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Asthmaspray hilft offenbar gegen schwere Covid-19-Verläufe

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 13.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Asthmaspray (Symbolbild): Inhaliertes Kortison könnte nicht nur Asthmatikern helfen, sondern auch Corona-Patienten.
Asthmaspray (Symbolbild): Inhaliertes Kortison könnte nicht nur Asthmatikern helfen, sondern auch Corona-Patienten. (Quelle: PixelsEffect/getty-images-bilder)
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Schon lange forschen Wissenschaftler an Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 – mit mäßigem Erfolg. Doch jetzt sorgt eine Studie der Universität Oxford zu einem bekannten Asthmaspray für neue Hoffnung.

Bereits 2020 war chinesischen Wissenschaftlern aufgefallen, dass Asthmapatienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus nur selten schwer an Covid-19 erkranken – obwohl sie Schwierigkeiten mit der Atmung haben. Laut Medizinern könnte dies ihrer regelmäßigen Einnahme von Asthmasprays mit sogenannten Glucocorticoiden liegen, die Entzündungen hemmen und die Immunreaktion des Körpers abmildern können. Eine neue Untersuchung sieht dafür nun einen Zusammenhang.


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Asthmaspray könnte im frühen Covid-19-Stadium von Nutzen sein

Das weit verbreitete Asthmamittel Budesonid kann offenbar schweren Covid-19-Krankheitsverläufen vorbeugen. Das hat eine Studie der britischen Oxford-Universität ergeben, die kürzlich im renommierten Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht wurde. Demnach konnte das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs mit Krankenhausaufenthalt deutlich gesenkt werden.

An der Studie der Oxford-Universität nahmen 146 Covid-Patienten mit milden Symptomen teil. Die Probandengruppe wurde in zwei Hälften geteilt: Die eine bekam im frühen Erkrankungszeitraum, also innerhalb von sieben Tagen nach Auftreten leichter Symptome, zweimal täglich das Asthmaspray mit Budesonid, die andere die Standardtherapie.

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Das Ergebnis: Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt wegen Covid-19 war in der ersten Gruppe um 90 Prozent geringer. Die Zeit bis zur Genesung bei diesen Testpersonen verkürzte sich laut Studie durchschnittlich um einen Tag, und es traten weniger langwierige, in Richtung Long-Covid weisende Symptome auf. Auch gab es nur wenige unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von Budesonid.

Budesonid gehört zur Wirkstoffgruppe der Glucocorticoide, die auch als Kortikoide oder Kortison bezeichnet werden. Medikamente mit dem Wirkstoff werden vor allem bei Asthma, COPD, Heuschnupfen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.

"Ein Wirkungsgrad ähnlich wie bei den Coronavirus-Impfstoffen und größer als bei allen anderen bisher untersuchten Medikamenten bei Spitalspatienten", fassten die Studienautoren ihr Ergebnisse zusammen. Budesonid sei "eine einfache, sichere, gut untersuchte, kostengünstige und weit verbreitete Behandlung", um Corona-Symptome zu lindern und vor schweren Verläufen zu schützen.

Lauterbach zeigt sich von Budesonid überzeugt

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Ergebnisse der Studie schon jetzt für einen "Game Changer". Er schrieb auf Twitter: "Asthmapatienten kommen oft überraschend gut mit Covid klar, und das Steroid-Asthmaspray wurde dafür verantwortlich gemacht".

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Die Studie sei nicht nur gut gemacht, die Ergebnisse ergeben Lauterbach zufolge auch klinisch Sinn, da die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern könne.

"Ich kenne einige Ärzte, die bereits diese Strategie verfolgen. Ich würde dies als Hausarzt auf Grundlage der vorliegenden Daten, ohne Kontraindikation, auch tun", so Lauterbach. Wichtig sei aber, dass das Spray gleich bei Symptombeginn eingesetzt werde.

Experten: Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden

Auch weitere deutsche Experten beurteilen die Ergebnisse als vielversprechend. "Der beschriebene Effekt ist beachtlich und bedeutsam", so der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Norbert Suttorp.

Der Infektiologe Clemens Wendtner sieht eine große Chance im Einsatz des Mittels: "Mit dieser simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit milder Covid-Erkrankung in der Frühphase medizinisch geholfen werden." Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Corona-Welle sei, so der Chefarzt der München Klinik Schwabing.

Die Experten sowie die Studienautoren selbst weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung mit relativ wenigen Patienten in einer breiter angelegten Studie bestätigt werden müssen. Man brauche "dringend" eine große Phase-III Studie mit etwa 1.000 Patienten. Wenn sich die Beobachtungen bewahrheiteten, habe das eine enorme Wirkung – und Budesonid sei überall auf der Welt verfügbar, fasst Suttorp zusammen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
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