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Obstbaumschnitt: Obstbäume richtig schneiden und pflegen

Ertragreiche Ernte  

So schneiden und pflegen Sie Ihre Obstbäume richtig

17.01.2020, 08:42 Uhr | rev, dpa, t-online.de, ron

Obstbaumschnitt: Obstbäume richtig schneiden und pflegen. Obstbaumschnitt: Ein Rückschnitt kann einem Baum gut tun. (Quelle: Getty Images/redstallion)

Obstbaumschnitt: Ein Rückschnitt kann einem Baum gut tun. (Quelle: redstallion/Getty Images)

Wer im Sommer reichlich Früchte im Garten ernten möchte, sollte seine Obstbäume regelmäßig schneiden. Wir zeigen, wie das geht und was es zu beachten gibt.

Der richtige Schnitt wirkt für Obstbäume wie eine Verjüngungskur: Er formt das Astwerk, lenkt die Saftströme und fördert Blütenreichtum sowie Ernteertrag. Dabei ist der richtige Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt von Art zu Art unterschiedlich. Eine Faustregel gibt es dennoch: Je zeitiger im Winter Bäume geschnitten werden, desto stärker treiben diese im Frühjahr wieder aus.

Der richtige Zeitpunkt

Kernobstbäume wie Apfel, Birne und Quitte sollten im Spätwinter zurückgeschnitten werden, weil diese Arten von November bis März ruhen. Ein Rückschnitt ist auch noch direkt nach der Blüte möglich. Zu diesem Zeitpunkt erkennen Sie zudem, welche Zweige später nur wenige Blüten tragen.

Pfirsichbäume werden im späten Frühjahr (April oder Mai) verschnitten, weil hier auf die Blütenknospen geachtet werden muss; anderes Steinobst wie Süßkirsche oder Pflaume gleich nach der Ernte, das heißt im Juli beziehungsweise im September.

Unterschied: Sommer- und Winterschnitt

Fördert der Winterschnitt das spätere Wachstum des Obstbaumes, so bremst der Sommerschnitt das Wuchspotenzial. Dafür regt der Schnitt in den Sommermonaten eine üppige Baumblüte und spätere reichhaltige Ernte an.

Obstbaumschnitt bei Frost?

Früher galt die Regel: Kein Obstbaumschnitt bei frostigen Temperaturen! Denn die offenen Wunden könnten sich bei starken Frösten verschlimmern und Schäden am Holz verursachen. Heute weiß man, dass ein Baumschnitt bis minus 5 Grad Celsius möglich ist – ohne dem Baum zu schaden. Bei noch niedrigeren Temperaturen sollten Sie aber darauf achten, dass die Triebe nicht einreißen, da das Baumholz in der Kälte sehr spröde werden kann.

Diese Äste besser entfernen

"Wie bei anderen Gehölzen auch muss bei den Obstbäumen Totholz entfernt werden", sagt Oliver Fink vom "Verband der GartenBaumschulen" im nordrhein-westfälischen Haan. Auch Äste, die quer wachsen und daher an anderen scheuern können, oder steil nach oben wachsende Äste sollten im Frühjahr beseitigt werden. Ebenso werden Äste entfernt, die schon mehrere Jahre lang Früchte getragen haben. Denn Obst an jungen Hölzern hat eine bessere Qualität. Alte Äste sollten daher entfernt werden, um das Wachstum neuer anzuregen.

Baumschnitt: Nicht alle Zweige und Äste dürfen bei einem Apfelbaum entfernt werden. (Quelle: t-online.de)Baumschnitt: Nicht alle Zweige und Äste dürfen bei einem Apfelbaum entfernt werden. (Quelle: t-online.de)

Beim Schneiden sind aber dennoch viele Fehler möglich. So würden häufig die Seitenverzweigungen des Baumes gekappt mit dem Ziel, den Wuchs im Rahmen zu halten, sagt Fink. "Das ist ein fataler Fehler: An diesen Trieben bilden sich die Blüten." Die häufigsten Fehler beim Baumschnitt haben wir für Sie zusammengestellt.

Schnitt beugt Pilzerkrankungen vor

Hobbygärtner sollten auch die Baumspitzen immer mal wieder auslichten. Dann kann genügend Sonnenlicht an den unteren Bereich des Baumes kommen und die Früchte reifen lassen. Außerdem muss regelmäßig ausgelichtet werden, um mehr Luft in der Krone zirkulieren lassen zu können. Das beugt Pilzerkrankungen vor.

"Darüber hinaus sind Schnittmaßnahmen oft an der Grenze zum Nachbargrundstück notwendig. Oder dort, wo ein Baum zu hoch geworden ist und beispielsweise unerwünschten Schatten wirft", zählt Uwe Jakubik, Fachbuchautor aus Reutlingen, auf. "Und schließlich muss im Geäst eines größeren Obstbaumes immer ausreichend Raum sein, um später bei der Ernte die Leiter gut anstellen zu können."

Unterschied: junge und alte Obstbäume?

Der sogenannte Jungbaumschnitt wird jährlich durchgeführt, bis der Baum etwa zwölf Jahre alt ist. Er sorgt dafür, dass der Baum starke Leit- und Seitenäste bildet und die Krone lichtdurchlässig sowie gut belüftet bleibt. Beim dann folgenden Erziehungsschnitt werden teilweise auch Äste mit Blattknospen abgeschnitten. Dadurch kann der Baum zum Bilden von Früchten angeregt werden, anstatt zum weiter Austreiben.

Obstbaumschnitt: Es ist sehr wichtig, den richtigen Zeitpunkt für einen Rückschnitt zu kennen. (Quelle: Getty Images/hiphoto40)Obstbaumschnitt: Es ist sehr wichtig, den richtigen Zeitpunkt für einen Rückschnitt zu kennen. (Quelle: hiphoto40/Getty Images)

Dagegen verpassen Hobbygärtner älteren Bäumen einen Erhaltungsschnitt. Hier wird der Obstbaum anfangs noch alle zwei Jahre ausgelichtet. Dieser Zeitraum kann später auf alle fünf Jahre ausgedehnt werden. Hierbei sollten Konkurrenztriebe und Wasserschosse entfernt werden. Zudem können alle ältere herabhängende Zweige auf einen jüngeren Austrieb zurückgeschnitten werden – am besten in einer Pyramidenform: Dazu verbleiben nur etwa vier Leitäste sowie die Stammverlängerung beziehungsweise der Mitteltrieb. Sie werden dann wie eine Pyramide in Form geschnitten. Die Seitenäste, auch Seitenholz genannt, sowie das Fruchtholz werden ebenfalls entsprechend verschnitten. 

Lesen Sie hier eine Anleitung, was beim Schneiden junger und alter Obstbäume noch zu beachten ist

Starke Rinde durch einen Anschnitt

Bildet ein Obstbaum mit hohem Wachstum einen zu dünnen Stamm, können Hobbygärtner ihn mit einem Trick zum sogenannten Dickenwachstum anregen. Dafür wird die Rinde schräg oder parallel zur Stammachse angeschnitten. Die Schnitte sollten in Abständen zwischen fünf und zehn Zentimeter erfolgen und etwa 15 bis 20 Zentimeter lang sein. Das Messer sollte so tief einstechen, dass die Rinde bis zum Holz durchtrennt wird. Die Wunden regen den Baum zum Wachstum an. Er muss dann seine Wuchsstoffe im Stamm konzentrieren, der folglich dicker wird. 

Werkzeug für Obstbaumschnitt

Die wichtigsten Hilfsmittel für den Obstbaumschnitt sind eine kleine und eine große Astschere sowie eine Säge. Zwei Sägentypen sind für den Baumschnitt empfehlenswert: die Klappsäge und die Bügelsäge. Das ideale Werk­zeug für etwas dickere Äste ist die Klapp­säge, sagt Stiftung Warentest. Sie ist im einge­klappten Zustand platz­sparend und deshalb beim Auf-die-Leiter-Klettern nicht hinderlich. Dagegen ermöglicht eine Bügelsäge mit verstellbarem Sägeblatt eine gute Schnittführung. Je feiner die Zahnung desto präziser der Astschnitt.

Neupflanzungen prüfen

Doch der Rückschnitt ist nicht das einzige, was Obsthölzer regelmäßig brauchen. Beim Kontrollgang durch den Garten werden zunächst die Neupflanzungen aus dem vergangenen Jahr unter die Lupe genommen. Ihre Stämme sind deutlich dicker geworden, so dass eventuell Befestigungen gelockert oder Stützpfähle beseitigt werden müssen. "Manch ein Gehölz wurde durch den Frost hochgedrückt", erläutert Frank Wetzel, Experte für Obstgehölze an der Gartenakademie Baden-Württemberg in Heidelberg.

"Das wird nun noch mal gut festgetreten und anschließend ausgiebig gewässert, bis das Wasser im Pflanzloch steht." Aber: "Neben den Neuanpflanzungen brauchen auch ältere Pfirsich-, Nektarinen-, Mandel- und Aprikosenbäume unbedingt eine Extraportion Wasser", rät Wetzel. Diese Fehler beim Gießen sollten Sie deshalb vermeiden.

Fraßschäden richtig behandeln

Der zweite Blick gilt möglichen Fraßschäden an den Obstgehölzen. "Besonders gefährlich sind Schermäuse, vielerorts auch Wühlmäuse genannt", sagt Jakubik. Durch Rütteln am Baum finde man heraus, wie stark das Wurzelwerk geschädigt ist. "Auf jeden Fall sollte man das Erdreich festtreten und das Gehölz zurückschneiden", rät Wetzel. Um weiteren Schäden vorzubeugen, sollten Sie außerdem die Wühlmäuse aus dem Garten vertreiben.

Weit weniger problematisch sind Verbissschäden durch Hasen oder Kaninchen am Stamm. "Die Wunde sollte nur mit einem Messer geglättet werden", empfiehlt Wetzel. Haben Feldmäuse den Stammgrund angenagt, werde die Wunde zunächst gesäubert und dann ebenfalls geglättet. Wurden die Triebe von Rehen angeknabbert, werden die Triebe sauber zurückgeschnitten.

Frühzeitig gegen Lausbefall schützen

Auch einige Pflanzenschutzmaßnahmen können und sollten bereits im zeitigen Frühjahr begonnen werden. Waren Gehölze im Vorjahr von Pilzinfektionen wie Schorf oder Rost befallen und wurde ihr Laub noch nicht im Herbst beseitigt, dann wird es jetzt höchste Zeit dafür. Außerdem sollten die Leimringe an den Stämmen erneuert werden. "Dadurch wird der Ameisenzulauf im Sommer verhindert und der Lausbefall eingeschränkt", erklärt Fink.

Schattenmorellen und Aprikosen sind außerdem häufig Opfer der Moniliapilze. Ihre Ausbreitung wird von kühlem, feuchtem Klima im Frühjahr begünstigt. "Wenn ein Baum im Vorjahr befallen war, kann man ihn vorbeugend behandeln", rät Fink. "Ein bienenfreundliches Präparat wird in die offene Blüte gespritzt." Ergänzend oder alternativ können Pflanzenstärkungsmittel den Befall reduzieren.

Dieser Dünger eignet sich

Nach dem Schnitt fehlt den Gehölzen noch eines für die neue Gartensaison und zwar die nötige Starthilfe in Form von Dünger. "Ideal ist organischer Volldünger", empfiehlt Wetzel. Seine Umsetzung im Boden beginne genau rechtzeitig, nämlich mit der Wachstumszeit. Wer seine Obstbäume ordentlich versorgt, wird für seine Arbeit schließlich im Herbst mit köstlichen Früchten belohnt.


Die wichtigsten Tipps zum Obstbaumschnitt
ZeitpunktKernobst (Apfel, Birne, Quitte) im Spätwinter, Steinobst (Süßkirsche, Pflaume) nach Ernte.
AusnahmenEs wird zwischen Sommer- und Winterschnitt unterschieden.
Was wird geschnittenÄste, die quer oder steil nach oben wachsen; alte Äste; totes Holz; Baumspitzen werden ausgelichtet.
Häufige FehlerHier sind die häufigsten Fehler beim Baumschnitt aufgeführt.

Wenn Sie lieber blühende Bäume und Sträucher als eine ertragreiche Ernte wünschen, finden Sie in unserer Fotoshow Inspiration

Verwendete Quellen:

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