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Börse: Cannabis-Hype – diese ETFs & Aktien sind jetzt bei Anlegern beliebt


Cannabis-Legalisierung
Im Rausch der schnellen Börsengewinne

Von Leon Bensch

23.02.2024Lesedauer: 6 Min.
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Zwei Männer rauchen einen JointVergrößern des Bildes
Medizinisches Cannabis rauchen: Im Jahr 2021 importierte Deutschland 20,6 Tonnen für wissenschaftliche und medizinische Zwecke. (Quelle: Inside Creative House)

Deutschland legalisiert Cannabis. Gut für Firmen, die den Stoff verkaufen. Löst das einen Börsenhype aus und falls ja, sind Sie dabei? Die Strategie ist riskant.

Als Rausch wird das Gefühl eines vorübergehenden psychischen Zustands bezeichnet, der durch die Einnahme von Rauschmitteln erzeugt werden kann. Aber auch rhythmische Musik, Extremsport oder Glücksspiel können einen Rauschzustand erzeugen.

Während Kiffer sich am Wirkstoff THC der Cannabis-Blüten zu ihrer persönlichen Freude berauschen, erfahren Zocker einen ähnlichen Rauschzustand an der Börse, wenn die Aktienkurse nach oben schießen und mit ihnen ihr Puls.

Doch das kann schiefgehen, wie ein Blick auf die abgestürzten Börsenkurse einiger namhafter international agierender Cannabis-Unternehmen zeigt. Sind jetzt mit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland Aktien und Aktien-ETFs wieder ein attraktives Investment?

Der Handel mit Cannabis als Geschäftsmodell

Unternehmen, die mit Cannabis handeln, gibt es schon sehr lange. Bekannte Firmen wie Canopy Growth, Aurora Cannabis oder Tilray Brands sind seit fünf oder mehr Jahren an internationalen Börsenplätzen gelistet und sammeln Geld von Investoren ein. Immer wieder werden von PR-Agenturen und Maklern die Chancen eines Millardenmarktes beworben und Kursprünge von 50 Prozent und mehr versprochen, um Anleger anzulocken.

Mittlerweile gibt es auch eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt, die etwas mit den aus Cannabis gewonnenen Cannabinoiden zu tun haben – seien es Öle, Tropfen, Salben, Pflaster, Getränke oder Kapseln zum Einnehmen. Die meisten dieser Unternehmen mit solchen Bezeichnungen wie American Cannabis, Cannabis Poland, Cannabis Suisse, Deutsche Cannabis, Greenway Greenhouse Cannabis, Nova Cannabis, Pure Global Cannabis oder Supreme Cannabis notieren jedoch im Pennystock-Bereich, also unter einem Euro pro Aktie, und bieten daher viel Spielraum für Spekulation.

Wie gehen Anleger mit solchen Informationen um? Zunächst ist es wichtig, sich allumfassend mit den tatsächlichen Chancen und Risiken des Cannabis-Marktes zu beschäftigen.

Im neuen Gesetz: Was ist erlaubt und was nicht?

Im Gesetz zur teilweisen Legalisierung von Cannabis steht, dass Erwachsenen ab 18 Jahren der Besitz von 25 Gramm erlaubt wird. Privat dürfen maximal drei Cannabis-Pflanzen angebaut werden. In sogenannten Cannabis-Clubs dürfen Mitglieder gemeinschaftlich Cannabis anbauen und untereinander Drogen abgeben, aber es darf nicht geraucht werden. In der Nähe von Kitas, Schulen, Sportstätten oder Spielplätzen ist der Konsum zwischen 7 und 20 Uhr untersagt.

Medizinisches Cannabis als Schmerzmittel für Schwerkranke

In der Debatte um Cannabis wird oft übersehen, dass bereits seit 2017 die Verschreibung von medizinischem Cannabis an Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen gesetzlich erlaubt ist. Ärzte können Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in pharmazeutischer Qualität auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben. Dabei sind arznei- und betäubungsmittelrechtliche Vorgaben einzuhalten. Gesteuert und kontrolliert wird dies durch die Bundesopiumstelle. Im Jahr 2021 wurden für medizinische und wissenschaftliche Zwecke 20,6 Tonnen Cannabis nach Deutschland importiert.

Nicht nur schwer erkrankte Menschen oder Genusskonsumenten würden von einer partiellen Legalisierung profitieren, sondern auch Unternehmen, die Cannabis anbauen, verarbeiten und verkaufen. Wie ist die Stimmung an den Börsen, an der international tätige Firmen im Sektor Biotechnologie, Pharma und Cannabis um die Gunst der Aktionäre buhlen?

