Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Facebook-Postings: Die Sauerstoffprobleme der Corona-Leugnerin Katja Schmidt

Fake oder nicht?  

Die Luftprobleme einer Corona-Leugnerin

25.08.2020, 20:15 Uhr
Facebook-Postings: Die Sauerstoffprobleme der Corona-Leugnerin Katja Schmidt. "Alles Idioten": Keine 48 Stunden nach dem Posting schrieb die Nutzerin, sie bekomme jetzt Sauerstoff, weil sie solche Atemprobleme habe. t-online.de ist dem Fall der Corona-Leugnerin nachgegangen, die nun schwer erkrankt sein soll. (Quelle: dpa/Screenshot, Montage: t-online.de)

"Alles Idioten": Keine 48 Stunden nach dem Posting schrieb die Nutzerin, sie bekomme jetzt Sauerstoff, weil sie solche Atemprobleme habe. t-online.de ist dem Fall der Corona-Leugnerin nachgegangen, die nun schwer erkrankt sein soll. (Quelle: dpa/Screenshot, Montage: t-online.de)

Eine Corona-Leugnerin erkrankt an Covid-19 und klagt, wie schlecht es ihr geht. Sollte die Geschichte stimmen, dann ist noch etwas anderes faul: Auf ihr Jammern erntet sie Schadenfreude.

Vom Spotten über Corona bis zur Sauerstoffzufuhr wegen Atemnot dauerte es bei Katja Schmidt nicht einmal zwei Tage. Freitags um 12.43 Uhr schrieb sie noch in ihrem Facebook-Profil und dann in einer Gruppe, sie habe jetzt "angeblich auch Corona." Dazu ein Lachsmiley. "Ist ja so gefährlich." Wer glaube "denen da oben" noch, schrieb sie. "Alles Idioten!"

"Alles Idioten": Eine Covid-Patientin, die sich zunächst noch lustig macht. (Quelle: Screenshot Facebook)"Alles Idioten": Eine Covid-Patientin, die sich zunächst noch lustig macht. (Quelle: Screenshot Facebook)

Doch später liest sich das wie eine bittere Erkenntnis: "Ich will nicht glauben, dass dieser Scheiß so ist, wie andere erzählen". Die Postings auf Facebook sehen demnach so aus, dass eine Corona-Leugnerin plötzlich leidvoll die schweren Folgen einer Covid-19-Erkrankung erkennen muss. Eine "Querdenkerin", die auf die harte Tour umdenken lernt: Das gefällt denen, die sich tagtäglich aufregen über Realitätsverweigerung unter Corona-Leugnern. Ist die Lektion einfach zu klischeehaft, um zu stimmen? Eine Spurensuche.

Katja Schmidt kommentierte seit dem Frühjahr häufiger in einer QAnon-Gruppe. Dort geht es einerseits um angeblich von geheimen Eliten massenhaft entführte Kinder. Aber viele in der Gruppe könnten als Corona-Leugner durchgehen, wenn man damit meint, dass diese Menschen Vorsicht für unnötig und Covid-19 für harmlos halten. 

"Eine der heftigsten Erkältungen"

In dieser Gruppe postete Katja Schmidt schließlich am Samstagabend gegen 17 Uhr einen neuen Stand über ihren Zustand, der schon anders klang: Sie habe nicht zu "der Demo" gehen können. Jeder denkt bei dem Posting an eine Corona-Demo, ein rotes Tuch in diesen Tagen. Luft bekomme sie etwas schlechter. "Ich denke weiterhin, es ist eine Erkältung, wenn auch eine der heftigsten, die ich je hatte".

Verschlechterung: Erst ist es doch nur eine heftige Erkältung, dann braucht Katja Schmidt Sauerstoff. (Quelle: Screenshot)Verschlechterung: Erst ist es doch nur eine heftige Erkältung, dann braucht Katja Schmidt Sauerstoff. (Quelle: Screenshot)

Am Sonntagmorgen liest sich Katja Schmidts nächster Eintrag alarmierend. Keine Vorerkrankungen, aber sie bekommt inzwischen Sauerstoff. "Ich könnte kotzen." Dieser "Scheiß" scheint doch so zu sein, wie andere erzählen. 

Schmidt ist nicht der wahre Name, t-online.de hat ihn für diesen Text geändert und auf Screenshots unkenntlich gemacht. Es ist auch nicht klar, ob sie selbst ihren richtigen Namen angegeben hat. In dem Wohnort im Schwäbischen, der im Facebook-Profil angegeben war, findet sich der Nachname mehrfach, wenn man einen Buchstaben ergänzt. 

