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Verleitet Klums Topmodel-Show MĂ€dchen zur Magersucht?

Von dpa
23.04.2015Lesedauer: 3 Min.
Essstörungen: Zu dĂŒnne Vorbilder? Shows wie "Germany's next Topmodel" sollen eine Rolle spielen, wenn MĂ€dchen Essstörungen entwickeln.
Zu dĂŒnne Vorbilder? Shows wie "Germany's next Topmodel" sollen eine Rolle spielen, wenn MĂ€dchen Essstörungen entwickeln. (Quelle: /dpa-bilder)
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Die Show "Germany's next Topmodel" (GNTM) von Heidi Klum ist wieder einmal in die Kritik geraten. Jetzt wird in einer Studie ein Zusammenhang zwischen der Sendung und Essstörungen bei jungen MĂ€dchen hergestellt. Der Sender ProSieben kontert: Übergewicht sei das viel grĂ¶ĂŸere Problem.

Initiatoren der Studie sind das Internationale Zentralinstitut fĂŒr das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), das dem Bayerischen Rundfunk in MĂŒnchen unterstellt ist, und der Bundesfachverband Essstörungen.

241 Patienten mit Essstörungen wurden gefragt, inwieweit sie Fernsehsendungen fĂŒr Essstörungen wie Magersucht und Bulimie mitverantwortlich sehen.

Zwei Drittel der Befragten von GNTM beeinflusst

Fast ein Drittel der Betroffenen gab dabei an, die TV-Reihe sei entscheidend fĂŒr die eigene Krankheitsentwicklung. Ein weiteres Drittel sieht zumindest einen "leichten Einfluss" der Sendung auf ihre Krankheit, wie das IZI mitteilt. Ein Großteil der Befragten (85 Prozent) stimmte der Aussage zu, dass die Topmodel-Show Essstörungen verstĂ€rken kann.

"Werden sie auf ihren Körper reduziert und in diesem hochsensiblen Bereich kritisiert, kann es nicht nur fĂŒr die Akteurinnen, sondern auch fĂŒr junge Frauen vor dem Fernseher fatale Folgen haben", sagt Studienleiterin Maya Götz und fordert "mehr Achtsamkeit beim Umgang mit jungen Frauen vor der Kamera".

Sender verweist auf ĂŒbergewichtige Gesellschaft

ProSieben weist die Kritik entschieden zurĂŒck. Das Thema Essstörungen sei unabhĂ€ngig von der Sendung. Außerdem: "Bei "Germany's next Topmodel" ist gesunde und nachhaltige ErnĂ€hrung ein wichtiges Thema", sagt ProSieben-Sprecher Christoph Körfer. "RegelmĂ€ĂŸig weisen die Juroren darauf hin: Wer hungert, hat keine Chance als Model erfolgreich zu sein. Das "Schönheitsideal" Size Zero spielt in der Sendung keine Rolle."

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Magersucht sei natĂŒrlich "fĂŒr alle Betroffenen und deren Familien ein großes und schlimmes persönliches Thema", Übergewicht sei gesellschaftlich betrachtet aber ein viel grĂ¶ĂŸeres Problem. "Da ist "Germany's next Topmodel" ein klarer Appell, sich gesund zu ernĂ€hren und Sport zu machen."

Kritik: "GNTM setzt unerreichbare Normen"

Die Auftraggeber der Studie kommen zu einem anderen Ergebnis. Klums schlanke Kandidatinnen (Kriterien: mindestens 1,72 Meter groß, höchstens KleidergrĂ¶ĂŸe 36) "werden nicht nur zum Ideal von Schönheit und Erfolg erhoben, sie scheinen als Normalfall, wie ein MĂ€dchen heute auszusehen hat", heißt es in der IZI-Mitteilung. "GNTM setzt unerreichbare Normen. GNTM stellt Aussehen und Körper in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit."

Magersucht ist ein schleichender Prozess

In der Studie befragte MÀdchen hÀtten explizit beschrieben, wie sie sich immer wieder mit den Kandidatinnen der Model-Show verglichen. "Und so hat auch ein Teil meiner Krankheit angefangen", sagt laut der Umfrage eine 14-JÀhrige mit Magersucht.

"Die Magersucht ist keine Erkrankung von heute auf morgen. Vielmehr handelt es sich um einen langen Prozess, der sich schleichend ankĂŒndigt", erklĂ€rt Bayerns Gesundheitsministern Melanie Huml (CSU) anlĂ€sslich des 14. Suchtforums zum Thema Essstörungen. "Deshalb ist Wachsamkeit gefordert - auch von Gleichaltrigen. Zudem sollten Fernsehsendungen und Modeschauen kein falsches Schönheitsideal vermitteln."

Psychologen bestÀtigen Zusammenhang

"Gesellschaftliche Ideale haben eine Auswirkung darauf, wie sich einzelne Personen in ihrem Weltbild wahrnehmen", sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes Psychologischer Psychotherapeuten (VPP), Marcus Rautenberg, und sprach von einer "auf den ersten Blick hochwertigen Studie". "Ich kann das aus psychologischer Sicht bestÀtigen."

Auch andere Sendungen beeinflussen das Essverhalten

"Germany's next Topmodel" ist nicht die einzige Sendung, die in der Studie unter die Lupe genommen wurde, nach IZI-Angaben aber diejenige, die die Betroffenen mit Abstand am hÀufigsten im Zusammenhang mit Essstörungen nannten.

Vereinzelt gaben die Befragten auch Sendungen wie "Extrem Schwer" oder "The Biggest Loser" an, die einerseits Tipps zum weiteren Abnehmen lieferten und den Patienten gleichzeitig das gute GefĂŒhl gĂ€ben, es gebe hĂ€sslichere Menschen als sie selbst. Eine Ă€hnliche Funktion ĂŒbernahm nach IZI-Angaben auch das Format "Extrem Schön", bei dem sich Frauen fĂŒr ein besseres Aussehen unters Messer legen. Auch Kochsendungen wie "Das perfekte Dinner" spielten in der Studie eine Rolle. Sie dienten einigen Erkrankten in Hochphasen ihrer Magersucht dazu, sich zumindest "satt zu sehen".

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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