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So können Patienten die fatalen Folgen von Corona bekämpfen

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 30.03.2021Lesedauer: 8 Min.
Atemtherapie: Viele Post-Covid-Patienten klagen √ľber Atemnot.
Atemtherapie: Viele Post-Covid-Patienten klagen √ľber Atemnot. (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-bilder)
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Viele Corona-Infizierte leiden oft noch Monate nach der eigentlichen Erkrankung an den Folgen.

Auch mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es f√ľr die Forschung ein R√§tsel, wer warum wie stark an Covid-19 erkrankt. Mittlerweile k√∂nnen die Covid-Patienten der Lungenfach√§rztin Dr. J√∂rdis Frommhold zufolge allerdings in drei Gruppen untergliedert werden:


Corona-Spätfolgen: Diese Beschwerden treten häufig auf

Auch nach √ľberstandener Corona-Infektion berichten einige Betroffene √ľber Sp√§tfolgen. Mediziner sprechen bei diesen Auff√§lligkeiten vom Long-Covid- oder Post-Covid-Syndrom. Ein √úberblick √ľber m√∂gliche Symptome.
Kopfschmerzen: Oft wird auch von Kopfweh und Migräneattacken nach Covid-19 berichtet.
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  1. Jene, die einen milden Akutverlauf erleiden und danach vollst√§ndig gesunden ‚Äď sozusagen die "echten Genesenen".
  2. Covid-Patienten, die einen schweren Akutverlauf hatten, auf der Intensivstation lagen, k√ľnstlich beatmet werden mussten. Diese Patienten ben√∂tigen im Anschluss immer eine Reha, um ihre Leistungsf√§higkeit wiederherzustellen.
  3. Und schließlich gibt es die sogenannten "Post-Covid"- oder "Long-Covid"-Patienten

Die dritte Gruppe hatte einen leichten bis mittelschweren Akutverlauf und leidet danach noch lange Zeit an Folgeerscheinungen der Krankheit. Welche Beschwerden das sind, wie Covid-Patienten geholfen werden kann und warum vor allem die Entwicklung bei jungen Menschen besorgniserregend ist, erklären Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin an der Median Klinik Heiligendamm, und Dr. Konrad Schultz, Chefarzt der Klinik Bad Reichenhall der Deutschen Rentenversicherung, im Interview mit t-online.

Herr Dr. Schultz, Ihre Reha-Klinik wurde im Verlauf der Pandemie bereits zweimal zur Akutklinik f√ľr Covid-Patienten: Wie ist die Lage aktuell?

Dr. Konrad Schultz: Das ist richtig. Wir wurden in der ersten Pandemiewelle per Anordnung zum "Covid-Hilfskrankenhaus" mit Isolierstation f√ľr noch infekti√∂se Covid-Patienten herangezogen. Aufgabe war die Entlastung der umliegenden Akutkrankenh√§user. Damals hatten wir √ľber knapp zwei Monate bis zu 15 Covid-Patienten auf dieser Isolierstation. Der normale Reha-Betrieb musste aufgrund der Vorgaben bis auf wenige Patienten eingestellt werden. Auch in der zweiten Welle wurden wir von November 2020 bis Februar erneut f√ľr diese Aufgabe herangezogen. Diesmal allerdings mit einem parallel nur m√§√üig reduzierten Reha-Betrieb, der aber komplett von der Isolierstation abgetrennt war, sodass es hierdurch nie zu einer Infektion bzw. Gef√§hrdung der Reha-Patienten kam. Insgesamt haben wir seit Ausbruch der Pandemie etwa 110 Covid-Akutpatienten versorgt.

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Frau Dr. Frommhold, Ihre Klinik hingegen hat sich als eine der ersten in Deutschland um Post-Covid-Patienten gek√ľmmert: Mit welchen Beschwerden kommen die Menschen zu Ihnen?

