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Covid-19 und männliche Unfruchtbarkeit: Was bisher bekannt ist

Studien liefern Hinweise  

Kann sich eine Corona-Infektion auf die Fruchtbarkeit auswirken?

13.10.2020, 12:31 Uhr
Covid-19 und männliche Unfruchtbarkeit: Was bisher bekannt ist. Spermien: Nach einer Covid-19-Erkrankung weisen einige Patienten eine schlechtere Spermienqualität auf. (Quelle: Getty Images/Christoph Burgstedt)

Spermien: Nach einer Covid-19-Erkrankung weisen einige Patienten eine schlechtere Spermienqualität auf. (Quelle: Christoph Burgstedt/Getty Images)

Nicht nur Lunge, Herz und Gehirn können bei einer Covid-19-Erkrankung betroffen sein. Nach aktuellen Studien ist nicht ausgeschlossen, dass das Virus auch die männlichen Fortpflanzungsorgane angreift. 

Eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann verschiedene Organe beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund haben Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der US-amerikanischen Cornell University zelluläre Faktoren untersucht, die für eine Infektion von Bedeutung sein könnten.

Dabei stellten sie fest, dass es sogenannte "Hotspots" im menschlichen Körper gibt – darunter Darm, Leber, Nieren und auch Hoden.

"SARS-CoV-2 infiziert nicht nur die Atemwege, sondern hat das Potenzial, viele andere Organe im Körper zu beeinträchtigen. Selbst wenn das Virus zuerst das Atmungssystem infiziert, ist es wichtig, vorhersagen zu können, wohin es als nächstes gehen könnte", erläutert Dr. Vikas Bansal, Datenwissenschaftler am DZNE-Standort Tübingen.

Den Studienautoren zufolge nutzt das Coronavirus zum Eintritt in menschliche Zellen vor allem sogenannte ACE2-Rezeptoren. Diese sind im Körper an vielen Stellen zu finden – unter anderem auch in den männlichen Fortpflanzungsorganen. Dort verfügen Vorläuferzellen von Spermien und bestimmte Zellen zur Spermienreifung über die eben genannten Rezeptoren. Es sei daher naheliegend, dass Covid-19 auch die Spermienqualität beeinflussen könnte. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Cell Reports" veröffentlicht.

Die Vermutung, dass eine Corona-Infektion unfruchtbar machen könnte, ist nicht neu und taucht seit Beginn der Pandemie immer wieder auf. Unter dem Hashtag #Hodencovid wurde in den sozialen Netzwerken spekuliert, wie gefährlich das Coronavirus für die Hoden ist. Der Begriff gilt allerdings als umstritten und wird von den meisten Experten abgelehnt.

Greift Corona die Hoden an? Unterschiedliche Studienergebnisse

Von anderen Viruserkrankungen wie Mumps ist ebenfalls bekannt, dass der Erreger die Hoden befallen kann. Auch bei SARS wurden bei einigen Patienten Hodenentzündungen diagnostiziert. Doch zu Covid-19 gibt es bisher nur vereinzelte Studien mit wenigen Teilnehmern, die konkrete Hinweise darauf liefern.

Und die Ergebnisse der Untersuchungen sind teilweise sehr widersprüchlich: 

  • US-Wissenschaftler der Harvard Medical School of Boston berichteten von einem Patienten, der sich mit Schmerzen im Unterleib und in den Hoden vorstellte und schließlich positiv auf Corona getestet wurde. Einen ähnlichen Fall meldeten auch Wissenschaftler in Italien.
  • In China wurde mehrmals die Samenflüssigkeit von Corona-Patienten auf das Virus untersucht – mit verschiedenen Resultaten. In einer Studie mit 34 Männern wurde kein Virus-Erbmaterial im Samen gefunden. Doch die Probenentnahme erfolgte erst einen Monat nach der Covid-19-Diagnose. Bei einer anderen Untersuchung in der akuten Phase der Infektion lieferten Corona-Tests von Samenflüssigkeiten bei sechs von 38 Patienten positive Testergebnisse.
  • Forscher der Uniklinik Düsseldorf berichteten im August, dass sie weder bei Patienten, die die Infektion durchgemacht hatten, noch bei Patienten, die akut infiziert waren, RNA des Coronavirus in der Samenflüssigkeit nachweisen konnten. Jedoch zeigte sich bei Männern, die eine moderate Corona-Infektion durchgemacht hatten, eine schlechtere Spermienqualität als bei Männern mit mildem Infektionsverlauf oder keiner Infektion.

Viele Fragen bleiben ungeklärt

Fest steht also bislang: Die Spermienqualität nach einer Covid-19-Erkrankung ist bei einigen Männern schlechter. Ob das Coronavirus direkt die Hoden befallen kann, muss weiter erforscht werden.

Und welchen Einfluss das möglicherweise auf die Zeugungsfähigkeit hätte, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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