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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Derivate: Lukratives Investment oder reines WettgeschÀft?

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 26.02.2021Lesedauer: 6 Min.
Ein GeschÀftsmann schaut auf sein Handy (Symbolbild): Geld in Derivate anzulegen, ist eine hochspekulative Sache.
Ein GeschÀftsmann schaut auf sein Handy (Symbolbild): Geld in Derivate anzulegen, ist eine hochspekulative Sache. (Quelle: Vesnaandjic/getty-images-bilder)
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Derivate klingen verlockend – denn Sie können mit Ihnen sehr schnell hohe Gewinne erzielen. Allerdings zu einem hohen Preis. Wir erklĂ€ren Ihnen, was Derivate genau sind und wie sie funktionieren.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist ein Derivat einfach erklĂ€rt?
  • Wie funktionieren Derivate?
  • Was fĂŒr Derivate gibt es?
  • Warum stehen Derivate in der Kritik?

Derivate sind fast so alt wie der Handel selbst. Trotzdem wissen nur die Wenigsten, wie diese Finanzprodukte genau funktionieren. UrsprĂŒnglich sollten sie Risiken von HandelsgeschĂ€ften absichern, heute wird mit ihnen aber vor allem spekuliert.


Depot eröffnen in drei Schritten

Sie sind bereit, Ihr Geld zu investieren, statt es auf Girokonto oder Sparbuch zu parken? Das nötige Wissen haben Sie sich auch draufgeschafft? Dann fehlt jetzt nur noch eins: ein Depot fĂŒr Wertpapiere. Am besten eignen sich dafĂŒr Direktbanken im Internet wie die DKB, ING oder Comdirect. Beispielhaft zeigen wir Ihnen im Folgenden anhand der Consorsbank, wie Sie in wenigen Schritten ein Depot eröffnen.
Schritt 1: Depot beantragen. Sie können den Antrag fĂŒr ein Depot direkt auf der Website Ihres Anbieters ausfĂŒllen. DafĂŒr mĂŒssen Sie zunĂ€chst ein paar generelle Fragen beantworten – etwa ob Sie bereits Kunde bei der Bank sind.
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  • Börse & MĂ€rkte: Alle Kurse der FinanzmĂ€rkte

Wie das genau geht, welche Arten von Derivaten es gibt und ob sich ein Investment auch fĂŒr Privatanleger lohnt – die Antworten finden Sie in unserem Überblick.

Was ist ein Derivat einfach erklÀrt?

Derivate sind spezielle Finanzprodukte, deren Preise sich von anderen Anlagen ableiten. Das heißt: Der Preis eines Aktien-Derivats leitet seinen Preis von Aktien ab, der eines Anleihen-Derivats fußt auf dem Wert von Anleihen.

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Auf diesen Mechanismus weist schon der Name hin. "Derivare" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet genau das: ableiten. Andere Bezeichnungen fĂŒr Derivate sind TermingeschĂ€fte oder Terminkontrakte.

Die Anlagen, die den Derivaten zugrunde liegen, nennt man Basiswerte, Basisprodukte oder auf Englisch Underlyings. Neben Wertpapieren wie Aktien und Anleihen können sich Derivate aber auch von Rohstoffen, Devisen, Indizes oder ZinssÀtzen ableiten.

In der Praxis heißt das, dass Sie mit Derivaten Wetten auf die Wertentwicklung der Basisprodukte eingehen können. Denn Sie investieren damit nicht direkt in Aktien, Anleihen und andere Anlagen, sondern Sie spekulieren, wie sich deren Wert kĂŒnftig entwickelt. Sie besitzen also keinen dieser Basiswerte, haben aber trotzdem Anteil an ihrer Entwicklung.

Wie funktionieren Derivate?

Weil Derivate sozusagen eine Wette darauf sind, wie sich die zugrunde liegenden Basiswerte entwickeln, können Sie – anders als bei einer direkten Geldanlage in den Basiswert – auch auf fallende Kurse oder Preise setzen. Diese Derivate bezeichnet man als "short", "put" oder "bear". Spekulieren Sie mit Ihren Derivaten hingegen auf steigende Kurse oder Preise nennt sich das auch "long", "call" oder "bull".