(Quelle: privat/Frommhold)



Dr. J√∂rdis Frommhold ist Chef√§rztin der Abteilung f√ľr Atemwegserkrankungen und Allergien in der Median Klinik Heiligendamm, wo sie zudem als Fach√§rztin f√ľr Innere Medizin und Pneumologie sowie Notfallmedizin arbeitet. K√ľrzlich wurde sie zur "Frau des Jahres" in Mecklenburg-Vorpommern ernannt.

Dr. J√∂rdis Frommhold: Am 14. April 2020 haben wir den ersten Post-Covid-Patienten bei uns aufgenommen. Mittlerweile haben wir rund 500 Patienten damit behandelt ‚Äď allein in der zweiten M√§rzwoche gab es 30 neue F√§lle, mittlerweile sind wir seit Monaten √ľberbelegt ‚Äď mehr als die H√§lfte der Betten mit Covid-Patienten. Die Patienten der zweiten Gruppe leiden unter Leistungsminderung, falscher Atemtechnik, neurologischen Symptomen wie Taubheitsgef√ľhlen oder Ged√§chtnisproblemen.

Bei der dritten Gruppe gibt es sehr unterschiedliche Symptome, einige zeigen sich jedoch immer wieder. Dazu gehört die sogenannte Fatigue, also eine starke Erschöpfung, manchmal auch eine falsche Atemtechnik. Diese Gruppe hat zudem sehr ausgeprägte neurologisch-kognitive Einschränkungen wie beispielsweise Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen. Das sind häufig Patienten in anspruchsvollen Berufen, die durch diese Einschränkungen teilweise berufsunfähig sind. Andere Probleme sind aber auch massiver Haarausfall, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Blutdruckstörungen.

Wie können diese Folgen erklärt werden?

Frommhold: Ich denke, dass diese ganzen Symptome m√∂glicherweise immunologisch bedingt sein k√∂nnten. Aber wir haben auch Patienten behandelt, die sehr auff√§llige Antik√∂rper gebildet haben ‚Äď beispielsweise gegen die Haarwurzeln oder auch im Nervenwasser, was dann auch die kognitiven Einschr√§nkungen erkl√§ren k√∂nnte. Aber das ist alles noch in der Forschung.

Wie geht es den Menschen, die nach einer Covid-Infektion zu Ihnen, Herr Dr. Schultz, kommen?

Schultz: Patienten, die nach √ľberstandener Akutinfektion zu uns kommen und auch nicht mehr infekti√∂s sind, haben wir seit April 2020 regelm√§√üig. Mittlerweile waren es etwas mehr als 220 Patienten. Die Patienten, die direkt oder kurze Zeit nach Akut-Krankenhausbehandlung zu uns kommen ‚Äď also die Gruppe zwei, von der Frau Dr. Frommhold in ihrer Kategorisierung spricht ‚Äď sind noch erheblich krank und leiden meist unter Atemnot, Muskelschw√§che und zudem h√§ufig unter k√∂rperlicher und seelischer Ersch√∂pfung. Sie haben oft Sorgen und √Ąngste, wie es weitergeht und ob sie wieder gesund werden. H√§ufig entwickeln sie auch Symptome einer Depression. Dazu kommt noch ein gro√ües Spektrum weiterer Symptome wie Geruchs- oder Geschmacksst√∂rungen, eingeschr√§nkte Konzentrations- und Merkf√§higkeit, aber auch Albtr√§ume, Schmerzen oder Reizhusten.



Dr. Konrad Schultzcoremedia:///cap/blob/content/89748872#data
ist Chefarzt der Klinik Bad Reichenhall, einem Zentrum f√ľr Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bayern S√ľd mit lungenheilkundlichem Schwerpunkt, in dem seit einem Jahr regelm√§√üig auch Post-Covid-Patienten behandelt werden. W√§hrend der Corona-Krise wurde die Klinik zweimal zeitweise zur Akutklinik f√ľr Covid-Patienten mit eigener Isolierstation herangezogen.