Tatsächlich eine Neuerkrankung im Wohnort

Solche kleinen Tricks wie das Weglassen eines Buchstaben nutzen viele Menschen, wenn sie nicht so leicht gefunden werden wollen. Als Foto nutzte Schmidt auch nicht ihr eigenes Bild, sondern das einer Schauspielerin. Aber auch das machen viele Nutzer. Und aus dem betreffenden Wohnort meldet die zuständige Kreisverwaltung, dass es dort seit Donnerstag einen neuen aktiven Corona-Fall gibt, den zweiten in dieser Stadt.

Ruft man aber dort bei Menschen mit ihrem Nachnamen und Eintrag im Telefonbuch an, dann kennen diese Leute Katja Schmidt nicht. Ist Katja Schmidt ein Fake, erfunden, um die Corona-Leugner vorzuführen? 

Facebook-Nutzerin Tanja B. ist vom Gegenteil überzeugt. Durch Tanja B. (voller Name der Redaktion bekannt) kam überhaupt ans Licht, was Katja Schmidt in der QAnon-Gruppe geschrieben hatte. Eine Freundin von ihr war dort über den Beitrag gestolpert und hatte einen Screenshot als Kommentar in einer anderen Diskussion über Maskenverweigerer gepostet.

Tanja B. ist dann "selbst in die Gruppe und auf ihr Profil gegangen" und machte einen eigenen Beitrag mit Screenshots. "Und ich habe unter ihrem Beitrag gefragt, ob sie immer noch alle für Idioten hält." Die Schilderungen der Symptome seien auch absolut realistisch, so Tanja B., die selbst im Medizinbereich tätig ist: "Ich weiß von einigen Fällen, in denen es dann so schnell ging, wie hier geschrieben." 

Tanja B. wäre eine sehr unsichere Adresse gewesen, um rund um Katja Schmidt ein großes Fake aufzuziehen. Sie hat keine große Seite, postete das auch nicht an große Seiten oder Gruppen. "Das ergibt keinen Sinn", meint Tanja B. Sie war selbst sehr überrascht, dass durch einen Tweet mit ihren Screenshots das Thema plötzlich große Kreise zog. Tausende Likes und Retweets.

Häme in Direktnachrichten

Für Katja Schmidt hatte die plötzliche Aufmerksamkeit Folgen: Am Sonntagnachmittag meldete sie sich noch einmal mit einem Posting und beklagte sich bitter. Sie bekomme außer Kommentaren auch Direktnachrichten mit Häme und Anfeindungen. Offenbar sehr sendungsbewusste Abstandhalter und Maskenträger waren ihr auf Facebook nahe gekommen und hatten Masken fallen lassen: Wenn Katja Schmidt echt ist, dann musste sie nach Luft japsend taktlose und hämische Kommentare lesen.

Völlig anders dagegen die Reaktionen in der QAnon-Gruppe, wo  Genesungswünsche und wohlmeinende Ratschläge eingingen. "Völlig paranoid", findet Tanja B.s Freundin, die t-online.de auch ihre Eindrücke geschildert hat. "Das Mitgefühl passt überhaupt nicht, wenn man denkt, wie menschenverachtend dort sonst über Corona, Kranke und Tote geschrieben wird." In den Kommentaren auf Katja Schmidts Seite sei sie dagegen von solchen Leuten richtig runtergemacht worden, berichtet Tanja B. "Sie hat sich beschwert, dass sie es von allen Seiten abbekommt."

Katja Schmidt löscht Profil

Tanja B. hatte Katja Schmidt zwischenzeitlich den Link zu einer Gruppe von Covid-19-Patienten auf Facebook geschickt. "Ich dachte, dass sie eher keinen Zugang zu anderen Kranken haben dürfte und wollte helfen. Sie hat das geliked." Wenig später löschte Katja Schmidt ihr Facebookprofil. "Wahrscheinlich hat sie gerade andere Sorgen, als sich auf Facebook zu streiten." Bestätigen lässt sich damit die Echtheit kaum noch. 

Aber auch in der AfD, die inzwischen zu Corona-Demos mobilisiert, gibt es die, die aus eigener Erfahrung warnen. Der Chemnitzer Stadtrat Lars Franke war Anfang März erkrankt, und hatte sich Ende Mai an die "im Kreis laufenden Corona-Gegner" gewandt: "Es wäre schön, wenn die (...) sich mal mit uns ehemaligen Infizierten unterhalten würden." Nach der Berliner Demo am 1. August meldete er sich noch einmal. Er leide immer noch an verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen. "Ich warne eindringlich vorm Bagatellisieren der Erkrankung."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal