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Coronavirus und Krebs: Das sollten Krebspatienten wissen

Vorerkrankungen als Corona-Risiko  

Das sollten Krebspatienten wissen

07.09.2020, 17:45 Uhr
Coronavirus und Krebs: Das sollten Krebspatienten wissen. Beratungsgespräch: Krebspatienten sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob eine Therapie wegen des Coronavirus verändert oder verschoben werden sollte. (Quelle: Getty Images/Yok46233042)

Beratungsgespräch: Krebspatienten sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob eine Therapie wegen des Coronavirus verändert oder verschoben werden sollte. (Quelle: Yok46233042/Getty Images)

In Deutschland steigen die Corona-Infektionszahlen wieder an. Krebspatienten sollten einige Dinge beachten – besonders, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist. Antworten auf häufige Fragen.

In Deutschland breitet sich das Coronavirus SARS-CoV-2 erneut aus. Patienten mit Krebs sollten zu ihrem Schutz entsprechende Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen beachten – vor allem, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist. Wir geben Antworten auf häufige Fragen.

Nach allem, was bislang bekannt ist, trifft Covid-19 nicht alle Infizierten gleich stark. Von schweren Verläufen betroffen sind laut dem Robert Koch-Institut neben älteren Menschen und Betroffenen mit Vorerkrankungen auch Patienten mit einem Tumor und Menschen, die sich in einer Krebsbehandlung wie etwa einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie befinden. Im Folgenden geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Habe ich als Krebspatient ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit dem Coronavirus?

"Generell ist das Risiko für Krebspatienten, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren eine Lungenentzündung zu erleiden, deutlich höher als für Gesunde", informiert die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Dies gelte wahrscheinlich auch für Infektionen durch SARS-CoV-2. Darum können für diese Menschen besondere Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sein.

Allerdings gehört nicht jeder Krebspatient per se infolge eines Tumors oder einer Krebsbehandlung zur Risikogruppe für eine Erkrankung an COVID-19. Krebspatienten mit einer gut beherrschten Erkrankung oder nach erfolgreich abgeschlossener Erstbehandlung haben kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit SARS-CoV-2.

Wie hoch das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 ist, hängt davon ab, ob ihr Immunsystem aktuell geschwächt ist.

Wann ist das Immunsystem bei Menschen mit einer Krebserkrankung geschwächt?

An einem geschwächten Immunsystem können Krebspatienten laut der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) aus folgenden Gründen leiden:

  • Erkrankung an einer Leukämie oder einem Lymphom
  • Wenig weiße Blutkörperchen im Blut (Leukozytopenie)
  • Wenig Antikörper im Blut (niedrige Immunglobulinwerte)
  • Langfristige Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, also zu einer Immunsuppression führen (zum Beispiel Kortison),
  • Transplantation körperfremder Stammzellen oder andere zelluläre Therapien (zum Beispiel eine CAR-T-Zell-Therapie).

Sollte ich eine Krebstherapie zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus verschieben?

Die (DGHO) warnt davor, dass die Furcht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht die Behandlung einer bereits entdeckten, lebensgefährlichen Krebserkrankung beeinträchtigen dürfe.

Bei der Mehrzahl der Betroffenen sei der Nutzen der Therapie bei akut an Krebs Erkrankten größer als das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV-2. Letztlich sollten immer die behandelnden Ärzte abwägen, wie bei der Behandlung weiter verfahren wird. Bei Betroffenen mit einer gut beherrschten Krebserkrankung kann es unter Umständen aber infrage kommen, die Therapie zu verschieben.

Corona-Test für Risikogruppen
Das Robert Koch-Institut empfiehlt aktuell Menschen aus Risikogruppen mit neu aufgetretenen Atemwegsbeschwerden, sich auf Covid-19 zu testen. Wenden Sie sich dazu telefonisch an das Gesundheitsamt vor Ort oder Ihren Hausarzt. So erfahren Sie, wann und wo Sie einen Test durchführen lassen können.

Erhöht eine medikamentöse Tumortherapie mein Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken?

Nicht jeder Patient mit Krebs ist infolge der Krebsmedikamente stark immungeschwächt. Ihr Arzt kann Sie darüber informieren, ob Ihre Arzneimittel immunsuppressiv sind und ob Ihre Körperabwehr während der Einnahme geschwächt ist. Nicht alle Krebsmedikamente wirken immunsuppressiv.

Inwiefern macht mich eine Chemotherapie anfälliger für eine schweren Verlauf von Covid-19?

Einige bei der Chemotherapie genutzte Medikamente (Zytostatika) beeinflussen die Blutbildung im Knochenmark. Dadurch können etwa zu wenige weiße Blutkörperchen, die sogenannten Leukozyten, produziert werden, was wiederum die Immunabwehr schwächt. Dadurch steigt die Gefahr für Infektionen (Leukopenie). Manche Zytostatika wirken stark immunsuppressiv. Dazu gehören unter anderem:

  • Cyclophosphamid
  • Vinblastin

Andere Zytostatika hemmen die Abwehr weniger. Zu ihnen zählen etwa:

  • Taxane wie Paclitaxel
  • Docetaxel

Sprechen Sie bei Unsicherheiten Ihren Arzt auf die Chemo-Medikamente und das Risiko für Corona an. Wie stark das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen wird, hängt neben der Art der Wirkstoffe aber auch von der Dosis einer Chemotherapie ab. Vor allem bei einer Blutstammzelltransplantation und bei akuten Leukämien kommen Medikamente zum Einsatz, die das Abwehrsystem stark angreifen.

Was gilt für Patienten bei einer Strahlentherapie?

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) empfiehlt, medizinisch notwendige Bestrahlungen wenn möglich nicht zu verschieben oder zu unterbrechen. Bei manchen Patienten kann aber das Vorgehen angepasst werden – etwa, indem die Strahlentherapie in weniger Sitzungen, aber mit höheren Dosen vorgenommen wird.

Worauf sollten Krebspatienten während der Corona-Epidemie generell achten?

Auch für Patienten mit einem Tumor gelten die vom Robert Koch-Institut empfohlenen Hygienemaßnahmen: gründliches Händewaschen mit Seife, Händedesinfektion, Einhalten von einem Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern zu anderen Personen sowie die Einschränkung der sozialen Kontakte.

Betroffene, die aktuell eine immunsuppressive Therapie erhalten oder unter einer unkontrollierten Krebserkrankung leiden, sollten besonders vorsichtig sein und sich wenn möglich in die freiwillige Isolation begeben.

Worauf sollten Krebspatienten mit Begleiterkrankungen achten?

Insbesondere Menschen mit Begleiterkrankungen neben dem Krebs laufen Gefahr, bei einer SARS-CoV-2-Infektion schwer zu erkranken. Darum sollten Betroffene besonders auf eine gute generelle Gesundheit achten, rät die DGHO.

Dazu gehört eine Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen und der Ausgleich möglicher Mangelzustände, etwa an Vitamin D und Eisen. Auch auf ausreichende Bewegung und Pneumonieprophylaxe (etwa durch Physiotherapie und Atemtherapie) sollte geachtet werden. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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