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Labor-Hypothese: Uniklinik widerspricht eigenem Forscher – Corona-Ursprung


Covid doch aus dem Labor? Uni widerspricht eigenem Forscher

Von Lynn Zimmermann

Aktualisiert am 27.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

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Sicherheitspersonal vor dem Institut für Virologie in Wuhan: Laut der umstrittenen Theorie soll hier der Ursprung der Corona-Pandemie liegen. (Quelle: Thomas Peter/imago images)
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Ein deutscher Forscher will neue Hinweise entdeckt haben, dass Corona doch aus dem Labor kommt. Nun distanziert sich sein eigenes Institut von der Studie.

Das Wichtigste im Überblick


  • Coronavirus soll eine "manipulierte Kopie" sein
  • Labor-Hypothese in der Kritik
  • Labor-Hypothese ist eine von vielen

Nach mehr als zweieinhalb Jahren Pandemie ist der Ursprung des Coronavirus bis heute nicht geklärt. Viele Forschende gehen von einem natürlichen Ursprung aus. Demnach wurde der Erreger von Covid-19 von einem Tier auf den Menschen übertragen. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten jedoch einen Unfall im Labor für möglich.

Ein Team von drei Wissenschaftlern will nun neue Hinweise darauf gefunden haben, dass Sars-CoV-2 tatsächlich in einem Labor entstanden ist und versehentlich in die Außerwelt getragen wurde. Zu ihnen gehört auch der deutsche Immunologe Valentin Bruttel, der am Universitätsklinikum Würzburg forscht. Doch nun gibt es harsche Kritik aus den eigenen Reihen.

Die neue Studie von Bruttel und seinen beiden Kollegen basiert auf folgender Annahme: Genetische Manipulationen, die bei der Herstellung künstlicher Viren angewendet werden, hinterlassen besondere Muster. Diese genetischen Muster können in der Analyse wie ein Fingerabdruck genutzt werden, um natürliche von künstlich durch den Menschen erzeugten Viren zu unterscheiden.

Coronavirus soll eine "manipulierte Kopie" sein

Wichtig zu wissen: Die Studie der drei Forscher ist zunächst als Vorab-Publikation, als ein sogenanntes Preprint, erschienen. Das heißt, sie hat noch keinen wissenschaftlichen Begutachtungsprozess durch unabhängige Fachkollegen durchlaufen. Die Ergebnisse sind noch nicht allgemein bestätigt.

Darstellung des Coronavirus: Neue Hinweise zum Ursprung des Virus.
Darstellung des Coronavirus: Immer wieder gibt es neue Untersuchungen zum Ursprung des Virus. (Quelle: Tomasz Mikielewicz/ Panthermedia/imago)

Dennoch stehen die Autoren hinter ihrer Annahme. "In Kombination mit anderen molekularen Hinweisen zeigen unsere Ergebnisse, dass dieses Virus zu 99,9 Prozent eine künstliche, wahrscheinlich manipulierte Kopie eines natürlichen Virus ist", erklärte Studienautor Bruttel gegenüber "ntv.de".

Hintergrund zum Forscherteam

Der promovierte Immunologe Valentin Bruttel arbeitet am Universitätsklinikum Würzburg und wurde mit dem diesjährigen Innovationspreis der Deutschen Biotechnologietage ausgezeichnet. Bereits im Sommer 2021 habe er erste Auffälligkeiten im Genom von Sars-CoV-2 festgestellt, so Bruttel. Seitdem habe er diese in seiner Freizeit weiter untersucht und mit seinen Kollegen Alex Washburn und Antonius VanDongen zu einer Vorab-Publikation ausgearbeitet.

Zu diesem Ergebnis kamen Bruttel und seine Kollegen unter anderem durch statistische Analysen der genetischen Muster sowie durch computergestützte Simulationen zur Evolution von Coronaviren. Das heißt: Sie verglichen das Genom des aktuellen Sars-CoV-2 Virus mit dem Muster, das durch die Computersimulation entstand. Die Ergebnisse wichen voneinander ab. Für die Forscher ist dieses Ergebnis ein ziemlich eindeutiges Indiz für dessen Manipulation.

