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Coronavirus und Adipositas: Ist Fettleibigkeit ein Risikofaktor?

Covid-19 und Adipositas  

Ist Fettleibigkeit ein Risikofaktor für das Coronavirus?

02.05.2020, 17:35 Uhr | sms, t-online.de

Coronavirus und Adipositas: Ist Fettleibigkeit ein Risikofaktor?. Fettleibigkeit und Coronavirus: Sind dicke Menschen gefährdeter, schwer an Covid-19 zu erkranken? (Quelle: Getty Images/ vadimguzhva)

Fettleibigkeit und Coronavirus: Sind dicke Menschen gefährdeter, schwer an Covid-19 zu erkranken? (Quelle: vadimguzhva/Getty Images)

Bisher ist bekannt, dass vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen schwerer an Covid-19 erkranken. Eine amerikanische Studie zeigte nun, dass Fettleibigkeit sogar gefährlicher als Asthma oder COPD sein könnte. 

Dass starkes Übergewicht schädlich für die Gesundheit sein kann, ist bekannt. Forscher des New Yorker "NYU Langone Medical Center" haben jetzt untersucht, inwiefern Adipositas einen Einfluss auf eine Coronavirus-Erkrankung haben kann und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. 

Fallanalyse mit mehr als 4.000 Patienten aus New York City 

Die Wissenschaftler haben eine Querschnittsanalyse mit Patienten durchgeführt, die zwischen dem 1. März und dem 2. April 2020 als Covid-19-Fälle in New York bestätigt wurden. Besonders betrachtet wurden Krankenhausaufenthalte, schwere Verläufe und Sterbefälle.

Die Forscher analysierten insgesamt 4.103 Fälle, von denen 1.999 ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Etwa die Hälfte (981 Patienten) wurde wieder nach Hause entlassen. 292, also etwa 14,6 Prozent, starben oder wurden ins Hospiz entlassen. Von 445 Patienten, die eine mechanische Beatmung benötigten, sind 162 (36,4 Prozent) verstorben. Fast 40 Prozent der Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, waren adipös. 

Hoher Body-Mass-Index verstärkt Krankenhausrisiko

Das Risiko, bei einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus zu kommen, steigt der Studie zufolge bei Menschen, die 65 Jahre alt oder älter sind sowie bei jenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 40 und bei Menschen mit Herzinsuffizienz. Die Patienten waren häufiger adipös (39,8 versus 14,4 Prozent) als Patienten mit Covid-19, die nicht stationär aufgenommen wurden. Die Adipositas gefährdete die Patienten damit ungefähr so stark wie eine Herzinsuffizienz, aber deutlich stärker als Lungen- oder Krebserkrankungen. 

Demnach gehöre Adipositas neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf des Coronavirus. Wie das Ärzteblatt berichtet, erhöht eine Adipositas auch das Risiko, an einem lebensgefährlichen Verlauf von Covid-19 zu erkranken, auf der Intensivstation betreut zu werden oder sogar zu sterben. 

Warum erkranken übergewichtige Menschen schwerer an Covid-19?

Bisher ist unklar, warum adipöse Patienten häufiger einen schweren Verlauf von Covid-19 erleiden. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Entzündungsreaktionen, die bei einer Fettleibigkeit auftreten, eine Rolle spielen könnten. Daraus folgt bei schweren Covid-19-Verläufen häufig ein unkontrolliertes Überschießen des Immunsystems, das zu Kreislaufschock und multiplem Organversagen führen kann.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Übergewicht auch bei anderen Infekten zu einer geringeren Abwehr des Immunsystems führt und Menschen mit starkem Übergewicht ohnehin eher zu Infektionen neigen. 

Außerdem, so berichten zahlreiche Intensivmediziner laut "Welt", könne eine hohe Fettkonzentration vor allem im Bauchraum, wie sie sich besonders häufig und ausgeprägt bei Männern findet, das Zwerchfell und die Lungen zusammendrücken und eine mechanische Beatmung erschweren.