Dermapharm Holding erweitert seine Produktpalette

Dermapharm ist im kleinen SDax gelistet und hat im Januar 2022 die C3-Gruppe vom kanadischen Cannabis-Konzern Canopy Growth übernommen. Als Marktführer für Dronabinol in Deutschland und Österreich entwickelt die C3-Gruppe natürliche und synthetische Cannabinoide. Dronabinol enthält Wirkstoffe aus der Gruppe der Cannabinoide und findet vorwiegend in der Schmerz- und Palliativmedizin sowie in der Onkologie und Neurologie Anwendung.

Natürlich rechne Dermapharm durch eine Legalisierung von Cannabis mit einer zusätzlichen Dynamik für die zukünftige Geschäftsentwicklung, erklärt Dermapharm-Chef Hans-Georg Feldmeier gegenüber der Zeitschrift "Der Aktionär". An einer breiten Legalisierung könnten also Unternehmen wie Dermapharm oder Tilray Brands verdienen.

Tilray aus Kanada mit der Lizenz für Cannabis

Tilray Brands ist ein kanadisches Cannabis-Unternehmen und besitzt über seine Tochter Tilray Medical entsprechende Lizenzen, um medizinisches Cannabis in Deutschland zu vertreiben. Laut eigener Darstellung liegt der Fokus auf der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten, die trotz klassischer Schmerztherapie noch Beschwerden haben.

Über den deutschen Markt hinaus exportiert Tilray medizinisches Cannabis in 20 Länder auf fünf Kontinenten. Nach eigenen Angaben steht das Unternehmen mit Hunderttausenden Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern, Forschern und Behörden rund um den Globus in Kontakt.

Synbiotic sieht Cannabis als große Chance

Ein weiteres in Deutschland ansässiges Unternehmen, das auf die gesamte Cannabis-Produktpalette – vom Saatgut bis zum fertigen Produkt – setzt, heißt Synbiotic und stammt aus München. Synbiotic betrachtet die Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch im Heimatmarkt Deutschland als große Chance. Man möchte als voll integrierter Akteur mit langer Erfahrung das enorme Potenzial nutzen.

Anleger hoffen auf eine Rallye bei Cannabis-Aktien

Wer aufgrund der bevorstehenden Cannabis-Euphorie überlegt, sich an der Börse zu engagieren, sollte vorsichtig agieren. Der Cannabis-Hype wurde längst von Wasserstoff und zuletzt KI abgelöst – und ob sich ein neuer Trend entwickelt, ist nicht auszumachen. Außer leichten Kurszuckungen nach Pressemeldungen ist von einer mittelfristigen Erholung jedenfalls nichts zu erahnen.

Synbiotic wirtschaftet immer noch defizitär. Der Verlust pro Aktie lag im Jahr 2022 bei minus 0,83 Euro, im Jahr 2023 bei minus 0,48 Euro und soll in diesem Jahr auf minus 0,44 Euro sinken. Anfang des Jahres löste die bevorstehende Freigabe einen Kurssprung aus. Innerhalb eines Monats kletterte der Kurs um über 200 Prozent von drei auf über neun Euro pro Aktie. Aktuell kostet eine Aktie etwa 15 Euro.

Tilray fuhr 2022 einen Verlust von minus 2,35 US-Dollar je Aktie ein, der in diesem Jahr auf minus 0,11 US-Dollar pro Aktie sinken soll. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Konkurrenten aus den USA, Canopy Growth. Minus 7,07 US-Dollar je Aktie im Jahr 2022 und prognostiziert minus 1,05 US-Dollar in diesem Jahr. Die Zahlen von Mitbewerber Aurora Cannabis sehen nicht besser aus.

Von Highflyern zum Pennystock

Wer in der Hype-Phase Ende 2017 bis Mitte 2019 in Cannabis-Unternehmen investiert hat, hat entweder – wenn er zur richtigen Zeit ein- und wieder ausgestiegen ist – einen ordentlichen Gewinn eingefahren, oder er hat – wie die meisten Anleger – viel Geld verloren. Im Rückblick sehen die Kurse, die wie Raketen aufsteigen und genauso schnell zurück auf den Boden der Realität fallen, einfach aus. Man hätte nur hier rein- und da wieder rausgemusst. Doch so einfach ist das nicht, wenn die Zukunft unbekannt ist.

Niemand weiß, wie lange Rallyes andauern, zumal sie sich oft selbst befeuern. Aber die völlig überhöhten Bewertungen zu den meist nicht existenten Gewinnen der Unternehmen hätten ein Alarmsignal sein müssen. Heute stehen die Kurse der größten börsengehandelten Cannabis-Aktien von Tilray, Canopy und Aurora niedriger als wie vor dem Hype.

