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Oneceoin: Trauen Sie bei Kryptowährungen nicht Ihren Freunden


Fakes und Betrugsmaschen  

Warum Sie Ihren Freunden bei Kryptowährungen nicht trauen sollten

06.10.2021, 16:05 Uhr
Oneceoin: Trauen Sie bei Kryptowährungen nicht Ihren Freunden . Beim Geld hört die Freundschaft auf (Symbolbild): Betrügerische Kryptowährungen animieren Sie, Ihre Freunde als Anleger zu werben. Ist das Geld weg, ist meist auch die Freundschaft vorbei. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ Prostock-Studio)

Beim Geld hört die Freundschaft auf (Symbolbild): Betrügerische Kryptowährungen animieren Sie, Ihre Freunde als Anleger zu werben. Ist das Geld weg, ist meist auch die Freundschaft vorbei. (Quelle: Prostock-Studio/Thinkstock by Getty-Images)

Sie brachte Tausende Menschen um insgesamt mehr als 3 Milliarden Dollar: Mit Onecoin gaukelte Ruja Ignatova ihren Kunden eine vermeintlichen Kryptowährung vor. t-online erklärt, wie Sie nicht auf solche Maschen reinfallen. 

Würden Sie für Reichtum Ihre Freunde verkaufen? Viele betrügerische Kryptowährungen setzen genau darauf. Mit dem sogenanntem Multi-Level-Marketing (MLM) nutzen die dubiosen Anbieter bewusst das Vertrauen zwischen Freunden und Familienmitgliedern aus. 

"Viele Kunden wissen nicht, was hinter der Währung steht, aber das System über Freunde und Bekannte schafft Vertrauen, ein Zugehörigkeitsgefühl", erklärt Michaela Hönig von der Fachhochschule Frankfurt. Sie untersucht mit einer Forschungsgruppe den letzten großen Betrugsskandal in der Szene: Onecoin.

Das steckt hinter Onecoin

Die vermeintliche Kryptowährung hat die selbsternannte "Krypto-Köngin" Ruja Ignatova bis 2017 vertrieben und nach Schätzungen damit mehr als drei Milliarden US-Dollar von unerfahrenen Anlegern eingenommen. Vor vier Jahren ist die Frau aus dem Schwarzwald abgetaucht, seit September müssen sich nun ihre Handelspartner für die dubiosen Geschäfte vor Gericht verantworten. 

Ignatova hatte den Menschen Reichtum versprochen und die Euphorie über den Erfolg der größten Kryptowährung Bitcoin, die zu der Zeit ein Hoch erreichte, ausgenutzt. Dafür hat sie ein Multi-Level-Marketing-System aufgebaut, das Anleger belohnte, die neue Kunden in das geschlossene System brachten. Auf großen Events warb die "Krypto-Königin" für ihre neue Währung Onecoin, die angeblich die Finanzwelt revolutionieren und das reguläre Geld ersetzen würde.

Trittbrettfahrer setzen Onecoin fort

Doch wer seine Onecoins gegen eine harte Währung auszahlen lassen oder in andere, etablierte Kryptowährung tauschen wollte, biss auf Granit. Onecoin war auf keiner regulären Krypto-Börse gelistet, es ließen sich damit keine Produkte von Wert kaufen. Mittlerweile gehen viele Experten gar davon aus, dass Onecoin nicht einmal über eine Blockchain verfügt – dem technischen Herz jeder Kryptowährung. Es scheint: Onecoin war lediglich Schall und Rauch. 

Zwar ist Onecoin in Deutschland mittlerweile Geschichte. Doch noch immer führen Trittbrettfahrer das System in mehr als 40 Ländern aktiv fort, berichtet Hönig im Gespräch mit t-online. Zeitgleich warten neue betrügerische Kryptowährungen bereits auf die nächsten Anleger. Doch warum fallen Menschen auf solche Betrugsmaschen hinein? Warum ziehen sie dabei auch noch ihre Freunde und Familie ins Unglück? Und wie kann ich mich selbst davor schützen? t-online klärt die wichtigsten Fragen. 

Woran erkenne ich eine betrügerische Kryptowährung?

Zuerst einmal: Nicht jede Kryptowährung ist betrügerisch. Über die Jahre haben sich viele Währungen auf dem Krypto-Markt herausgebildet, die bereits auf dem Finanzmarkt etabliert sind. Die größten Kryptowährungen auf dem seriösen Markt sind dabei Bitcoin und Ether – für diese Währungen haben etwa Börsen bereits Zertifikatprodukte herausgegeben und immer mehr Banken bieten Fonds basierend auf Bitcoin und Ether an. 