1.101 Patienten der amerikanischen Studie waren fettleibig. Damit lag die Zahl etwas unter dem Wert für die gesamten USA, wo mehr als ein Drittel stark übergewichtig sind. Die Forscher erklären diesen Unterschied damit, dass "eher höhere Einkommensgruppen" in den untersuchten Kliniken behandelt würden. In den USA sind vor allem ärmere Bevölkerungsschichten von Fettleibigkeit betroffen. 

Andere Forscher berichten von ähnlichen Ergebnissen 

Etwa die Hälfte der übergewichtigen Patienten musste der Studie zufolge künstlich beatmet werden. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine deutsche Studie der Uniklinik RWTH Aachen. Dieser Studie zufolge waren Patienten, die bei einer Covid-19-Erkrankung unter akuter Atemnot litten oder künstlich beatmet werden mussten in 83 Prozent der Fälle übergewichtig. Untersucht wurden in dieser Studie 50 Patienten mit schwerem Verlauf aus dem Landkreis Heinsberg. 

Wie "Die Welt" berichtet, sagte Dr. med. Karsten Schmidts, Facharzt für Anästhesie und leitender Oberarzt auf der anästhesiologischen Intensivstation am Universitätsklinikum Essen, dass sich die Studienergebnisse mit seinen Beobachtungen decken. "Die meisten Patienten, die mit schweren Covid-Verläufen zu uns auf die Intensivstation kommen, sind tatsächlich übergewichtig bis adipös. Die Normalgewichtigen sind in der Unterzahl", so der Mediziner. Gleichzeitig warnte er, voreilige Schlüsse aus der Studie zu ziehen. Nicht jeder mit Übergewicht sei automatisch Risikopatient. 

Aber auch Berichte aus anderen Ländern bestätigen die Studie der New Yorker Mediziner. Ein französisches Forscher-Team beobachtete: Mehr als drei Viertel der Covid-Patienten, die zwischen Ende Februar und Anfang April intensivmedizinisch behandelt wurden, waren fettleibig bis schwer fettleibig, mit einem BMI über 35. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Notwendigkeit zur Beatmung mit der Höhe des BMI anstieg.

Auch Ärzte aus Wuhan zeigten, dass mehr als 88 Prozent der an Covid-19 Verstorbenen einen BMI von über 25 hatten und damit übergewichtig bis fettleibig waren.

Adipositas als Risikofaktor: Überraschendes Ergebnis

"Die chronische Erkrankung, die am stärksten mit einer schweren Covid-Infektion im Zusammenhang steht, ist Adipositas – und zwar in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung“, heißt es in der Studie aus den USA.

Christopher Petrilli, der leitende Autor der Studie, sagte im Gespräch mit "Die Welt": "Das war tatsächlich ein ziemlich überraschendes Ergebnis für uns." Wichtig sei zudem, dass Adipositas nicht nur in Kombination mit anderen Risikofaktoren zu einem schweren Verlauf führe, sondern ein "bedeutender, unabhängiger und alleinstehender Faktor" sei. 

Auch junge Menschen mit Adipositas schwerer betroffen

Eine zweite Studie der Forscher betrachtet Patienten unter 60 Jahren mit Adipositas. Hier sei der Zusammenhang noch deutlicher. Übergewichtige jüngere Menschen mussten doppelt zu häufig ins Krankenhaus und auf die Intensivstation verlegt werden, wie normalgewichtige Menschen im gleichen Alter. 

In den USA sind vor allem Afroamerikaner, Hispanics und weiße Amerikaner in ländlichen, sozioökonomisch benachteiligten Regionen von Adipositas betroffen. In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut etwa ein Viertel der Erwachsenen adipös.

Adipositas: So berechnen Sie Ihren BMI 

Um festzustellen, ob Sie übergewichtig sind oder sogar an Fettleibigkeit leiden, können Sie ganz einfach Ihren Body Mass Index (BMI) berechnen. Dazu müssen Sie Ihr Gewicht durch Ihre Körpergröße in Metern zum Quadrat teilen. 

Einen einfachen BMI-Rechner finden Sie hier. 

Ein gesunder BMI liegt etwa zwischen 19 und 25. Bei einem geringeren BMI haben Sie höchstwahrscheinlich Untergewicht, steigt Ihr BMI über 25, leiden Sie an Übergewicht. Jemand gilt als adipös, wenn sein BMI über 30 liegt. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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