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Coronavirus: Situation für Patienten ohne Coronavirus

Krankenhäuser und Covid-19  

So ist die Situation für Kranke, die nicht infiziert sind

26.03.2020, 20:53 Uhr
Coronavirus: Situation für Patienten ohne Coronavirus. Knie-OP: Alle planbaren Operationen sollen aktuell wegen der Coronakrise verschoben werden, um Ressourcen zu sparen.  (Quelle: imago images/imagebroker/theissen)

Knie-OP: Alle planbaren Operationen sollen aktuell wegen der Coronakrise verschoben werden, um Ressourcen zu sparen. (Quelle: imagebroker/theissen/imago images)

Operationen werden verschoben, Arzttermine abgesagt und Krankenhäuser für Besucher geschlossen: Das Coronavirus hat auch Auswirkungen auf diejenigen, die zwar krank sind, aber nicht wegen Covid-19 behandelt werden müssen. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bereits Mitte März in einem Brief an alle deutschen Krankenhäuser appelliert, angesichts der Corona-Krise planbare Operationen und Eingriffe jetzt zu verschieben. "So entstehen freie Kapazitäten bei der Grundversorgung und insbesondere auf Intensivstationen, um Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen behandeln zu können“, sagte Spahn. Viele Krankenhäuser folgten dem Appell, auch Arztpraxen sagen zunehmend nicht notwendige Termine ab. t-online.de hat mit einem Patienten gesprochen, der von dieser Auswirkung der Corona-Krise direkt betroffen war – und mit der Klinik, in der er operiert wurde. 

Schwerer Unfall im Januar 2020

Im Januar hatte der Patient, der seinen Namen nicht öffentlich lesen möchte, einen schweren Unfall. Es folgten Operationen, um unter anderem einen Trümmerbruch der Kniescheibe zu heilen. Besonders bei den ersten Operationen spielte das Coronavirus in Deutschland noch kaum eine Rolle, schildert der 56-Jährige. 

Weil die von seinem Wohnort aus etwas weiter entfernte Klinik die für die erste Notfalloperation aus nächste gewesen war, blieb er im Klinikum Esslingen in ambulanter Behandlung. Dort fühlt er sich gut aufgehoben. Am 12. März sollte schließlich die dritte von fünf Operationen folgen, danach, so hoffte er, könnte er wieder arbeiten gehen. Doch daraus wurde nichts, die Operation musste verschoben werden.

Erfolgreiche Operation mit Hindernissen 

Am 19. März kam dann der Anruf: Am nächsten Vormittag könne die OP stattfinden, weil es sich um eine "vorrangige" Operation handle. "Ich war erleichtert, dass ich kommen durfte", erzählt der Patient. Doch dann wurde es noch einmal spannend. "Ich musste mich am Eingang anmelden, es wurde nur hereingelassen, wer auf einer Liste stand." Im ambulanten OP angekommen, wurde er schließlich aber wieder hinausgeschickt. Er solle sich in der Nähe des Krankenhauses aufhalten, telefonisch erreichbar bleiben. Nur im Krankenhaus bleiben, das dürfe er nicht. "Die Wartebereiche waren alle abgesperrt, überall standen Verbotsschilder, das war für mich das Schlimmste", erzählt der Baden-Württemberger. 

Besuchsverbot: In Kliniken wie hier in Hamburg dürfen die Patienten nicht mehr besucht werden.  (Quelle: imago images/Andre Lenthe)Besuchsverbot: In Kliniken wie hier in Hamburg dürfen die Patienten nicht mehr besucht werden. (Quelle: Andre Lenthe/imago images)

"Ich bin dann betont langsam in dem Krankenhaus umhergehumpelt und habe mich in Fahrstühlen aufgehalten, aber etwa 15 Minuten später kam auch schon der Anruf." Die OP konnte dann tatsächlich stattfinden und alles ist gut verlaufen. Doch nach ihm wurde augenscheinlich niemand mehr operiert, der ambulante OP der Klinik sei geschlossen worden, die Schwestern in Kurzarbeit geschickt, so der 56-Jährige. "Wozu das alles, wenn doch mit einem Ansturm an Corona-Patienten gerechnet wird?"

Klinik hat Ambulanzen geschlossen 

Das erklärt Anja Dietze, Pressesprecherin des Klinikums im Gespräch mit t-online.de. Wie viele andere Kliniken ist auch das Klinikum Esslingen dem Aufruf von Jens Spahn gefolgt und hat seine Ambulanzen geschlossen und Sprechstunden abgesagt. "Wir fahren natürlich nicht alles auf Null: Dringende onkologische Behandlungen, die Geburtenstation und auch die psychologische Abteilung gibt es weiterhin", erklärt Dietze, vor allem der OP-Bereich sei "ganz deutlich" heruntergefahren worden, um Kapazitäten zu bündeln. 

Der ambulante OP-Bereich hingegen, in dem auch der Patient aus Baden-Württemberg operiert wurde, gehöre nicht direkt zum Klinikum, sondern zu einem Team aus niedergelassenen Anästhesisten. Deshalb könne Dietze nicht sagen, ob die Mitarbeiter dort in Kurzarbeit entlassen worden seien. Diesen sei aber angeboten worden, jetzt in der Klinik auszuhelfen und insgesamt sei das gesamte Haus geprägt von sehr viel Solidarität. "Es gibt einen großen Zusammenhalt in dieser Zeit, alle Kräfte und Geräte werden gebündelt." Dafür seien alle planbaren Operationen verschoben und sogar einige Stationen "freigeräumt" worden.

Insgesamt könnten am Klinikum Esslingen rund 80 Covid-19-Patienten aufgenommen werden, 31 davon auf einer Intensivstation. "Ich denke, wir sind bestmöglich vorbereitet", sagt Dietze, es gebe eine Task-Force und Pandemiepläne sowie zusätzliche Schulungen für die Mitarbeiter. Sie hoffe zudem auf das Verständnis der Patienten, die durch die Vorbereitungen auf das Coronavirus vielleicht länger auf eine OP warten müssten.  

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Klinikum Esslingen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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