Die kleinere Gruppe, die erst Wochen oder Monate sp√§ter und zumeist nach einer eher leichteren und ambulant durchgemachten Akutphase zu uns kommt ‚Äď oder um in der Einteilung von Frau Dr. Frommhold zu bleiben, die dritte Gruppe ‚Äď sind die Patienten, die oft als "Long-Covid"-Erkrankte bezeichnet werden: Diese Patienten klagen meist noch √ľber eine starke, aber oft auch sehr wechselnde allgemeine M√ľdigkeit sowie Leistungsabfall und Schw√§che. Positiv ist: Auch die Beschwerden dieser Patienten bessern sich w√§hrend der Reha zu einem gro√üen Teil. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn fassbare Symptome wie Atemnot oder Muskelschw√§che im Vordergrund stehen und wir auch entsprechende Untersuchungsergebnisse finden. Schwieriger wird es, wenn eine isolierte Fatigue bei dem Erkrankten besteht, also diese starke Ersch√∂pfung und M√ľdigkeit, ohne dass wir eine Ursache f√ľr diese Symptome finden.

Welche sind die häufigsten Langzeitfolgen von Covid-19 bei Ihnen in der Klinik?

Schultz: Das kommt darauf an, was man unter "Langzeit" versteht. Die Patienten, die direkt nach dem Krankenhausaufenthalt zu uns kommen, leiden zumeist unter Atemnot, Kraftlosigkeit und Ersch√∂pfung sowie h√§ufig auch unter Sorgen, √Ąngsten und Depressionen. Die Patienten, die erst nach l√§ngerer Zeit zu uns kommen, sind hingegen oft von der Fatigue betroffen, also dieser oft stark wechselnden M√ľdigkeit mit psychischer, aber auch k√∂rperlicher Ersch√∂pfung. Das sind beispielsweise oft j√ľngere Frauen, die durchaus leistungsorientiert sind und unbedingt wieder arbeiten m√∂chten, sich dazu im Moment aber nicht in der Lage sehen. Insgesamt gesehen sind die Patienten bei uns aber im Schnitt knapp 60 Jahre alt.

Wird Covid-19 mit seinen Folgen immer noch unterschätzt?

Frommhold: Ich glaube es wird insofern untersch√§tzt, als dass immer wieder davon ausgegangen wird, dass wir irgendwann diese Pandemie vollst√§ndig √ľberstanden haben. Es ist einfach so: Die Menschheit muss sich damit abfinden, dass Pandemien auf unbestimmte Zeit angelegt sind. Und das erfordert flexibles Umdenken von jedem Einzelnen. Und das denke ich, wird untersch√§tzt. Die Erkrankung selbst vielleicht nicht ‚Äď aber die naive Vorstellung, dass irgendwann wieder alles so wird wie es vorher war. Das wird so nicht funktionieren.

Physiotherapie: Zur Behandlung der Post-Covid-Symptome gehören interdisziplinäre Ansätze.
Physiotherapie: Zur Behandlung der Post-Covid-Symptome gehören interdisziplinäre Ansätze. (Quelle: Westend61/imago-images-bilder)

Und ich glaube, dass es fatal ist, wenn wir immer nur von Infizierten, Genesenen und Toten sprechen ‚Äď denn das wird der Gruppe der Kranken-Genesenen √ľberhaupt nicht gerecht. So lange wir diese Genesenen nicht weiter konkret unterscheiden und beziffern, wird es keine Akzeptanz f√ľr dieses Krankheitsbild geben.

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Herr Dr. Schultz, Sie f√ľhren eine Studie zur Post-Covid-Rehabilitation durch: Wie l√§uft die Studie ab und welche ersten Ergebnisse gibt es?

Schultz: Die Studie ist Ende April 2020 gestartet und wird derzeit zur Publikation vorbereitet. Seit April 2020 haben wir √ľber 200 Post-Covid-Patienten bei uns behandelt. In die Studie wurden 108 von denen, die 2020 bei uns aufgenommen wurden, einbezogen. Bei diesen Patienten wurden bei Aufnahme und Entlassung umfassende Untersuchungen durchgef√ľhrt, wie beispielsweise k√∂rperliche Leistungstests, Lungenfunktionstests, Erhebungen der Laborwerte, Frageb√∂gen zum Befinden und zur psychologischen Belastung wie Angst und Depression. Diese Kurzzeitdaten liegen bereits vor.

