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Steigen die Corona-Zahlen, weil mehr getestet wird?

Von dpa
Aktualisiert am 15.08.2020Lesedauer: 3 Min.
Corona-Pandemie: Die Anzahl der Tests wird erhöht, auch auf FlughÀfen, wie dem Konrad-Adenauer-Flughafen in Köln-Bonn.
Corona-Pandemie: Die Anzahl der Tests wird erhöht, auch auf FlughÀfen, wie dem Konrad-Adenauer-Flughafen in Köln-Bonn. (Quelle: Rainer Unkel/imago-images-bilder)
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Die Corona-Infektionen gehen weiter nach oben, einige schieben das auf die Ausweitung der Tests. Warum das zu einfach gedacht ist.

Seit Ende Juli steigen die Zahlen der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland wieder an. Es gibt Stimmen, die dafĂŒr allein die Aufstockung der Tests verantwortlich machen – und nicht eine grĂ¶ĂŸere Verbreitung des Erregers.


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Behauptung

Die Corona-Fallzahlen erhöhen sich derzeit nur deshalb, weil mehr Menschen auf den Erreger untersucht werden.

Bewertung

Ein Anstieg ist nur zum Teil auf die höhere Anzahl an Tests zurĂŒckzufĂŒhren, fĂŒr das gesamte Infektionsgeschehen ist eine solche Schlussfolgerung aber unzulĂ€ssig.

Fakten

Die Zahl der aus den BundeslĂ€ndern ĂŒbermittelten Corona-FĂ€lle in Deutschland war seit Mitte MĂ€rz bis Anfang Juli rĂŒcklĂ€ufig, seitdem nimmt sie wieder stetig zu. Die GesundheitsĂ€mter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Samstagmorgen 1.415 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages.

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Doch auch die Gesamtzahl der Tests steigt kontinuierlich. Seit Monaten werden die KapazitĂ€ten ausgebaut. Dem RKI ĂŒbermittelten Labore seit Ende Juni jede Woche eine Test-Zahl von mehr als 500.000, zuletzt waren es sogar gut 672.000. Zum Vergleich: In der Woche zwischen 27. April und 3. Mai waren es rund 327.000 Tests.

Corona-Nachweise: Wie ist das VerhÀltnis zur Test-Gesamtzahl?

Das Science Media Center (SMC) hat in einer Auswertung der RKI-Daten untersucht, wie sich die Zahl der Corona-Nachweise im VerhĂ€ltnis zur Gesamtzahl der Tests entwickelt hat. Demnach war zum Beispiel zwischen Anfang April und Mitte Juni die Zahl gemeldeter CoronafĂ€lle Woche fĂŒr Woche gesunken, wĂ€hrend die Zahl der durchgefĂŒhrten Tests zuweilen stieg – oder auch sank.

In jĂŒngster Zeit hat sich die Zahl der Tests teilweise nur leicht erhöht, wĂ€hrend die gemeldeten Positiv-Ergebnisse höhere Wachstumsraten verzeichneten. Ein Beispiel: In der Woche zwischen dem 6. und 12. Juli waren unter gut 510.000 Tests knapp 3.000 Positiv-Befunde. Vier Wochen spĂ€ter (3. bis 7. August) wurden 672.000 Resultate ĂŒbermittelt, davon etwa 6.900 positive. WĂ€hrend also die Anzahl der Tests um knapp 32 Prozent anstieg, sprang die Zahl der Corona-FĂ€lle um 131 Prozent.

RKI: Beiden Angaben aus sehr unterschiedlichen Datenquellen

Das RKI hĂ€lt sich allerdings zurĂŒck, diese beiden Angaben aus sehr unterschiedlichen Datenquellen miteinander ins VerhĂ€ltnis zu setzen. WĂ€hrend festgestellte Corona-Infektionen verpflichtend ĂŒbermittelt werden mĂŒssten, sei die Zahl der durchgefĂŒhrten Tests eine freiwillige Angabe der Labore. Diese Zahl schwanke, es gebe Nachmeldungen. Außerdem gibt das RKI an, dass Mehrfach-Tests ein und derselben Person als unterschiedliche FĂ€lle in die Statistik einfließen, da keine Daten zu den getesteten Menschen erfasst werden.

Sowohl das RKI als auch die Autoren des SMC Corona Reports schließen zwar nicht aus, dass in einzelnen Wochen ein Anstieg der Fallzahlen zum Teil auf die zusĂ€tzlich durchgefĂŒhrten Tests zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die grundsĂ€tzliche Schlussfolgerung, steigende Fallzahlen seien nur davon abhĂ€ngig, bezeichnet das SMC aber als unzulĂ€ssig. Auch Epidemiologie-Professor GĂ©rard Krause vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Infektionsforschung in Braunschweig sagt: "Der Anstieg der positiven Tests ist nicht allein dem Anstieg der Testungen geschuldet."

Corona-Pflichttest: Er gilt fĂŒr Urlauber, die aus Risikogebieten nach Deutschland zurĂŒckkehren.
Corona-Pflichttest: Er gilt fĂŒr Urlauber, die aus Risikogebieten nach Deutschland zurĂŒckkehren. (Quelle: Jens Schicke/imago-images-bilder)

Tests an Menschen, die keine Symptome zeigen

Was derzeit nicht in demselben Maße wĂ€chst wie die Neuinfektionen: die Zahlen schwerer Erkrankungen und TodesfĂ€lle. Es ist davon auszugehen, dass aktuell im VerhĂ€ltnis mehr Personen im arbeitsfĂ€higen Alter oder jĂŒnger getestet werden – etwa Reisende, Menschen am Arbeitsplatz oder in der Schule.

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden vor allem Personen untersucht, deren Krankheitszeichen auf eine mögliche Covid-19-Diagnose hindeuteten. "Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten testen wir derzeit sehr viel umfassender auch Menschen, die keine Symptome zeigen", so Epidemiologe Krause.

Im April lag das Durchschnittsalter der vom RKI erfassten Infizierten bei 50 Jahren, aktuell bei 34 Jahren. Bei jĂŒngeren Menschen treten schwere VerlĂ€ufe seltener auf als bei Ă€lteren. Zu beachten sei aber auch, so das RKI, dass TodesfĂ€lle zeitversetzt registriert werden, da die Menschen meist nicht in der gleichen Woche sterben, in der sie sich infizieren.

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"Die Erfassung der schwer Erkrankten und der TodesfĂ€lle tritt erst nach einer gewissen Zeit auf", so Krause. Das sei auch am Anfang der Ausbreitung des Erregers in Deutschland so gewesen. "Wir dĂŒrfen nicht versĂ€umen, direkt besonders die Menschen vor Infektionen zu schĂŒtzen, die zu schweren KrankheitsverlĂ€ufen neigen." Der Altersdurchschnitt der Gestorbenen lag nach RKI-Angaben zuletzt bei 81 Jahren.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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