Sie können Derivate sowohl nutzen, um zu spekulieren, als auch, um ein Risiko abzusichern. Allerdings kommt Letzteres eher selten vor, weil es dafĂŒr andere, gĂŒnstigere Instrumente gibt.

  • Spekulation mit Derivaten: Nehmen wir an, Sie gehen von einem steigenden Ölpreis aus und möchten davon profitieren, ohne Ihr Geld direkt in einen Rohstoff-Fonds mit Öl zu investieren. Dann können Sie sich zum Beispiel ein Derivat auf den Ölpreis kaufen, das diesen eins zu eins abbildet. Angenommen dieses Derivat kostet 5 US-Dollar und das Barrel 50 Dollar. Steigt der Ölpreis dann um 10 Prozent, steigt im selben Rahmen auch der Wert des Derivats, sodass es 5,50 Dollar wert ist. Sie könnten aber auch ein Derivat wĂ€hlen, dass die Preisentwicklung des Basiswerts ĂŒberproportional abbildet – zum Beispiel eins zu zehn. In unserem Beispiel wĂ€re ihr Derivat dann nicht 5,50 Dollar wert, sondern 10 Dollar (10 Prozent * 10 = 100 Prozent). In diesem Fall spricht man von einem "Hebelprodukt".
  • Risikoabsicherung mit Derivaten: Finanzinstitute oder Unternehmen nutzen Derivate auch, um sich gegen WĂ€hrungs-, Kurs- oder Preisschwankungen abzusichern. In der Fachsprache nennt man das Hedging oder HedgegeschĂ€ft. Die Absicherung funktioniert so: Nehmen wir an, ein Produzent von Baumwolle möchte sicher gehen, dass der Preis fĂŒr sein Produkt bis zum Jahresende nicht unter 0,50 US-Dollar pro Pfund fĂ€llt. Dann kann er sich ein Derivat kaufen, das ihm genau diesen Preis zusichert. Andersherum könnte ein Textilunternehmen wollen, dass Baumwolle am Jahresende maximal 0,50 US-Dollar pro Pfund kostet und sich ein entsprechendes Derivat zulegen. FĂ€llt der Preis fĂŒr Baumwolle unter 0,50 US-Dollar pro Pfund, profitiert der Baumwollproduzent, weil er Baumwolle teurer verkaufen kann. Steigt der Preis hingegen, freut sich das Textilunternehmen, weil es Baumwolle gĂŒnstiger bekommt.
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Was fĂŒr Derivate gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Derivaten und es kommen laufend neue Produkte hinzu. Zu den wichtigsten Arten zÀhlen:

  • Zertifikate: Es gibt viele verschiedene Typen, etwa Index-Zertifikate, Bonus-Zertifikate, Knock-out-Zertifikate, Discount-Zertifikate oder Faktor-Zertifikate. Allen gemein ist, dass sie die Entwicklung eines Basiswerts abbilden. FĂŒr wen sich Zertifikate lohnen, erfahren Sie hier.
  • Futures: Hier sichern Sie sich bestimmte Konditionen (zum Beispiel Preis, Menge, Zeitpunkt) fĂŒr einen Basiswert, mit dem Sie in Zukunft handeln wollen. Sie verpflichten sich zudem, diesen Handel auch wirklich auszufĂŒhren.
  • Optionen/Optionsscheine: Hier besteht im Gegensatz zu einem Future keine solche Pflicht. Das heißt, wenn Sie eine Option oder einen Optionsschein kaufen, können Sie die damit gesicherten Konditionen nutzen, wenn diese letztendlich gĂŒnstiger fĂŒr Sie sind als die Konditionen am Markt – Sie mĂŒssen es aber nicht. Gibt der Markt bessere Konditionen her, handeln Sie stattdessen zu diesen und lassen die Option verfallen. Allerdings wird bei diesem Produkt immer eine PrĂ€mienzahlung fĂ€llig, egal ob Sie die Option nutzen oder nicht.
  • Swaps: Hier tauscht man Verbindlichkeiten, um gĂŒnstig an Fremdkapital zu kommen. Will sich zum Beispiel ein Unternehmen vom Risiko befreien, dass die Zinsen auf einen Kredit steigen könnten, kann es den auf den Kredit anfallenden variablen Zins gegen ein festen Zinssatz tauschen.
  • CFDs: CFD steht fĂŒr "Contract for Difference", zu Deutsch Differenzkontrakt oder Differenzvertrag. Mit einem solchen Derivat schließen Sie einen Vertrag auf den Kursunterschied des zugrunde liegenden Basiswerts ab. Erwarten Sie beispielsweise, dass der Basiswert im Kurs steigt, bekommen Sie die Differenz zwischen dem Kurswert bei Vertragsabschluss und dem Kurswert bei Vertragsende ausbezahlt – sofern Ihre Annahme ĂŒber einen steigenden Kurs zugetroffen ist. Andernfalls mĂŒssen Sie die Differenz zum Ausgangskurs zahlen, wenn der Kurs gefallen ist.

Derivate können sowohl an der Börse als auch außerbörslich gehandelt werden. Letzteres nennt man OTC-Derivate, wobei OTC fĂŒr "Over the Counter" steht, zu Deutsch: ĂŒber den Schalter.

Das GeschĂ€ft mit OTCs lĂ€sst sich schneller abwickeln, zudem Sie sparen sich die BörsengebĂŒhren. Allerdings sind OTC-Derivate oft noch risikoreicher als ihre börsengehandelten Pendants, weil sie nicht den ĂŒblichen Kontrollmechanismen unterliegen. Außerdem sind die Produkte schwerer vergleichbar, weil der Markt nicht transparent ist.

DarĂŒber hinaus unterscheidet man zwischen bedingten und unbedingten TermingeschĂ€ften. Bedingte TermingeschĂ€fte sind zum Beispiel Futures und Swaps, weil Sie dabei verpflichtet sind, das GeschĂ€ft auszufĂŒhren. Ein unbedingtes TermingeschĂ€ft hingegen besteht bei Optionen, die Sie nutzen können, aber nicht mĂŒssen.

Warum stehen Derivate in der Kritik?

Da Derivate Finanzprodukte sind, die sich von anderen Anlageprodukten ableiten, fĂŒhren sie dazu, dass sich die Zahl der Finanzinstrumente und auch das Volumen der KĂ€ufe und VerkĂ€ufe aufblĂ€ht – und zwar losgelöst von der realen Wirtschaft. Konkret bemĂ€ngeln Kritiker, dass mehr Wetten abgeschlossen und öfter Risiken abgesichert als tatsĂ€chlich GeschĂ€fte getĂ€tigt werden.

Das wiederum deutet darauf hin, dass viele Spekulanten unterwegs sind, die zum Beispiel die Preise fĂŒr Rohstoffe kĂŒnstlich in die Höhe treiben, womöglich so hoch, dass sich ganze LĂ€nder lebenswichtige Rohstoffe wie Weizen oder Reis nicht mehr leisten können.

Derivate bergen fĂŒr Anleger zudem hohe Risiken. Das liegt zum einen daran, dass sie sehr komplex sind und daher schwer zu verstehen – auch was die Kosten angeht. Zum anderen können Sie mit einigen Derivaten schneller als etwa mit dem normalen Kauf von Aktien einen Totalverlust erleiden.

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VerbraucherschĂŒtzer halten Derivate daher fĂŒr keine sonderlich seriöse Geldanlage – sondern eher fĂŒr eine Alternative zum Spielcasino. Speziell AnfĂ€nger und sicherheitsbewusste Privatanleger sollten deshalb besser auf andere Anlagemöglichkeiten zurĂŒckgreifen – etwa auf einen ETF-Sparplan oder andere Fonds.

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