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Neurodermitis bei Babys und Kindern:

Juckende Ekzeme  

Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern wissen sollten

04.12.2019, 12:58 Uhr | ag, t-online.de

Neurodermitis bei Babys und Kindern: . Kinder, die an Neurodermitis leiden, leiden oft im Erwachsenenalter an Ekzemen.  (Quelle: Getty Images/ yaoinlove)

Kinder, die an Neurodermitis leiden, leiden oft im Erwachsenenalter an Ekzemen. (Quelle: yaoinlove/Getty Images)

Trockene, schuppige Haut und ein quälender Juckreiz, der immer wieder zum Kratzen verleitet: Neurodermitis ist die häufigste Hauterkrankung bei Kindern und Babys. Was Eltern tun können, um die Beschwerden zu lindern und welche Maßnahmen sonst noch helfen.

Definition: Was genau ist Neurodermitis?

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie wird von starkem Juckreiz begleitet und verläuft in Schüben. 

Experten schätzten, dass in Deutschland etwa jedes sechste bis zwölfte Kind unter sechs Jahren von Neurodermitis betroffen ist. Eine Prognose über den Verlauf der Krankheit ist schwierig. Die Beschwerden können nach einiger Zeit wieder verschwinden. Manchmal leiden die Betroffenen aber auch noch im Erwachsenenalter an den juckenden Ekzemen oder entwickeln andere allergische Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen. 

Wie passiert bei Neurodermitis? Bei Neurodermitis ist die natürliche Hautbarriere gestört. Das heißt, die Haut kann ihre Funktion als Schutzschild nicht mehr erfüllen. Das Immunsystem reagiert überempfindlich und es kommt zu Entzündungen, Pusteln und starkem Juckreiz. Durch Kratzen kommen häufig Krankheitserreger in den Körper, die zu Infektionen führen können. Auslöser eines akuten Neurodermitis-Schubes können körpereigene oder externe Reize sein wie zum Beispiel bestimmte Allergene. 

Symptome und Verlauf der atopischen Dermatitis 

Bei einem akuten Neurodermitis-Schub ist die Haut gerötet und juckt. Manchmal bilden sich auch Bläschen, die leicht aufplatzen. Die Haut ist meist trocken und rissig, kann sich verdicken und ihre Struktur verändern. Welche Hautpartien betroffen und wie starkt die Beschwerden sind, ist individuell unterschiedlich und hängt auch vom Alter ab. 

Häufig beginnt eine Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren, typischerweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Der Verlauf der Krankheit hängt stark vom Alter ab, in dem ein Kind erkrankt. Bei Kindern mit Neurodermitis im ersten Lebensjahr wächst sich die Erkrankung oft wieder schnell heraus. Nach drei Jahren leidet nur noch die Hälfte darunter. Länger dauert die Krankheit, wenn sie im Alter von zwei bis fünf Jahren auftritt. In diesem Fall verschwinden die Beschwerden bei über 80 Prozent der Kindern etwa zehn Jahre nach dem ersten Auftreten.

Was hilft gegen das Kratzen? Eltern können versuchen, das Kratzen der Kinder zu mindern, beispielsweise durch kalte Umschläge, die den Juckreiz lindern. Zusätzlich können Eltern ihren Kinder nachts Schutzkleidung und -handschuhe anziehen, um sie vor Kratzattacken zu schützen. Bei starken Neurodermitisschüben mit Entzündungen verschreiben Ärzte Kortisoncreme und gegebenenfalls Antibiotika.

Bei Babys zeigt sich der Hautausschlag oft im Gesicht, auf den Wangen sowie auf den Außenseiten der Arme und Beine, seltener auch auf Rücken, Bauch und Brust. Milchschorf im Gesicht, an den Ohren und an den Außenseiten von Armen kann ebenfalls auf eine Erkrankung hinweisen. Typisch sind nässende Hautrötungen, die mit Schuppenkrusten bedeckt sind. Im Kleinkindalter sind oft die Gelenkbeugen der Arme und Beine, der Hals und die Hände betroffen. Während eines akuten Schubes können sich die Ekzeme auf die gesamte Haut ausdehnen.Besonders schlimm ist der quälende Juckreiz, der zum Kratzen verleitet. Dadurch gelangen oftmals Bakterien und Viren in die Wunden, die Infektionen verursachen. 

Bei älteren Kindern und Jugendlichen sind vor allem die Kniekehlen, die Ellenbeugen und der Nacken betroffen. Auch an den Handflächen und Fußsohlen kann der juckende Hautausschlag auftreten, eher selten zeigt er sich im Gesicht. 

