht mehr so stark beworben. 

Doch wissen die Betroffenen, dass ihr Tarif nur UMTS umfasst und nicht mehr zeitgemäß ist? Gajek rät Smartphone-Nutzern, nach dem kleinen LTE- oder 4G-Symbol in der rechten oberen Ecke des Displays Ausschau zu halten. Wird die Netzqualität immer nur mit maximal "3G" oder "H" angegeben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Tarif keine LTE-Verbindung zulässt.  

Abwarten oder lieber gleich wechseln?

Die gute Nachricht: Da das Ende des 3G-Netzes absehbar ist, gehen immer mehr Anbieter dazu über, ihre Kunden automatisch auf LTE umzustellen. "Wir melden fast jede Woche, dass ein weiterer Tarif umgeschaltet wird", sagt Gajek. Die Kunden werden per SMS, Brief oder E-Mail über die Änderung informiert. Teilweise muss die SIM-Karte ausgetauscht werden, da sich die älteren Chips nicht ins LTE-Netz einwählen können. 

Andere Provider zögern die Umstellung noch hinaus, möglicherweise in der Hoffnung, der Kunde möge von sich aus wechseln. "Die Anbieter haben natürlich ein Interesse daran, die Kunden in höhere Tarife zu drängen", räumt Gajek ein. 

LTE muss nicht teuer sein

Ein LTE-Upgrade ist dann zwar möglich – allerdings nur gegen einen Aufpreis. In solchen Fällen lohnt es sich, gleich über einen Anbieterwechsel nachzudenken. Inzwischen gibt es zahlreiche günstige LTE-Tarife vom Discounter, die kaum teurer sind als die alten UMTS-Basistarife, sagt der Experte. Einen Einsteigertarif mit 500 MB Datenvolumen gebe es schon ab drei Euro im Monat, so Gajek. 

Dabei sollten Nutzer allerdings auf das Kleingedruckte achten: Die Billig-Tarife sind oft auf 21,6 Mbit/s gedrosselt. Das schmälert den vermeintlichen LTE-Vorteil zumindest im Hinblick auf das Surftempo. Mit dem Datenturbo HSPA+ sind schließlich auch bei UMTS-Verbindungen Downloadraten von bis zu 42 Mbit/s drin. 

Beim Datenvolumen kann man sparen

Auch das verfügbare Datenvolumen spielt bei der Tarifauswahl eine Rolle. Allerdings wird diese häufig überschätzt, zeigt die Erfahrung. Der durchschnittliche Datenverbrauch der Deutschen liegt nämlich nur bei 2,5 Gigabyte (GB) pro Monat.

Laut dem Vergleichsportal Verivox buchen die meisten Deutschen zur Sicherheit eher zu große Tarife als zu kleine. "Es gibt oft Unterschiede zwischen gebuchtem Volumen und tatsächlich genutztem", verrät eine Sprecherin. "Viele Verbraucher unterschätzen auch, wie oft sie sich im WLAN aufhalten; dann geht das genutzte Volumen ja nicht vom mobilen Budget ab." Hier können Nutzer also durchaus sparen. 

Wie Sie Ihren monatlichen Datenverbrauch realistisch einschätzen, erfahren Sie hier

Massive Nachteile durch 3G

Laut den Mobilfunkexperten von Opensignal nehmen Smartphone-Nutzer mit einem UMTS-Vertrag erhebliche Einschränkungen in Kauf. Messdaten zeigen, dass sie nur eine durchschnittliche Download-Rate von 8,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erleben, während Nutzer mit einem LTE-Tarif mit 25,2 Mbit/s fast drei mal so schnell unterwegs sind.

Aufgrund der schlechten Netzabdeckung sind UMTS-Nutzer zudem mehr als die Hälfte der Zeit faktisch offline, da entweder überhaupt keine Verbindung aufgebaut werden kann oder die Übertragungsrate für die meisten Online-Anwendungen viel zu gering ist.

Dass sich offenbar unzählige deutsche Smartphone-Nutzer mit solchen Bedingungen zufrieden geben, lässt die Analysten ratlos zurück: "Wir fragen uns, ob diese Nutzer überhaupt daran interessiert sind, mobile Datendienste zu nutzen." So oder so mache es für die Netzbetreiber wenig Sinn, an dem alten Mobilfunkstandard 3G festzuhalten. Stattdessen sollten die Unternehmen möglichst schnell auf 4G umsteigen, raten die Experten. Vorher müssen aber noch Millionen Kunden von den Vorteilen von LTE überzeugt und zum "Umzug" animiert werden. 

Die Angst vor Abzocke ist groß

Das sollte eigentlich nicht allzu schwer sein, glaubt der Mobilfunkanalyst Francesco Rizzato von Opensignal. "Das einfachste wäre wahrscheinlich, 4G-Tarife einzuführen, die die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen." Genau damit scheinen sich die Anbieter derzeit aber noch schwer zu tun. In keinem anderen europäischen Land sind schnelle Mobilfunktarife mit viel Datenvolumen so teuer wie in Deutschland. 



Auch Misstrauen und schlechte Erfahrungen könnten erklären, warum so viele Verbraucher zögern, ihren Tarif zu wechseln, vermutet Gajek. "Viele haben Angst, dass ihnen die Mitarbeiter in den Filialen etwas aufquatschen, das sie nicht brauchen." Früher sei diese Sorge berechtigt gewesen. Inzwischen habe sich die Lage aber gebessert. Trotzdem gelte weiterhin: "Stellen Sie viele Fragen und unterschreiben Sie einen Vertrag erst, wenn Sie alles verstanden haben", rät der Experte. 

Verwendete Quellen:

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