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Tierquälerei? Edeka-Markt nimmt XL-Eier aus dem Sortiment

Tierquälerei oder Natur  

Markt nimmt sie aus Sortiment: Wie schädlich sind XL-Eier für Hühner?

Von Sandra Simonsen

16.12.2019, 14:10 Uhr
Tierquälerei? Edeka-Markt nimmt XL-Eier aus dem Sortiment . Ein Huhn mit Eiern: Vor allem hinter XL-Eiern steckt häufig Tierquälerei.  (Quelle: Getty Images/Anastasiia Magonova)

Ein Huhn mit Eiern: Vor allem hinter XL-Eiern steckt häufig Tierquälerei. (Quelle: Anastasiia Magonova/Getty Images)

Rund 52 Millionen Legehennen gibt es in Deutschland, ein Teil der Tiere legt sogenannte "XL-Eier". Tierschützer und Geflügelwirtschaft sind uneins darüber, was die Produktion der großen Eier für die Hennen bedeutet. 

Sind XL-Eier Tierquälerei oder Teil eines natürlichen Prozesses? Nachdem der Verein "Rettet das Huhn" schlechte Bedingungen für Legehennen veröffentlicht hat, die besonders große "XL-Eier" produzieren, hat nun der erste Edeka-Markt die Eier aus dem Sortiment genommen. "Weil wir erfahren haben, unter welchen Umständen sie entstehen", heißt es in einer Mitteilung des Marktes aus dem Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen). 

Werden Legehennen in eine "Zwangsmauser" gebracht?

Der Verein "Rettet das Huhn" erklärt: Je jünger ein Huhn ist, desto kleiner sind die Eier, die es legt. Das bedeutet: Zu Beginn legen Hennen S-Eier, im Laufe des ersten Lebensjahres schließlich M- oder auch L-Eier. Normalerweise würden die Hennen schon nach zwölf Monaten geschlachtet und durch Junghennen ersetzt, weil sich ihre Legeproduktivität verringert.

Katharina Standke von der Deutschen Geflügelwirtschaft beschreibt den Prozess auf t-online.de-Anfrage ähnlich: "Legehennen beginnen mit etwa 20 Wochen Eier zu legen", sagt sie, "Die Eigrößenverteilung ist dabei biologisch vorgegeben."

XL-Eier legen Hennen laut "Rettet das Huhn" eigentlich erst dann, wenn sie das erste Mal in der Mauser waren. Die Mauser würde unter natürlichen Bedingungen nach etwa 15 bis 18 Monaten einsetzen. In der Massentierhaltung komme die Mauser jedoch nur sehr selten und zeitlich sehr unterschiedlich vor, was zu Unruhe und Kannibalismus unter den Hennen sorge. Deshalb würden die Hennen für die XL-Eier in eine "Zwangsmauser" gebracht. 

Futter- und Lichtentzug für XL-Eier?

Das bedeute, dass den Hennen über mehrere Wochen Futter und Licht entzogen wird. Wie der Verein berichtet, sollen die Hennen nur vier Stunden am Tag Licht und in dieser Zeit nur Hafer und Kalk zu fressen bekommen. 20 Stunden am Tag bleiben sie ohne Futter in Dunkelheit. 

Durch den Stress, der so entstehe, schalten die Körper der Tiere in einen Notfallmodus: Die Eierpoduktion werde unterbrochen und die Hennen verlieren ihre Federn. So kommen sie gezwungenermaßen in die Mauser. Sobald sie keine Eier mehr legen, bleiben sie weitere vier Wochen in dem Programm, bis Futter und Licht wieder hochgefahren werden. Wenn die Tiere nun wieder legen, legen sie demnach XL-Eier. 

Die Hennen bleiben dem Bericht zufolge – sofern sie die Prozedur überlebt haben – danach noch weitere sechs bis acht Monate im Legehennenbetrieb und legen XL-Eier. Danach werden sie geschlachtet. Laut "Rettet das Huhn" sind die Tiere am Ende in einem "desaströsem Zustand". Viele hätten Bauchdeckenbrüche, Kloakenvorfälle, poröse und entzündete Legedärme sowie vereiterte Bauchräume. 

Mauser als natürlicher Prozess bei Legehennen?

Dieser Darstellung widerspricht jedoch die Erklärung von Katharina Standke zumindest teilweise. "Keine einzige Henne" in Deutschland werde extra für die Produktion von XL-Eiern gehalten. Auch eine erhöhte Nachfrage nach XL-Eiern in Supermärkten sei der Deutschen Geflügelwirtschaft nicht bekannt. "XL-Eier sind zwar ebenfalls natürlich, aber biologisch gesehen eher die Ausnahme, sodass hierfür zum Beispiel auf Wochenmärkten gute Preise erzielt werden können", so Standke.  

Die künstlich herbeigeführte Mauser beschreibt Standke als schonenden Prozess, der dem Huhn zugute kommt. Die jährliche Mauser sei ein natürlicher Rhythmus bei Hühnern, um ihr Federkleid zur erneuern. Die Eierproduktion werde dabei eingestellt. "Ausgelöst wird dieser hormonell gesteuerte Prozess zum Beispiel durch abnehmende Tageslichtlängen", erklärt sie. "Die natürliche Mauser dauert dabei bis zu vier Monaten. Aufgrund der optimalen Haltungsumwelt in modernen Legehennenställen kann sich der Eintritt dieses Prozesses hier aber deutlich verschieben, sodass bei gesunden und persistent legenden Herden mit schonenden Methoden ebenfalls ein Federwechsel eingeleitet werden kann."



Während der Erneuerung des Federkleids werden Kamm, Kehllappen und Eierstock zurückgebildet. "In dieser Zeit 'erholt' sich der Organismus also", sagt sie, "nach der Mauser weisen die Eier dann oft bereits zu Legebeginn höhere Eigewichte (M/L), aber vor allem wieder eine gute Schalenstabilität auf." Dünne und brüchige Schalen könnten sonst ein Grund sein, dass die Tiere geschlachtet werden müssen. "Durch die Mauser kann also auch die Haltungsdauer der Tiere verlängert werden."

Verwendete Quellen:

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