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Bin ich durch die Grippeimpfung anfälliger für Corona?

Von dpa, mwe

Aktualisiert am 30.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Grippeimpfung: Besonders Risikopatienten sollten sich in der Corona-Pandemie gegen Grippe impfen lassen.
Grippeimpfung: Besonders Risikopatienten sollten sich in der Corona-Pandemie gegen Grippe impfen lassen. (Quelle: ~User7565abab_575/getty-images-bilder)
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In der Corona-Pandemie wird weiter viel über den Nutzen der Grippeschutzimpfung diskutiert. Auch Spekulationen, die Impfungen seien verantwortlich für den Anstieg der Corona-Fallzahlen, kursieren im Netz. Ist da etwas dran?

Das Wichtigste im Überblick


Mit einer normalen, in aller Regel harmlosen Erkältung hat eine Grippe nichts zu tun. Eine Influenza kann schwer verlaufen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Immerhin gibt es eine Impfung gegen die Krankheit – in Zeiten des Coronavirus steht diese im Fokus wie noch nie zuvor.


Einfach erklärt: Die Etappen bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs

Die Entwicklung eines Impfstoffs startet mit der Arbeit im Labor. Zuerst muss das Virus analysiert und verstanden werden, über welche Mechanismen der Erreger die Immunreaktionen des Körpers auslöst. Erst dann folgen die eigentlichen Etappen bis hin zur Zulassung. (Symbolbild)
Etappe 1 – Erprobung an Tieren: Zunächst wird getestet, wie wirksam und verträglich der Impfstoff ist. Neben Affen nutzen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch Frettchen und genetisch veränderte Mäuse. (Symbolbild)
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Soll ich mich also impfen lassen oder nicht? Vor dieser Entscheidung stehen viele Menschen. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

Wem wird die Grippeschutzimpfung empfohlen?

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Die Gruppen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Influenza-Verlauf sind laut Robert Koch-Institut (RKI) ähnlich wie die Risikogruppen der vom Coronavirus ausgelösten Erkrankung Covid-19 – also ältere Menschen über 60 und Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes, HIV oder Asthma.

Empfohlen wird die Grippeschutzimpfung zudem für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen und im Gesundheitswesen, für Schwangere, generell für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie für Pflegepersonen von Risikopatienten.

Ändert Corona etwas an diesen grundsätzlichen Empfehlungen?

Ja und nein, denn viele Mediziner plädieren dafür, dass sich in diesem Jahr nach Möglichkeit alle Menschen impfen lassen sollten – unter anderem, um die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten.

Auch der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger sagt: "Jeder, der kann, sollte das machen." Könne man sich eine schwere Erkältungskrankheit im Winter sparen, sei das sinnvoll, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des RKI könne zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems der größte Effekt indes dadurch erzielt werden, dass Impfquoten vor allem bei den Risikogruppen erheblich gesteigert werden könnten. Bei Senioren etwa seien die Quoten seit Jahren niedrig.

Zu welchem Zeitpunkt sollte man sich impfen lassen?

Allgemein lautet die Empfehlung, sich Ende Oktober bis Anfang November impfen zu lassen. Der Hintergrund ist, dass die optimale Schutzwirkung rund zwei Wochen nach dem Stich beginnt und nach drei Monaten langsam abnimmt.

Meist beginnen die Grippewellen – also eine erhöhte Aktivität von Influenzaviren – Anfang des Jahres. Sie dauern danach aber durchaus auch mal drei bis vier Monate. Insofern könnte eine Impfung auch nach November noch sinnvoll sein, wenn es bis dahin keine Gelegenheit dafür gab.

Welchen Schutz bringt die Impfung?

Das variiert, ganz sicher schützt sie aber nie. Salzberger erklärt es so: "Wenn man einigermaßen richtig geraten hat, welches Virus in der nächsten Saison unterwegs sein wird, ist der Schutz bei 80 Prozent." Wenn man jedoch völlig danebenliege mit der Impfstoff-Komposition, schütze er um einiges schlechter – das sei zum Teil in den vergangenen Jahren auch vorgekommen.

Wie lange hält eine Schutzimpfung an?

Die Grippeimpfung schützt in der Regel über die gesamte Grippesaison. In der folgenden muss sie allerdings erneuert werden. Denn Viren verändern sich und deshalb muss jedes Jahr ein neuer Grippeimpfstoff entwickelt werden.

Kann ich mich nach der Impfung noch erkälten?

Ja, denn die Grippeimpfung schützt – wie der Name es sagt – vor Grippeviren. Erkälten kann sich der Geimpfte also immer noch. Wie gut die Impfung gegen Grippeviren schützt, hängt davon ab, welche Virusstämme kursieren. Zu 100 Prozent voraussagen lässt sich das nicht. Entsprechend ist der Impfstoff in manchen Jahren besser und in anderen weniger gut auf die kursierenden Virusstämme abgestimmt.

In der Regel schützt er laut RKI vor gut der Hälfte der Influenza-Erkrankungen. Zudem verlaufen sie bei Geimpften, die es trotzdem trifft, milder – also mit weniger Komplikationen.

Bin ich durch die Grippeimpfung anfälliger für Corona?

Im Internet kursieren verschiedene Gerüchte über die Grippeimpfung. Eines davon ist, dass sie Infektionen mit dem Coronavirus begünstigen könnte, da das Immunsystem durch den Impfstoff geschwächt wird. Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin hat bereits im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" klargestellt: Man ist "nach einer Influenza-Impfung nicht anfälliger für Viren".

Auch dem Robert Koch-Institut zufolge gibt es bislang keine Hinweise, dass Grippeimpfungen das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, erhöhen. Es sei "auch kein physiologischer Mechanismus bekannt, der einen solchen Einfluss plausibel erklären könnte", so das RKI. Die Immunisierung gegen Grippeviren hätte demnach keine Auswirkung auf die Anfälligkeit für andere Atemwegserkrankungen oder eben Covid-19.

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Abstand, Händewaschen, Maske tragen: Was gegen die Ausbreitung des Coronavirus schützen soll, dürfte doch eigentlich auch die Ausbreitung von Grippeviren eindämmen. Das könnte durchaus sein, sagt Salzberger und betont zugleich: Darauf hoffen könne man nicht. "Abgerechnet wird leider zum Schluss."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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