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"Wunder-Impfstoff" von US-Armee entwickelt: Was taugt das Corona-Vakzin wirklich?


Was taugt der neue "Wunderimpfstoff"?

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 15.01.2022Lesedauer: 3 Min.
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Von der US-Armee entwickelter Corona-Impfstoff im Test (Symbolbild): Hält er, was er verspricht?
Von der US-Armee entwickelter Corona-Impfstoff im Test (Symbolbild): Hält er, was er verspricht? (Quelle: valentinrussanov/getty-images-bilder)
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Mit neuen Corona-Varianten nimmt häufig die Wirksamkeit der Impfstoffe ab. Nun verkündet die US-Armee, ein von ihr hergestelltes Vakzin decke auch Virus-Mutanten ab. Ein Experte äußert sich zur Wirksamkeit von SpFN skeptisch.

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat vor allem eines gezeigt: Mutiert das Virus sehr stark, kann es den Impfschutz der bisher zugelassenen Vakzine unterlaufen. Der Schutz vor der Infektion nimmt deutlich ab, der Schutz vor der schweren Erkrankung bleibt jedoch erhalten. Nun will ein Forschungslabor des US-Militärs einen Impfstoff entwickelt haben, der auch gegen eine Vielzahl von Virusvarianten schützen soll. Von den Medien wurde er bereits als "Super"- oder "Wunderimpfstoff" betitelt.


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Proteinimpfstoff in Fußballform

Bei dem Spike-Ferritin-Nanopartikel-Vakzin (SpFN) handelt es sich um einen Proteinimpfstoff. In der Funktion ist er zu vergleichen mit dem Mittel des US-Herstellers Novavax, das Ende Dezember von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen wurde.

Er basiert auf Ferritin, einem körpereigenen Eiweiß-Molekül, das Eisen speichern kann. Nach einem Bericht auf dem US-Portal "Defense One" handelt es sich dabei um eine mit einem Fußball vergleichbare Kugel mit 24 Seiten. An jede dieser Untereinheiten ließe sich – so die Theorie – das Spike-Protein einer anderen Corona-Variante aufbringen. Damit wäre der Impfstoff sehr wandel- und leicht modifizierbar.

In Phase 1 der klinischen Erprobung

Mithilfe des Spike-Proteins dringt das Coronavirus in die menschlichen Zellen ein. Diese Stachelstruktur bildet auch die Grundlage aller bisher zugelassenen Impfstoffe. Ziel der Impfung ist die Bildung von Antikörpern, die an das Spike-Protein so binden, dass das Virus damit nicht mehr an seinen Rezeptor auf unseren Zellen andocken kann, sie also auch nicht mehr infizieren kann. Darüber hinaus werden T-Zellen aktiviert, die im Fall einer Infektion infizierte Zellen erkennen, töten und so die Vermehrung des Virus behindern.

Beim US-Armeeimpfstoff kommt zudem ein Wirkverstärker zum Einsatz, ein Stoff, der das Immunsystem alarmiert. Entwickelt wurde das Vakzin am Walter Reed Army Institute of Research in Silver Spring im US-Bundesstaat Maryland. Und dort laufen auch die ersten klinischen Studien. Nach einem Bericht von "spiegel.de" sollten in der ersten Phase 72 Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren entweder zwei Dosen im Abstand von 180 Tagen oder drei Dosen im Abstand von 28 und 180 Tagen erhalten.

Erfolge bei Rhesusaffen

"Wir testen unseren Impfstoff gegen alle verschiedenen Varianten, einschließlich Omikron", sagte Dr. Kayvon Modjarrad, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten des Instituts auf "Defense one". "Wir wollen warten, bis diese klinischen Daten in der Lage sind, die vollständigen öffentlichen Ankündigungen zu machen, aber bisher hat sich alles genauso entwickelt, wie wir es uns erhofft hatten."

Erfolgversprechend waren offenbar auch Studien an Rhesusaffen, bei denen die Wissenschaftler nach zwei höheren Dosen des Vakzins nach zwei Tagen keine Virusspuren mehr in den unteren Atemwegen nachweisen konnten.

Immunologe ist skeptisch

Wird SpFN also ein "Game Changer", der uns auch in Zukunft gegen Virusvarianten absichern kann? "Ich sehe hier keinen 'Wunderimpfstoff'", erklärt Dr. Andreas Radbruch. Er ist Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin. "Es handelt sich um einen Impfstoff mit mehreren Komponenten, aber von SARS-CoV-2 nur verschiedene Formen des Spike-Proteins. Ob dieser Impfstoff gegen alle nur denkbaren, heute noch gar nicht existierenden Varianten von SARS-CoV-2 schützt, sei dahingestellt. Ich wäre da skeptisch."

Eigentlich versuche das Immunsystem schon von sich aus, seine Antikörper immer weiter so zu verbessern, sodass sie auch Varianten möglichst gut erkennen. Man müsse ihm nur die Zeit dazu geben. Radbruch: "Direkt nach der Immunisierung gibt es zwar viele Antikörper, aber die meisten binden nicht wirklich gut. Nach der Affinitätsreifung, die Monate braucht, sind die Antikörper so 'scharf', dass sie das Spikeprotein sehr fest binden. Darum geht es. Denn dann binden sie auch noch an leicht verändertes Spike-Protein der Varianten, etwas schlechter, aber immer noch ganz gut."

Die Mutationsmöglichkeiten des Virus am Spike-Protein sind darüber hinaus begrenzt. Denn: "Es muss darauf achten, dass es immer noch gut an den ACE-2 Rezeptor auf unseren Zellen bindet, sonst ist es nicht mehr infektiös."

Radbruchs Fazit: "Ich denke, dieser Impfstoff ist vielen anderen in der Entwicklung befindlichen Impfstoffen, die ebenfalls auf etwas mehr als nur ein Spike-Protein setzen, zumindest konzeptionell nicht grundsätzlich überlegen. Sie sind auch alle noch nicht zugelassen. Prinzipiell wäre es natürlich gut, bei den Impfstoffen etwas mehr Auswahl zu haben, vor allem auch solche mit mehreren Komponenten des Virus. Aber wir sollten nicht vergessen, dass ein großer Vorteil auch der mRNA-Impfstoffe ist, dass man sie sehr schnell an neue Varianten anpassen kann. "

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • US-Portal Defense One
  • spiegel.de
  • Interview mit Andreas Radbruch
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