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Wie die Modeindustrie nun Schutzkleidung näht

Mundschutz von H&M  

So unterstützt die Modeindustrie den Kampf gegen Corona

25.03.2020, 10:54 Uhr
Wie die Modeindustrie nun Schutzkleidung näht. Mundschutz-Masken: Auch beim deutschen Bekleidungshersteller Trigema werden nun Masken aus Stoff gefertigt. (Quelle: dpa/Trigema)

Mundschutz-Masken: Auch beim deutschen Bekleidungshersteller Trigema werden nun Masken aus Stoff gefertigt. (Quelle: Trigema/dpa)

Wegen der Corona-Pandemie stellen derzeit einige Textilunternehmen auf die Produktion von Schutzkleidung um. Darunter sind auch deutsche Firmen.

Normalerweise produzieren sie Kleider und T-Shirts, Sporthosen oder Unterwäsche. In der aktuellen Corona-Krise stellen einige Textilunternehmen nun um und fertigen Schutzkleidung für Krankenhäuser und Privatpersonen. Denn Masken und Kittel sind derzeit rar.

H&M fertigt Schutzbekleidung

Die schwedische Modekette H&M etwa teilt mit, dass sie in Kürze Schutzbekleidung für die Mitarbeiter in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen herstellen wird. Man wolle darauf achten, welche Bedürfnisse es gibt und wie das Unternehmen in dieser Situation am besten helfen könne, so eine Pressesprecherin auf Anfrage von t-online.de.

Der größte Bedarf bestehe derzeit an Schutzmasken, aber auch andere Schutzausrüstung wie Kittel und Handschuhe wird benötigt und solle deshalb gefertigt werden. "Wir arbeiten intensiv daran, auszuwerten, was unsere Lieferkette leisten kann", sagt die Pressesprecherin. Beliefert werden sollen die Länder, in denen die EU den größten Bedarf sieht – innerhalb und außerhalb der EU. In der Anfangsphase sollen die Artikel gespendet werden.

Die Auslieferung solle schnellstmöglich erfolgen, der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest. "Das Coronavirus betrifft uns alle", sagt Anna Gedda, Head of Sustainability. "H&M versucht sein Bestes, in dieser außergewöhnlichen Situation zu helfen." Die Herstellung der Schutzkleidung sei ein erster Schritt.

Die Luxusmodeunternehmen Balenciaga und Saint Laurent aus Frankreich bereiten sich derweil vor, Schutzmasken für französische Krankenhäuser herzustellen. Die Materialien hierfür müssten noch von der Gesundheitsbehörde genehmigt werden, heißt es in einem Statement. In Italien versucht auch die Luxusmarke Gucci zu helfen. Sie plant, in den kommenden Wochen über eine Million Atemschutzmasken und 55.000 medizinische Overalls zu spenden.

Mey konzentriert sich auf Schutzmasken

Und auch in Deutschland tut sich etwas in der Textilindustrie. Der schwäbische Wäschehersteller Mey hat einen Teil seiner Produktion schon umgestellt und testet Gesichtsmasken. "Die Anfragen von medizinischen Einrichtungen haben sich in den vergangenen Tagen derart gehäuft, dass wir uns dazu entschlossen haben", sagt Matthias Mey, Managing Partner der Unternehmensgruppe, zu t-online.de. "Bei unserer Maske handelt es sich um ein Hygieneprodukt, welches in der Kürze der Zeit weder medizinisch getestet noch zertifiziert werden konnte."

Die Prototypen sind bereits fertig. Anfang der kommenden Woche sollen sie in Serie gehen. Die Produkte sind ausschließlich für Kliniken und andere medizinische Betriebe gedacht. Allerdings seien sie kein Ersatz für Masken nach FFP2- oder FFP3-Standard, welche "noch dringender im direkten Kontakt mit COVID-19-Patienten benötigt werden", sagt Mey. Das gilt auch für die anderen von der Modeindustrie gefertigten Masken. "Wir hoffen dennoch, mit dieser Maßnahme einen kleinen Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus leisten zu können."

In der Produktion sind bereits die Mund- und Nasenschutzmasken des Bekleidungsherstellers Trigema aus Schwaben. Auch dieses Unternehmen sei von diversen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen angeschrieben und um Hilfe gebeten worden, berichtet Bonita Grupp, Tochter des Geschäftsführers, im firmeneigenen Podcast. Zusammen mit einer Pflegeeinrichtung aus der Region habe man zwei Arten von Masken entwickelt. Sie werden aus zweilagigem Piqué-Stoff gefertigt und sind bei 95 Grad waschbar.

"Wir haben die gesamte Produktion umgestellt, um den Mundschutz herzustellen", sagt sie. Auch Privatpersonen können diesen kaufen, aber Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen genießen bei der Bestellung Vorrang. Die Nachfrage sei hoch, weshalb derzeit auch samstags gearbeitet werde. "Wir hoffen, am Tag 10.000 oder mehr zu produzieren."

Schutzmasken für die slowakische Regierung

Täglich 25.000 Exemplare will der Hemdenhersteller Eterna aus Passau schaffen. Er produziert in seinem Betrieb in der Slowakei Schutzmasken für die slowakische Regierung. "Damit können alle unsere Kolleginnen und Kollegen weiterhin arbeiten", schreibt das Unternehmen in einem Facebook-Post. Zuvor war die Produktion von Hemden und Blusen aufgrund der Corona-Krise zurückgefahren worden. "Dort, wo sonst Hemden genäht werden, werden jetzt freie Kapazitäten genutzt, um solidarisch zu helfen." Derzeit seien die Masken nur für die Slowakei zugelassen, man arbeite aber mit Hochdruck daran, auch eine Zulassung für den Rest Europas zu erhalten.

Der Brautmodenhersteller Bianco Evento aus Berlin will auch Schutzkleidung und Mundschutzmasken verkaufen. Geplant ist die Herstellung von 35.000 Masken und 5.000 Kitteln. Man habe die Produktion bereits komplett umgestellt.

Coronavirus hat "dramatische Folgen" für die Bekleidungshersteller

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie bewertet den Einsatz der Unternehmen positiv. "Sie leisten mit der Herstellung von Schutzausrüstung und Atemmasken einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen das Virus", sagt Geschäftsführer Uwe Mazura. Dabei seien viele Hürden zu nehmen, vom Aufbau neuer Lieferketten über Zertifizierungsfragen bis hin zu Investitionen in neue Maschinen.

"Der Einsatz und das Engagement unserer Mittelständler bei der Produktion von Schutzausrüstung wird die Umsatzausfälle nicht kompensieren können, sondern steht viel mehr für das Verantwortungsbewusstsein unserer mittelständischen Textilindustrie." Die Folgen der Corona-Krise für die deutsche Textilindustrie seien dramatisch. Bekleidungshersteller seien besonders hart getroffen, da der Handel seine Geschäfte schließen musste. "Aufträge wurden reihenweise storniert, Lieferketten sind zusammengebrochen." Es bleibt abzuwarten, wann die Modeindustrie wieder ganz normal Kleider und T-Shirts, Sporthosen oder Unterwäsche produzieren kann.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Pressemitteilung H&M (auf Englisch)
  • Firmenwebseite Mey
  • Facebookseite Eterna
  • Trigema-Podcast Ausgabe 12: "Trigema stellt jetzt Mundschutzmasken her"
  • Statement der Kering Group
  • Twitteraccount Balenciaga
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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