Symptome bei Neurodermitis: Welche es sind und an welchen Stellen sie erscheinen.Symptome bei Neurodermitis: Welche es sind und an welchen Stellen sie erscheinen.


Ursachen: Wie entsteht Neurodermitis?

Die Ursachen des Hautleidens sind vielschichtig und wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Studien zeigen, dass vor allem Kinder in den Industriestaaten von Neurodermitis betroffen sind. Welcher Aspekt die Krankheit fördert, ist noch nicht klar. Die einen Forscher verdächtigen die Luftverschmutzung, andere bestimmte Lebensmittel oder übertriebene Hygiene. Die Hypothese, dass Neurodermitis bei Kindern durch Impfungen ausgelöst werden kann, ist wissenschaftlich nicht belegt. 

Etwa 30 bis 40 Prozent der Neurodermitiker leiden unter einer allergischen Form der Krankheit. Ihr Immunsystem reagiert heftig auf bestimmte Allergene, wodurch Entzündungen ausgelöst werden. Jedes dritte Kind mit Neurodermitis hat zudem eine Nahrungsmittelallergie, häufig gegen Nahrungsmittel wie Milch, Eier oder Nüsse. Weitere Allergene, die bei atopischer Dermatitis eine wichtige Rolle spielen können, sind Hausstaubmilben und Pollen. Auch Umweltgifte, Textilien und Zigarettenrauch können Neurodermitis auslösen. 

Fest steht, dass eine genetischen Veranlagung besteht. Ist ein Elternteil von Neurodermitis betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko des Kindes bei 20 bis 40 Prozent. Wenn beide Eltern unter Neurodermitis leiden, steigt es sogar auf 60 bis 80 Prozent. Doch auch Umweltfaktoren, psychische Belastungen, Infekte und Allergene in Lebensmittel, Pollen, Hausstaub und Tierhaaren begünstigen eine Neurodermitis oder verstärken deren Symptome.
  

 
Babys sind besonders häufig betroffen

Neurodermitis kann zwar in jedem Lebensalter auftreten, allerdings sind Säuglinge besonders anfällig für die Hauterkrankung. Die ersten Anzeichen treten häufig bereits in den ersten Lebensmonaten auf, bei manchen aber auch erst später im Jugend- oder Erwachsenenalter. 

Wenn Eltern und Geschwister bereits an Neurodermitis erkrankt sind oder Allergien haben, ist die Gefahr, dass das Baby ebenfalls erkrankt, höher. Studien haben jedoch gezeigt, dass Stillen in den ersten vier Lebensmonaten und der Verzicht auf Zufüttern vor dem vierten Lebensmonat das Risiko senken. Einen vorbeugenden Effekt hat auch das tägliche Eincremen der Baby-Haut mit pflegenden Cremes.

Übrigens: Studien bestätigen, dass je mehr Tabakrauch Kinder einatmen müssen, umso höher ihr Risiko ist, an einer Neurodermitis zu erkranken. Auch Rauchen in der Schwangerschaft erhöht neben zahlreichen anderen schädlichen Effekten auch das Risiko für eine Neurodermitis beim Kind.

Kann Neurodermitis wieder verschwinden? Je früher die Krankheit im Kindesalter auftritt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie von selbst verschwindet. Bei etwa 60 Prozent der Kinder, die in den ersten Lebensjahren Neurodermitis bekamen, ist die Krankheit bis zum zehnten Lebensjahr ausgeheilt. Bei circa 20 Prozent mildern sich die Symptome erheblich und bei weiteren 20 Prozent besteht sie unverändert weiter. 

Diagnose: So stellt der Arzt eine Neurodermitis fest

Wenn Eltern über einen längeren Zeitraum Hautveränderungen in Kombination mit starkem Juckreiz bei ihren Kindern feststellen, sollten sie einen Kinderarzt aufsuchen. Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Befragung zu den Beschwerden sowie allergischen Erkrankungen in der Familie. Eine körperliche Untersuchung mit Begutachtung der Haut bringt Klarheit, um welche Art von Hauterkrankungen es sich handelt. Hier erfolgt eine Abgrenzung zu anderen Ekzemen wie Skabies, Schuppenflechte oder Kontaktekzemen. In seltenen Fällen kann eine Probenentnahme (Biopsie) in einer betroffenen Hautstelle notwendig sein, um Gewissheit für die Diagnose zu bringen.