Wie entstehen Labor-Viren?

Um künstliche Viren im Labor herzustellen, verwenden Forscher spezielle Enzyme, sogenannte Restriktionsenzyme. Sie können die Erbinformation (DNA) an spezifischen Stellen schneiden. Dabei kann jedes einzelne Restriktionsenzym die DNA nur an ganz bestimmten Stellen zerteilen.
Die so erzeugten DNA-Bausteine können dann in einem bestimmten Muster wieder zusammengesetzt werden. Diese Methode ist in der Gentechnologie schon lange bekannt und weit verbreitet.
Den Autoren zufolge erzeugen die Stellen, an denen die einzelnen DNA-Stücke zusammengefügt und modifiziert werden, allerdings ein besonderes Erkennungsmerkmal. Anhand dieser sogenannten Schnittstellen sollen künstliche von natürlichen Viren unterschieden werden können.

Labor-Hypothese in der Kritik

Das Team um Valentin Bruttel hält eine solche künstliche Herstellung darum für sehr wahrscheinlich. Andere Wissenschaftler bemängeln die neueste Labor-Hypothese jedoch.

Die jüngste Kritik kommt nun von Bruttels Arbeitgeber selbst: vom Universitätsklinikum Würzburg. Dessen Institut für Virologie und Immunbiologie beurteilt die Vorab-Studie in Kürze folgendermaßen:

  • Das beobachtete Genom-Muster kann auch natürlich entstanden sein – ähnliche Muster sind auch bei verwandten Coronaviren bekannt.
  • Die Position der Enzym-Schnittstellen ist kein sicherer Hinweis auf eine Manipulation. Kontrollierte Manipulationen im Labor ergaben auch andere Schnittstellen-Muster.
  • Die gewählte statistische Analyse ist unvollständig und führt zur Fehlinterpretation.
  • Dass das spezielle Genom-Muster von Sars-CoV-2 in der computersimulierten Evolution fehlt, ist kein überzeugender Beweis. Denn: In der Studie wurden nicht alle möglichen Restriktionsenzym-Kombinationen betrachtet.

Die Schlussfolgerung der Uniklinik lautet demnach: Die in dem Preprint dargestellten Analysen weisen "erhebliche methodische Schwachstellen" auf, durch die die Autoren die Ergebnisse überinterpretierten.

Zu den ersten Kritikern gehörte auch der Immunologe Kristian Andersen vom Scripps Research Institute in Kalifornien. Er beschrieb die Ergebnisse auf Twitter als "zutiefst fehlerhaft" und betonte ebenfalls, dass die beobachteten Muster in der Genom-Struktur von Sars-CoV-2 durchaus zufällig entstanden sein können. Der Vorgang, der für die zufällige Veränderung der Schnittstellen verantwortlich ist, könne sogar recht häufig vorkommen, argumentiert er.

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Auch der Leiter des Institut für Virologie an der Universität Gießen, Friedemann Weber, hatte auf Twitter Kritik an dem Preprint geübt. Auch seiner Meinung nach ist es möglich, Viren genetisch zu manipulieren, ohne die von Bruttel und seinen Kollegen erwähnten Spuren zu hinterlassen.

Labor-Hypothese ist eine von vielen

Sicherheit über das Entstehen von Covid-19 gibt es also weiterhin nicht.

Die verschiedenen Hypothesen nachzuverfolgen, ist Aufgabe des unabhängigen Expertenrats (SAGO) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In dessen neuestem Bericht hieß es jedoch, dass noch keine schlüssigen Angaben zu den Ursprüngen des Coronavirus gemacht werden können. Bis heute sei die wahrscheinlichste Theorie, dass das Coronavirus von einem Tier über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen ist.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • biorxiv.org: "Endonuclease fingerprint indicates a synthetic origin of SARS-CoV-2" (Stand: Oktober 2022; englisch)
  • n-tv.de: "Deutscher Forscher: Sars-CoV-2 kommt zu 99,9 Prozent aus Labor" (Stand: Oktober 2022)
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