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Nachholfaktor: Das hat er mit Ihrer Rente zu tun | Definition

Nachholfaktor  

Warum diese Zahl zurzeit Ihre Rente erhöht

29.06.2021, 16:56 Uhr
Nachholfaktor: Das hat er mit Ihrer Rente zu tun | Definition. Älteres Ehepaar ordnet Finanzen (Symbolbild): Der Nachholfaktor ist ein Mechanismus in der Rentenanpassungsformel. Zurzeit ist er ausgesetzt. (Quelle: Getty Images/Marko Geber)

Älteres Ehepaar ordnet Finanzen (Symbolbild): Der Nachholfaktor ist ein Mechanismus in der Rentenanpassungsformel. Zurzeit ist er ausgesetzt. (Quelle: Marko Geber/Getty Images)

Zum Juli werden die Renten angepasst. Ein wichtige Rolle spielt hier der sogenannte Nachholfaktor. Der ist jedoch bis 2026 ausgesetzt. Senioren können sich darüber freuen.

Jedes Jahr zum Juli freuen sich Millionen Rentner auf eine Mitteilung der Rentenversicherung, die Anpassung der Rente. Zwar fällt die Rentenerhöhung 2021 wegen der Corona-Krise im Westen Deutschlands aus, während die Bezüge in den neuen Bundesländern nur minimal wachsen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Dafür könnten die Renten jedoch in den kommenden Jahren steigen. Das hängt mit dem sogenannten Nachholfaktor zusammen – oder besser: mit seiner Aussetzung. t-online erklärt Ihnen, wie dieser Faktor in der Rentenanpassungsformel wirkt und was die Aussetzung für Senioren bedeutet.

Was ist der Nachholfaktor – und wofür ist er gut?

Der Nachholfaktor klingt zwar sehr theoretisch, ist aber ein wichtiger Teil der sogenannten Schutzklausel in der Rentenanpassungsformel. Das ist die Formel, die bestimmt, wie hoch die jährliche Rentenanpassung zur Mitte des Jahres ausfällt. Der Faktor wirkt gemeinsam mit der staatlichen "Rentengarantie". Die besagt, dass Rentenkürzungen gesetzlich ausgeschlossen sind.

Der Nachholfaktor sorgt dafür, dass eine jetzige "theoretische Rentenkürzung" in den kommenden Jahren nachgeholt wird. Der Grund: Die Rentenkasse soll geschont werden.

Gut zu wissen: Die Rentenanpassungsfomel ist eine komplizierte Rechnung. Sie besteht noch aus weiteren Faktoren, etwa dem Riesterfaktor oder dem Nachhaltigkeitsfaktor.

So funktioniert der Nachholfaktor genau

Der Nachholfaktor verrechnet die eigentlich nötige Senkung mit möglichen Erhöhungen in den kommenden Jahren, sodass diese geringer ausfallen – allerdings maximal bis zur Hälfte. Wenn der Ausgleichsbedarf noch nicht vollständig "abgebaut" ist, wird er ins darauffolgende Jahr mitgenommen. Das gilt, bis die ausgebliebene Rentenkürzung vollständig ausgeglichen ist.

Der Nachholfaktor ist aber seit 2018 ausgesetzt – bis einschließlich 2025. Grund sind die 2009 eingeführten doppelten Haltelinien, die durch den Nachholfaktor gefährdet seien, so das Arbeits- und Sozialministerium. Die Haltelinien sorgen dafür, dass das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent fällt und der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigt. Ab 2026 tritt der Nachholfaktor wieder in Kraft.

Wie wirkt sich die Aussetzung des Faktors auf die Rente aus?

Durch den ausgesetzten Nachholfaktor werden theoretische Rentenkürzungen nicht mehr nachgeholt – für Senioren heißt das: Ihre Rente im Jahr 2022 erhöht sich stärker als mit dem Nachholfaktor. Letztlich haben Sie also mehr Geld in der Tasche als wenn der Faktor in der Rentenformel berücksichtigt würde.

Denn: Im Jahr 2021 hätten die Renten eigentlich gekürzt werden müssen, weil die Löhne wegen der Corona-Pandemie gesunken sind. Die Rentengarantie verhindert das. Stattdessen fällt die Rentenanpassung im Westen aus, im Osten steigen die Renten minimal um 0,7 Prozent.

Was ist die Kritik an der Aussetzung?

Ökonomen kritisieren, dass die Rentenkasse belastet wird, wenn man den Nachholfaktor aussetzt – weil Renten auch steigen, wenn die Löhne nicht anziehen. Die Rentenkasse steht ohnehin vor einem großen Finanzproblem. Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler. Welche Ideen es zur Sicherung der Rente derzeit gibt, lesen Sie hier.

So führte Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, jüngst im Interview mit t-online an, dass die jungen Menschen die Lasten der Corona-Krise zahlen. "Wenn wir jetzt durch Aussetzung des Nachholfaktors die Rentenbezüge weiter erhöhen, bürden wir den Jungen noch weitere Lasten auf", sagte der Top-Ökonom weiter. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Auch die FDP fordert seit Längerem, dass der Nachholfaktor wieder in Kraft treten soll. Johannes Vogel, Rentenexperte der FDP-Bundestagsfraktion, sagte der "FAS" dazu: "Ich freue mich über jeden Cent, den Rentnerinnen und Rentner mehr in der Tasche haben. Gleichzeitig ist es eine Frage der Fairness, dass sich Löhne und Renten langfristig im Gleichschritt bewegen."

Der Bund – das Arbeits- und Sozialministerium – hält bislang jedoch an der Aussetzung des Nachholfaktors fest. Es bleibt abzuwarten, wie eine künftige Regierung darauf reagieren wird.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesregierung: "Schutzklauseln in der Rentenformel"
  • Bundeszentrale für politische Bildung
  • FAS: "Corona steigert die Rente"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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