Um eine Überempfindlichkeit gegen typische Allergene wie Pollen, Tierhaare, Staubmilben oder Nahrungsmittel festzustellen, führt der Arzt eine Blutuntersuchung durch, bei der die Menge an Immunglobulin (IgE) bestimmt wird. Solche Blut-Allergietests werden bereits im Säuglingsalter durchgeführt. Im Anschluss daran können sogenannte Karenz- oder Provokationstests erfolgen. Beim Karenztest werden die ermittelten Reizstoffe über einen bestimmten Zeitraum vermieden, um zu sehen, wie sich das auf die Beschwerden auswirkt. Beim Provokationstest dagegen wird der Patient einer bestimmten Dosis des Allergens ausgesetzt. 

Behandlung: Medikamente, Cremes, Salben und Hausmittel

Neurodermitis ist nicht heilbar, aber gut zu behandeln. Eine gute Hautpflege, Medikamente (Antihistaminika) und das Vermeiden von Reizstoffen und Allergenen können die Beschwerden soweit abmildern, dass ein weitgehend normales Leben möglich ist.
 

 
Bei der Pflege spielt das regelmäßige Eincremen eine wichtige Rolle, um den Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der meist trockenen und rissigen Haut zu erhöhen. Die Creme oder Lotion sollte auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sein. Medizinische Ölbäder unterstützen die Heilung der Haut, da sie sie nicht so austrocknen wie andere Seifen.

Mit diesen Maßnahmen können Eltern ihre von Neurodermitis betroffenen Kinder unterstützen:  

  • tägliches Eincremen mit einer rückfettenden Salbe oder Creme
  • duschen statt baden, damit die Haut weniger austrocknet.
  • Fingernägel kurz halten, um beim Kratzen Infektionen zu vermeiden.
  • aufs Rauchen verzichten, denn Zigarettenqualm verstärkt die Symptome
  • weiche Baumwollkleidung statt Wolle und Synthetik
  • viel Bewegung an der frischen Luft
  • Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen durchwaschen
  • Räume nicht überheizen, den Schwitzen verstärkt den Juckreiz
  • Antihistaminika, die den Juckreiz stillen, abends verabreichen. Denn sie machen müde. 
  • bei Hautveränderungen sofort einen Arzt aufsuchen. Eine frühe Behandlung bringt größeren Erfolg.

Umgang mit kortisonhaltige Cremes: Verordnet der Kinderarzt bei einer akuten Neurodermitis eine kortisonhaltige Creme, wird diese meist nur einmal täglich aufgetragen werden. Die Besserung tritt in der Regel schnell ein, die Kratzspuren heilen allerdings nur langsam ab. In der weiteren Behandlung wird das Kortison nach etwa einer Woche wieder stufenweise abgesetzt. An den kortisonfreien Tagen sollten Eltern die Haut ihres Kindes mit einer wirkstofffreien Basispflege eincremen, die auf den Hautzustand abgestimmt ist.

Vorbeugen: Was Eltern tun können

Die Möglichkeiten, einer Neurodermitis vorzubeugen, sind begrenzt. Eine Empfehlung der Leitlinie "Allergieprävention“ lautet, dass während einer Schwangerschaft und bei genetischer Vorbelastung das Kind vier Monate lang voll  gestillt werden sollte, da die Muttermilch das Immunsystem stärkt. Falls Stillen nicht möglich ist und bei Eltern oder Geschwistern eine Allergie vorliegt, wird hypoallergene Milch empfohlen. 

Stillende Mütter sollten sich ausgewogen ernähren. Dabei sollte Fisch auf dem Speiseplan stehen, da dieser Neurodermitis vorbeugt. Das Gleiche gilt, wenn die Mutter schon in der Schwangerschaft Fisch isst. Darüber hinaus sollten Eltern darauf achten, ihre Kinder .keinem Zigarettenqualm ausgesetzt sind.

Das Zufüttern des Kindes sollte idealerweise vor dem dem vierten Lebensmonat stattfinden. Dabei sollten Säuglinge schon im 1. Lebensjahr auch Fisch bekommen. Das schützt die Kleinen offenbar vor atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis.

Daten aus zwei kleineren Studien sprechen dafür, dass das regelmäßige Eincremen der Haut von Geburt an bei Kindern, die ein hohes Risiko tragen, Neurodermitis zu entwickeln, eine leichte vorbeugende Wirkung hat. 

Laut einer neuen Studie ist das Risiko, eine Neurodermitis zu entwickeln, wesentlich niedriger, wenn bei Geburt des Kindes mindestens ein Hund im Haus gehalten wird. Risikoreduktion steigt mit der Anzahl der Hunde.  Katzen sollten sich Familien mit einem erhöhten Risiko für Allergien hingegen nicht anschaffen. 


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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