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Dramatisch hoch: So gefährlich ist die Inzidenz der Ungeimpften

Dramatisch hoch  

So gefährlich ist die Inzidenz der Ungeimpften

28.10.2021, 07:52 Uhr
Dramatisch hoch: So gefährlich ist die Inzidenz der Ungeimpften. Menschen lehnen den Impfstoff ab (Symbolbild): Während Geimpfte meist nur leicht erkranken, sind auf den Intensivstationen aktuell fast nur Ungeimpfte. (Quelle: imago images/Ikon Images)

Menschen lehnen den Impfstoff ab (Symbolbild): Während Geimpfte meist nur leicht erkranken, sind auf den Intensivstationen aktuell fast nur Ungeimpfte. (Quelle: Ikon Images/imago images)

Während schon die Gesamtinzidenz mit 118 deutlich über dem Wert von Oktober 2020 liegt, erschrecken Wissenschaftler vor allem die Zahlen bei den Ungeimpften. Was bedeutet diese Entwicklung für den Winter?

In Deutschland steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen derzeit schnell: Die Inzidenz liegt aktuell in einigen Landkreisen bei rund 500, die Gesamtinzidenz ist auf 118 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gestiegen, die Hospitalisierungsinzidenz liegt bei fast 3,0 – Tendenz steigend.

Deutschland befindet sich damit mitten in der vierten Corona-Welle. Doch besonders gefährlich ist die Entwicklung bei den bisher Ungeimpften. Denn dort liegen die Inzidenzen weitaus höher. Erwartet uns in diesem Winter eine Überlastung des Gesundheitssystems? Wäre ein Lockdown für Ungeimpfte eine Lösung?

Vergleich der Inzidenzen bei Geimpften und Ungeimpften

Während sich die Infektionszahlen insgesamt in Deutschland bereits auf einem deutlich höheren Niveau befinden als zur gleichen Zeit 2020, zeigt die Grafik, dass die Entwicklung bei den Ungeimpften noch deutlich dramatischer ist.

So lag die bundesweite Inzidenz vor genau einem Jahr am 27. Oktober 2020 noch bei 87. Aktuell ist die bundesweite Inzidenz (Stand: 27. Oktober 2021) auf 118 gestiegen. Bei den Ungeimpften lag sie allerdings bereits am 20. Oktober (aktuellere Zahlen werden im RKI-Wochenbericht vom 28. Oktober erwartet) bei mehr als 254. Das zeigt, wie dramatisch sich die Zahlen vor allem bei den Nicht-Geimpften entwickeln. 

Der Bioinformatiker Lars Kaderali erklärt dazu im NDR, das Infektionsrisiko für Ungeimpfte sei derzeit so hoch wie nie zuvor. Seine Simulationen zeigen aber auch: Fünf Prozentpunkte mehr bei der Impfquote könnten fast zur Halbierungen der Sieben-Tage-Inzidenz führen. 

Wie hoch sind die Zahlen bei schweren Verläufen? 

Besonders gefährlich wird der Verlauf der Pandemie immer dann, wenn zu viele Menschen in Krankenhäusern und auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Bereits im September erklärten viele Intensivmediziner, der Anteil der Ungeimpften auf den Corona-Intensivstationen liege bei mehr als 90 Prozent, mittlerweile bestätigten sich die Zahlen weiter. 

So erklärte der Präsident der Divi, Gernot Marx, Patienten mit schweren und tödlichen Corona-Verläufen seien in fast allen Fällen ungeimpft. Aktuell liegen laut Divi insgesamt fast 1.700 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, mehr als die Hälfte von ihnen muss invasiv beatmet werden. 90 Prozent davon sind rund 1.530 Patienten.

Vergleicht man diese Zahl mit den Zahlen von 2020, fällt wieder auf, die dramatisch die Lage aktuell ist. Denn am 26. Oktober 2020 gab es laut Divi insgesamt 1.362 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, zudem mussten nur etwa 46 Prozent von ihnen beatmet werden.

Das bedeutet, vor einem Jahr lag die Gesamtzahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen noch unter der aktuellen Zahl der Ungeimpften auf den Intensivstationen. Zudem waren zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr noch rund 8.400 Betten frei – aktuell sind es nur noch rund 3.000. Eine Entwicklung ähnlich wie im vergangenen Jahr wäre in diesem Jahr demnach kaum zu stemmen. Und aktuell sieht es eher so aus, als entwickelten sich die Zahlen noch deutlich dramatischer. 

Wie viele Ungeimpfte sterben derzeit am Coronavirus?

Auch die Zahlen bei den Corona-Toten sind in diesem Jahr deutlich höher als noch 2020, wie auch die folgende Grafik zeigt. 


Und während mittlerweile auch Impfdurchbrüche eine Rolle bei den Infektionszahlen sowie Todeszahlen spielen, ist dieser Anteil vor allem bei den älteren Patienten hoch. Von den insgesamt 943 Covid-19-Fällen mit Impfdurchbrüchen, die bisher insgesamt verstorben sind, waren 695 (74 Prozent) 80 Jahre und älter.

"Das spiegelt das generell höhere Sterberisiko − unabhängig von der Wirksamkeit der Impfstoffe − für diese Altersgruppe wider", erklärt das RKI. In jüngeren Altersgruppen hingegen schützt die Impfung zu einem hohen Prozentsatz von mehr als 90 Prozent vor dem Tod durch das Coronavirus.

Wie viele Menschen sind noch ungeimpft?

Bisher wurden in Deutschland 55,1 Millionen Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das entspricht 66,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Besonders hohe Impfquoten wurden vor allem im Nordwesten der Bundesrepublik erreicht. So sind in Bremen bereits mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft, in Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland liegen die Impfquoten bei mehr als 70 Prozent. Schlechter sieht es hingegen im Osten und Süden aus: Sachsen ist das Schlusslicht mit nur knapp 59 Prozent vollständig Geimpften. 

Doch in allen Altersgruppen gibt es weiterhin Ungeimpfte. Insgesamt könnten in Deutschland aktuell knapp 74 Millionen Menschen ab zwölf Jahren gegen Covid geimpft werden, bleiben also fast 19 Millionen Menschen, für die eine Impfung zwar zugelassen ist, die bisher aber noch nicht geimpft wurden.

In der Altersgruppe der Über-60-Jährigen sind noch 3,6 Millionen Menschen nicht geimpft. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 59 Jahren sind es 12,4 Millionen Ungeimpfte und bei den Zwölf- bis 17-Jährigen 2,7 Millionen. Hinzu kommen noch rund 9,2 Millionen Kinder unter zwölf Jahren, für die es noch kein Impfangebot gibt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Robert Koch-Institut Dashboard
  • Impfdashboard Bundesregierung
  • RKI-Wochenbericht vom 21. Oktober 2021
  • Situationsbericht Divi
  • NDR: "Corona-Infektionsrisiko für Ungeimpfte hoch wie nie zuvor", 25. Oktober 2021. 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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