Die Ergebnisse nach drei und sechs Monaten stehen noch aus. Die positive Nachricht ist, dass sich zum Ende der Rehabilitation im Durchschnitt fast alle Messparameter statistisch signifikant verbessert haben, unter anderem die körperliche Leistungsfähigkeit und das Leitsymptom der Atemnot. Die allermeisten Patienten haben deutlich weniger Atemnot und sind körperlich leistungsfähiger. Zudem besserte sich auch das psychische Befinden. Was besonders erfreulich ist: Auch bei der Erschöpfung sehen wir deutliche Verbesserungen.

Wie werden die Patienten bei Ihnen behandelt?

Schultz: Schwerpunkt sind die nicht-medikament√∂sen "rehabilitativen" Therapien. Dazu geh√∂rt das k√∂rperliche Ausdauer- und Krafttraining sowie ein spezielles Atemmuskeltraining, welches sehr individuell auf die Patienten abgestimmt werden muss, die Atemphysiotherapie, aber auch andere Techniken der Physiotherapie wie beispielsweise das Faszientraining. Weitere Therapiekomponenten sind unter anderem Ged√§chtnistraining, Gespr√§chsgruppen, Kreativ- sowie Ergotherapie und Ern√§hrungsberatungen. Die Patienten werden bei Bedarf auch psychologisch betreut. Es handelt sich also um ein breites Spektrum an nicht-medikament√∂sen Therapien. Die Patienten haben zudem fast immer Nebenerkrankungen wie erh√∂hten Blutdruck oder Diabetes, die wir, wenn erforderlich, nat√ľrlich auch medikament√∂s behandeln.

Wie gut wirkt die Behandlung bei den Patienten?

Frommhold: Die zweite Gruppe l√§sst sich wirklich sehr gut behandeln ‚Äď also auf einer Skala der Leistungsf√§higkeit von eins bis zehn kommen diese Patienten h√§ufig mit Werten zwischen zwei und vier zu uns und gehen mit einem Wert zwischen sieben und acht. Auch bei der dritten Gruppe haben wir gute Behandlungsm√∂glichkeiten ‚Äď h√§ufig m√ľssen diese Patienten allerdings erst einmal eine Krankheitsbew√§ltigung durchmachen.

Physiotherapie: Nach einer Corona-Infektion leiden viele Patienten unter Muskelschwäche.
Physiotherapie: Nach einer Corona-Infektion leiden viele Patienten unter Muskelschwäche. (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-bilder)

Ihnen wird dann erst einmal vermittelt, dass sie nicht allein sind mit ihrer Erkrankung und den Folgen und dass es Hilfe gibt. Das ist schon ganz viel wert, deshalb ist es mir wichtig, dass man Akzeptanz f√ľr die drei Verl√§ufe von Covid-19 schafft. Die neurologisch-kognitiven St√∂rungen sind allerdings langwierig ‚Äď wir machen Ergotherapie, Koordinationstherapie, integrative Ans√§tze ‚Äď aber das ist viel schwieriger behandelbar als die anderen Symptome.

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Welche Therapie ist besonders effektiv?

Schultz: Wenn man die Patienten befragt, sagen sie in der Regel: "Alles!" Also das ganze Spektrum im Zusammenspiel ist entscheidend. Hier ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Auch der Austausch mit Leidensgenossen ist ein wichtiger Punkt.

Frommhold: Post-Covid ist tats√§chlich sehr interdisziplin√§r. Nat√ľrlich kann man bestimmte Symptome identifizieren und entsprechend behandeln. Letztlich stellen wir unsere Behandlungen aber f√ľr jeden Patienten individuell zusammen. Kernbaustein sind alle Atemtherapien. Aber auch Ausdauer- und Krafttraining und der gro√üe Komplex der psychologischen Unterst√ľtzung. Und dazu kommt der Baustein der neurologisch-kognitiven Therapie. Es sind viele verschiedene Aspekte, die reinspielen, und jeder Patient muss individuell gesehen werden.