Wenn Sie also überprüfen möchten, ob eine Kryptowährung, für die sie sich interessieren, seriös ist, können Sie diese zuerst mit den Größen wie Bitcoin oder Ether vergleichen. Stimmen die Kernaspekte überein? Dafür können Sie sich an einer Art Checklist orientieren. 

1. Lassen Sie sich nicht von schönen Internetauftritten blenden. Eine seriöse Seite ist heute mit verschiedenen Baukästen schnell gebaut und sagt wenig über die Firma aus.

2. Werfen Sie einen Blick auf das White Paper: In diesem erklären die Entwickler der Kryptowährungen die technischen Hintergründe der Währung, etwa mit welchen Mechanismen die Währung ihren Wert sichert. Haben Sie keine Sorge, wenn Ihnen die tiefe Expertise in dem Bereich fehlt. Für eine Übersicht können Sie zuerst überprüfen, ob ein Whitepaper überhaupt vorhanden ist und ob dieses auch ausführlich genug erscheint. Eine kurze Din-A4-Seite mit wenigen Stichpunkten ist dafür nicht ausreichend, zum Vergleich: Das Whitepaper von Ethereum hat einen Umfang von 36 Seiten.

3. Wird die Währung auf einer offiziellen Börse gelistet? Dieser Punkt ist ein einfacher und sehr wichtiger Prüfaspekt. Ein gutes Zeichen ist es, wenn die Kryptowährung auf den großen Börsen wie Binance, Kraken oder Coinbase gelistet ist. "Die großen Krypto-Börsen sind ihren Kinderschuhen entwachsen und werden erwachsen", sagt Hönig. "Die Seriosität hat sich bei diesen stark verbessert in den vergangenen Jahren."

4. Überprüfen Sie, wer hinter der Kryptowährung steht: "Laufen die Adressen ins Leere oder auf dubiose Accounts ins Ausland?", fragt Hönig, oder stehe eine Person zu dieser Währung? Auf diesen Punkt sollten Sie sich allerdings nicht allein verlassen, denn gerade bei Betrugsmaschen stehen die vermeintlichen Gründer im Vordergrund und versuchen, das Vertrauen der Anleger zu gewinnen,  so wie die "Krypto-Königin" Ignatova. Auf der anderen Seite ist bis heute nicht bekannt, wer der Gründer des Bitcoins ist. Prüfen Sie daher auch immer die vorhergegangenen Punkte und lassen Sie sich nicht von charismatischen Gründern blenden.

Wenn Sie eine Kryptowährungen nach diesen Kriterien untersuchen, können Sie schnell schwarze Schafe aussortieren. Gleichzeitig gibt es noch bestimmte Verhaltensmuster, die sich vor allem bei betrügerischen Kryptowährungen finden lassen. 

Auf welche Warnsignale muss ich achten?

Neben dem Vergleich mit anderen, etablierten Kryptowährungen sollten Sie bei unbekannteren Kryptowährungen auch immer auf bestimmte Warnsignale achten. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Anzeichen dafür, dass Sie auf eine unseriöse Währung gestoßen sind. 

1. Ihr werbender Freund bekommt eine Provision, wenn Sie in die Währung investieren. Kryptowährungen wie Onecoin haben das Vertrauen ausgenutzt, um so Freunde und Bekannte zu einem Investment zu überreden. "Einem Freund vertraut man viel eher als einem Verkäufer an der Haustür", erklärt Hönig. "Dieses Vertrauen hat Onecoin ausgenutzt." Wenn das Geld weg ist, ist meist auch die Freundschaft passé. 

2. Sie können nur Pakete kaufen und nicht die Währung selbst. Bei Onecoin haben die Kunden sogenannte Bildungspakete gekauft und damit verbundene Token. Damit haben die Kunden dann das Schürfrecht für eine bestimmte Anzahl an Onecoins erhalten. So umgehen die Betreiber, dass sie eine Erlaubnis für Finanzgeschäfte der BaFin erlangen müssten – die sie mit ihren Unternehmensmodell nie erhalten dürften. 

Bei großen, akzeptierten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether kaufen Kunden die Coins direkt. Wer zudem mit seinem Computer selbst Coins minen möchte, muss sich dafür nicht erst einkaufen, sondern stellt dem Netzwerk die Kapazitäten des eigenen Rechners zu Verfügung. Bei Bitcoin braucht es dafür mittlerweile eine sehr leistungsstarke Ausstattung.

