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Die trügerische Hoffnung der Impfgegner

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 30.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Covid-19-Tablette Paxlovid: Nicht nur an Impfstoffen, sondern auch an Medikamenten gegen Corona wird geforscht.
Covid-19-Tablette Paxlovid: Nicht nur an Impfstoffen, sondern auch an Medikamenten gegen Corona wird geforscht. (Quelle: Pfizer/AP/dpa-bilder)
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Paxlovid, Lagevrio, Molnupiravir: Der Blick richtet sich zunehmend auf Medikamente gegen Covid-19. Einige wurden bereits in der EU zugelassen. Doch können sie uns aus der Pandemie helfen?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat es kürzlich groß angekündigt: Deutschland kauft eine Million Packungen des Medikaments Paxlovid der US-Firma Pfizer. Das Mittel sei "extrem vielversprechend" und könne bei richtiger Anwendung einen schweren Verlauf von Covid-19 deutlich abschwächen.


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Auch die verfügbaren Corona-Impfstoffe haben das Ziel, vor schweren Covid-Erkrankungen zu schützen. Sind Medikamente also eine gute Alternative zu einer Impfung?

Unterschiede zwischen Impfstoff und Medikament

Wichtig vorab: Ein pauschales Corona-Allheilmittel existiert nicht. Es gibt wirksame Impfstoffe, die zumindest in Teilen vor einer Infektion und in großem Maße vor einer schweren Covid-Erkrankung schützen. Daneben können verschiedene Tabletten und Antikörpertherapien in Form von Infusionen bei Corona-Infizierten zum Einsatz kommen und den Krankheitsverlauf lindern.

Gegenüber der Impfung haben aber alle Corona-Medikamente vier große Nachteile:

1. Andere Menschen werden nicht geschützt

Anders als Corona-Impfstoffe tragen Medikamente nicht dazu bei, andere vor dem Virus zu schützen. Zwar können auch Geimpfte andere Menschen anstecken, das Risiko einer Virusübertragung ist laut Robert Koch-Institut (RKI) aber vermindert.

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Medikamente helfen dagegen erst, wenn man bereits infiziert ist. Sie schützen daher nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und können dessen Ausbreitung auch nicht stoppen.

2. Medikamente eignen sich nicht für alle Corona-Patienten

Die bisher verfügbaren Corona-Medikamente sind in der Anwendung oft kompliziert und eignen sich nicht für alle gleichermaßen. Denn sie setzen meist zu spät an, nämlich erst dann, wenn die Infektion erkannt wird. Die Pfizer-Tablette Paxlovid etwa muss in einem frühen Krankheitsstadium eingenommen werden. Bei den meisten Infizierten zeigen sich zu diesem Zeitpunkt, wenn überhaupt, erst leichte Symptome. Für Patienten auf der Intensivstation ist dieses Medikament daher nicht mehr einsetzbar. Auch vorbeugend, also zum Schutz vor einer Infektion, kann es nicht eingenommen werden.

Das Medikament Lagevrio des US-Pharmakonzerns Merck & Co. soll nach Herstellerangaben Klinikeinweisungen und Todesfälle um 30 Prozent reduzieren. Paxlovid von Pfizer soll sogar zu 89 Prozent wirken. Noch ist die Studienlage allerdings dünn.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte Ende September gesagt, dass eine Verabreichung von Antikörpermitteln "fast immer schon zu spät" sei. Denn bei einem durchschnittlichen Patienten habe sich das Virus bereits zu Symptombeginn im Körper stark vermehrt.

Bei einer Covid-19-Impfung hingegen ist das Immunsystem schon trainiert und kann das Virus sofort bekämpfen, wenn es in den Körper eindringt. Ein schwerer Verlauf wird dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert.

3. Medikamente kosten deutlich mehr als Impfungen

Ein weiterer Haken: Medikamente sind deutlich teurer als Impfstoffe. So haben die USA pro Einheit Paxlovid rund 470 Euro bezahlt. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer hingegen kostete im August pro Dosis etwa 20 Euro.

4. Nebenwirkungen sind kaum erforscht

Außerdem wichtig: Mögliche Nebenwirkungen von Corona-Medikamenten sind bisher nicht so gut untersucht wie bei den Impfstoffen.

Die Studien zu den Medikamenten vor ihrer Zulassung haben meist eine Größe zwischen 1.000 und 2.000 Patienten. Zum Vergleich: Beim Impfstoff von Biontech nahmen insgesamt 43.000 Probanden an der wichtigen Phase-III-Studie teil, bei Moderna waren es rund 30.000. Die Medikamente sind also vor der Zulassung an viel weniger Menschen getestet worden, als es bei den Impfstoffen der Fall war.

Hinzu kommt: Die Impfstoffe wurden seit ihrer Zulassung zum Jahreswechsel 2020/2021 millionenfach verabreicht und dabei parallel weiter überwacht. Dabei wurden auch seltene Nebenwirkungen erkannt – und die neuen Erkenntnisse bei der Anwendung der Impfstoffe berücksichtigt. Bei den Medikamenten ist es noch ein langer Weg, bis das Nebenwirkungsprofil ähnlich gut untersucht ist. Vor allem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nahezu unerforscht.

Fazit: Eine gute Pandemiestrategie braucht beides

Trotz dieser Nachteile sind Medikamente nicht weniger wichtig als Impfstoffe. Ihre Rolle ist nur eine andere. Unter Experten gelten Medikamente als eine Säule der Corona-Bekämpfung. "Es ist gut, dass wir endlich diese Mittel haben", sagte Pharmazie-Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes der Nachrichtenagentur dpa. Doch eine Kehrtwende für die Pandemie sieht der Wissenschaftler in ihnen nicht.

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Auch andere Mediziner betonen, Medikamente seien kein Ersatz für Impfungen. Sich wegen neuer Anti-Covid-Tabletten nicht impfen zu lassen, sei ein Fehler. Denn Prävention sei immer sinnvoller als Behandlung.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
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