Wie ist die Stimmung bei Ihren Post-Covid-Patienten? Sind sie beunruhigter, gestresster als andere Reha-Patienten?

Schultz: Dadurch, dass Covid-19 in allen Medien pr√§sent ist und weiterhin vieles unklar ist, sind die Patienten h√§ufig in ihrer Selbstsicherheit stark angegriffen. Die Patienten haben also berechtigte Sorgen: Wie geht es weiter, kann ich irgendwann wieder arbeiten, werde ich wieder so gesund wie vor Covid-19 oder bleiben Sch√§den? Insofern sind die Patienten nat√ľrlich beunruhigter.

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Gibt es auch da Unterschiede zwischen den Patientengruppen?

Frommhold: Ja, nat√ľrlich: Gruppe 2 hat h√§ufig extreme psychische Belastungen aufgrund der Schwere der Erkrankung. Diese Patienten haben eine Nahtoderfahrung hinter sich, mit einer unbekannten Krankheit, sie wussten nicht, wie es weitergeht und im Krankenhaus gab es um sie herum nur vermummte Gestalten ‚Äď das ist alles sehr be√§ngstigend. Diese Patienten klagen teilweise auch √ľber sehr lebhafte Albtr√§ume. Nat√ľrlich spielt aber auch die Frage eine Rolle, wie es weitergeht, ob das Leistungsniveau wieder steigt.

Die Gruppe 3 hat andere Erfahrungen gemacht. Viele dieser Patienten haben eine Arzt-Odyssee hinter sich, haben zig auff√§llige Symptome, die aber nicht ernstgenommen werden. Sie sp√ľren oft eine ganz gro√üe Hilflosigkeit und wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Studien zeigen, dass mittlerweile auch immer mehr junge Menschen unter Covid-19-Spätfolgen leiden. Beunruhigt Sie das?

Frommhold: Ja, auf jeden Fall. Unsere j√ľngste Patientin ist 19 ‚Äď und ich bekomme vermehrt auch Anfragen von besorgten Eltern, die beispielsweise von Konzentrationsproblemen bei ihren Kindern berichten. Die machen sich schon berechtigt Sorgen. Das mittlere Alter lag sonst bei unseren Patienten zwischen 30 und 60 ‚Äď seit dem Herbst kommen auch immer mehr Patienten zwischen 20 und 40 dazu. Tats√§chlich werden die Jungen also mehr. Was mir zus√§tzlich Sorgen macht, ist die Situation f√ľr Kinder und Jugendliche. Denn da haben wir noch keinen √úberblick, wie sehr die betroffen sind.

Gibt es trotz allem auch einen Hoffnungsschimmer?

Frommhold: Als positiven Ausblick k√∂nnen wir sagen: Reha hilft. Also wir haben Behandlungsm√∂glichkeiten, mit denen wir auch etwas erreichen k√∂nnen. Wir br√§uchten allerdings noch mehr Aufkl√§rungsstationen, um aufzuzeigen, was bei welchen Symptomen die Optionen sind. Wir k√∂nnen etwas anbieten ‚Äď und das ist f√ľr viele Menschen ein absoluter Hoffnungsschimmer. Und selbst, wenn Symptome zur√ľckbleiben, sind Bew√§ltigungsstrategien wichtig.

Und zuletzt noch eine Gratulation: Frau Dr. Frommhold, Sie wurden gerade zur Frau des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern gek√ľrt ‚Äď was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Ich bin darauf nat√ľrlich total stolz und freue mich aber auch, dass meine Arbeit gew√ľrdigt wird. Mir ist es aber genauso wichtig, den Long-Covid-Patienten ein Gesicht und auch eine Stimme zu geben. Jeder Mensch hat das Recht auf Aufkl√§rung und so findet das Krankheitsbild dann auch Akzeptanz.

Vielen Dank f√ľr das Gespr√§ch, Frau Dr. Frommhold und Herr Dr. Schultz!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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