3. Alle Anleger werden in einer Telegram- oder WhatsApp-Gruppe zusammengeführt, in der nur positive Aussagen stehen. Durch den Werbungsaspekt wächst die Gruppe und ohne negative Kommentare, fühlen sich die Anleger als Gewinner – auch wenn die Coins in Wahrheit wertlos sind. Bei Onecoin hat Ignatova alle Anleger beschworen, weiter dabei zu bleiben, selbst als das Kartenhaus bereits zusammenfiel. Die Kunden entwickeln so schnell ein Wir-gegen-die-Gefühl und bilden Loyalität gegenüber der betrügerischen Währung. 

4. Nur unternehmenseigene Shops nehmen die Währung an. Bei Onecoin gab es nur eine Plattform, auf der die Coins tatsächlich als Bezahlmethode anerkannt wurden: Der Shop DealShaker, der vor allem billigste Produkte aus China angeboten hat. Auch andere Währungen gründen ihren eigenen Shop, um die Illusion zu erwecken, dass die Anleger sich mit ihren Coins tatsächlich einen Gegenwert erwerben könnten. Auch das ist ein klares Warnsignal.

MLM-Systeme sind an sich nicht strafbar, betont Hönig – Sie sollten bei solchen Systemen dennoch aufpassen, dass Sie am Ende nicht mit einem Totalverlust dastehen. "MLM-Vermarktung ist legal. Es wird erst illegal, wenn die Firma den Anlegern Produkte oder Dienstleistungen verkauft, die nicht existieren," so die Wissenschaftlerin weiter.

Wer fällt besonders oft auf solche Betrugsmaschen rein?

Die unschöne Antwort lautet: Jeder läuft Gefahr, bei mangelnder Information in eine wertlose Kryptowährung zu investieren und sich dabei auch noch wie ein Gewinner zu fühlen – bis das böse Erwachen kommt.
"Laut den Anwälten gibt es bei den Geschädigten kein Muster, egal welchen Alters, welcher Region in Deutschland oder weiteren sozioökologischen Merkmalen. Aus jeder Bevölkerungsschicht sind Geschädigte dabei", sagt Hönig, die mit ihren Studenten beim Prozessauftakt in Münster vor Ort war.

"In Deutschland sind knapp 60.000 Menschen auf den Betrug reingefallen", erklärt die Expertin. Viele haben davon nur kleine Beiträge investiert, aber drei bis fünf Prozent der Anleger haben auch Summen zwischen 25.000 bis 30.0000 Euro an Onecoin überwiesen. "Bei einem weltweit agierenden Modell reichen diese drei bis fünf Prozent der Anleger für eine stattliche Summe aus", sagt Hönig.

Gibt es weitere betrügerische Kryptowährungen?

Auch heute gibt es Kryptowährungen, die in ihren Strukturen Onecoin ähneln, sagt die Expertin Hönig. Eine davon sei Platincoin (mehr zu der Kryptowährung lesen Sie hier).

Einige Punkte seien bei dieser Währung ähnlich zu Onecoin: "Bei den hohen Renditeversprechen von 30 Prozent, der großen Anzahl an Nutzern, der weltweiten Verbreitung in über 120 Ländern über Social Media Accounts ähneln sich die Währungen. Zudem müssen die Coins wieder über einen Umweg gekauft werden. Bei Onecoin waren das Schulungspakete, hier ist es eine App", erklärt Hönig.

Auch die technische Plausibilität stellt die Professorin in Frage: Bei Platincoin sollen Kunden mit der App "Powerminter" neue Coins "minten"– ein Begriff, den die Betreiber für das Erstellen neuer Coins verwenden. In der Branche ist dagegen das Wort "minen" dafür gängig. So eine Software sei untypisch für Kryptowährungen. "Beim branchenüblichen Mining benötigt man nur einen Computer mit starker Rechenleistung, jedoch keine Spezialsoftware", so Professorin Hönig. 

Die Luft für solche Maschen dürfte dünner werden

Und wie bei Onecoin sind die Anwendungsmöglichkeiten für die Währung stark begrenzt. Auch Platincoin bietet daher einen eigenen Marktplatz an: PlatinDeal. Aktuell ist dieser allerdings nicht einmal mehr erreichbar.

Hönig ist daher überzeugt: Onecoin ist kein Einzelfall, aber der bisher spektakulärste mit einer weltweiten Schadenssumme von mehr als drei Milliarden US-Dollar. Doch die Welt der Kryptowährungen könnte bald deutlich unangenehmer für Anlegerbetrüger in diesem Segment werden.

Fortschreitende Regulierungen machen die Luft für solche Maschen mit vermeintlichen Kryptowährungen dünner. Die Vorbereitungen dazu laufen schon: "Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Verordnung über Märkte für Kryptowerte genannt MiCA (Markets in Crypto-Assets)", sagt die Professorin.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Michaela Hönig
  • Ausarbeitung von Michaela Hönig
  • PlatinDeal: Offizieller Shop
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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