Tilray ist beispielsweise seit dem Hoch um minus 98 Prozent abgestürzt. Der Kurs von Synbiotic sank um 70 Prozent. Sowohl Canopy Growth als auch Aurora Cannabis haben über 99 Prozent verloren. Weitere negative Beispiele aus der Branche sind:

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  • Innovative Indl Properties: -72 Prozent
  • Cara Therapeutics Inc.: -89 Prozent
  • Cronos Group: -91 Prozent
  • OrganiGram Holdings Inc.: -95 Prozent
  • Village Farms International Inc.: -95 Prozent
  • SNDL Inc.: -98 Prozent
  • Amyris Inc: -99 Prozent

Diversifikation zahlt sich aus

Es ist für Unternehmen, die sich ausschließlich auf den Anbau, die Verarbeitung und den Verkauf von Cannabis spezialisiert haben, schwierig, gute Gewinnmargen zu erwirtschaften. Der Cannabis-Anbau benötigt kostenintensive Plantagen, Düngemittel, Gerätschaften und Personal.

Auf Biotechnologie spezialisierte Unternehmen mit nur wenigen Produkten oder gar nur einem in der Pipeline scheitern oft, während internationale Unternehmen, die sich im Markt mit diversen Produkten viel breiter aufstellen können, profitieren.

Dermapharm ist beispielsweise aufgrund seiner großen Produktpalette in den Bereichen pflanzlicher Wirkstoffe für die Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie finanzkräftig aufgestellt. Der Aktienkurs von Dermapharm ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 fair bewertet. Das Unternehmen erwartet einen Gewinn von 2,35 Euro pro Aktie in diesem Jahr. Außerdem zahlt das Unternehmen eine Dividende von 1,27 Euro je Aktie. Kurssprünge wie bei Tilray oder Canopy sind eher unwahrscheinlich.

ETF als Alternative zu Cannabis-Aktien

Wer sein Risiko begrenzen und trotzdem in Cannabis-Aktien investieren möchte, dem könnte auch ein ETF gefallen.

Der Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF (WKN: A2PX6U) mit 21 Millionen US-Dollar Anlagevolumen beinhaltet neben reinen Cannabis-Unternehmen wie Amyris auch etablierte Big Player der Pharmabranche, beispielsweise AbbVie oder den Spezialisten für Rasen- und Gartenpflege Scotts Miracle Growth.

Ein ETF streut das Risiko sehr breit, vollzieht aber zusätzlich den weltweiten Abschwung einer Branche. In diesem Fall hat der Rize Medical Cannabis und Life Sciences UCITS ETF in den vergangenen drei Jahren etwa 50 Prozent an Wert verloren – immerhin nicht ganz so viel wie einige Einzelaktien.

Die Performance des unwesentlich kleineren The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF (WKN: A2PPE8) mit 12,5 Millionen US-Dollar Volumen steht seit seinem Hoch im Februar 2021 mit 80 Prozent im Minus.

Schnelle Börsengewinne nicht in Sicht

Im Jahr 2020 wurden auf dem legalen Cannabis-Markt in Europa rund 230,7 Millionen Euro umgesetzt. Laut Prognose könnten sich die Umsätze bis zum Jahr 2025 auf über 3,1 Milliarden Euro mehr als verzehnfachen – was möglicherweise der Branche neuen Schwung verleiht.

Was die Börse betrifft, haben Anleger mit Cannabis-Aktien bisher kein gutes Geschäft gemacht, genauso wenig wie Unternehmen, die Cannabis produzieren oder vertreiben. Die meisten Unternehmen aus der Branche schreiben Verluste. Für Anleger gilt auch in Zukunft genau hinzuschauen, um die profitablen Unternehmen zu identifizieren.

Ob der Staat durch die legale Abgabe von Cannabis dem Schwarzmarkthandel die faktische Kontrolle entziehen wird und damit auch die Verkaufspreise reguliert, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Dass eine Cannabis-Legalisierung zu ungezügeltem Wachstum und hohen Gewinnen in der Branche führt, bleibt reine Spekulation.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • bundestag.de: "Experten sehen Chancen und Risiken bei einer Freigabe von Cannabis"
  • finanzen.net: "SynBiotic-Aktie im Höhenrausch"
  • CaPRis-Studie: "Cannabis: Potential und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse"
  • bfarm.de: "Cannabis als Medizin"
  • Der Aktionär: "Tilray, Dermapharm und Co."
  • statista.com: "Umsatz des legalen europäischen Cannabis-Marktes in den Jahren von 2020 bis 2025"
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