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Sucralose: Süßstoff in Lebensmitteln kann die DNA verändern


Wann der Süßstoff Sucralose die Gesundheit gefährden kann

Von dpa, t-online, cch, lz

Aktualisiert am 10.06.2023Lesedauer: 3 Min.
Süßstoff: Die beliebte Zuckeralternative wird vor allem von Diabetikern gern genutzt.Vergrößern des BildesSüßstoff: Die beliebte Zuckeralternative wird vor allem von Diabetikern gern genutzt. (Quelle: gilaxia/getty-images-bilder)
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Der Süßstoff Sucralose ist eine beliebte Alternative zu Zucker. Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen nun, dass der Zuckerersatz gesundheitsschädlich sein könnte.

Sucralose ist ein Süßstoff, der aus Haushaltszucker besteht. Für den intensiv süßen Geschmack wird der Zucker allerdings mit bestimmten Chlorverbindungen modifiziert, weshalb er auch unter dem Namen Chlorzucker bekannt ist. Ein weiterer Name ist Trichlorgalactosaccharose (TGS). In der Europäischen Union ist der Süßstoff als E 955 zugelassen.

Sucralose ist rund 600 Mal süßer als Zucker und hat dabei keinen bitteren Nachgeschmack wie manche andere Süßstoffe. Sucralose kann im Körper kaum verwertet werden und liefert deshalb keine Kalorien. Zudem fördert der Süßstoff keine Karies.

Wo wird Sucralose eingesetzt?

Sucralose wird häufig als Süßungsmittel in zuckerfreien oder energiereduzierten Lebensmitteln verwendet – etwa in Getränken, in Süß- und Backwaren, Brotaufstrichen oder Desserts. Sie wird auch süßsaurem Obst, Gemüse oder Fisch in Konserven zugefügt. Darüber hinaus ist das Süßungsmittel auch für Soßen, Senf, Knabbereien aus Getreide oder Nüssen und Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Sucralose kann DNA verändern

In einer aktuellen Studie haben amerikanische Forscher der North Carolina State University herausgefunden, dass Sucralose und das Abbauprodukt Sucralose-6-Acetat gesundheitsgefährdend sein könnten. Sucralose-6-Acetat entsteht beim Abbau des Süßstoffs im Körper, aber auch bei der Herstellung als Verunreinigung.

Um die Wirkung von Sucralose und ihrem Abbauprodukt zu untersuchen, nutzten die Forscher menschliche Blutzellen und Darmgewebe. Dabei analysierten sie, wie der Süßstoff auf die Zellen und die enthaltene DNA reagiert. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift
"Journal of Toxicology and Environmental Health" veröffentlicht.

Das Ergebnis: Sucralose und Sucralose-6-Acetat waren im Zellversuch gentoxisch. Das heißt, sie führten zu schädlichen Veränderungen der DNA. Zudem beobachteten die Wissenschaftler, dass Zellen, die mit dem Süßstoff in Kontakt kamen, Gene aktivieren, die mit Entzündungen, oxidativem Stress und Krebs zusammenhängen. Und auch die Darmzellen wurden durch Sucralose und Sucralose-6-Acetat beschädigt.

Info

Bei der Studie handelt es sich um eine sogenannte In-vitro-Studie. Das heißt, die Versuche wurden an Zellen durchgeführt und nicht an Tieren oder Menschen. Die Ergebnisse solcher In-vitro-Studien sind nur bedingt auf den Menschen übertragbar. Weitere Studien an Tieren und Menschen sind daher notwendig, um die Ergebnisse mit Sicherheit zu bestätigen.

Sucralose sollte nicht erhitzt werden

Ein weiterer Nachteil der Sucralose: Lebensmittel, die den Süßstoff enthalten, können bei Temperaturen ab 120 Grad Gefahren für die Gesundheit verursachen. Das zeigte eine Auswertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bereits im Jahr 2019.

Sie fanden heraus, dass beim Erhitzen von sucralosehaltigen Lebensmitteln wie Backwaren Verbindungen mit gesundheitsschädlichem und krebserzeugendem Potenzial entstehen können. Gemeint sind chlorierte Verbindungen, wie etwa die Stoffgruppe der Dioxine. Für eine abschließende Risikobewertung fehlen allerdings noch Daten, so das Institut. Unklar sei etwa, welche Mengen toxischer Stoffe beim Erhitzen von Sucralose entstehen.

Um die kritische Temperatur zu umgehen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Bayern, den Süßstoff entweder nur bei kalten Speisen oder Getränken zu verwenden oder ihn bei warmen Speisen erst nach dem Erhitzen hinzuzufügen.

Was bedeutet das für Konsumenten?

Sucralose gilt in der EU als ungefährlich und ist in den meisten Ländern zur Verwendung zugelassen. Dies gilt, wenn Sie täglich nicht mehr als 15 Milligramm Sucralose pro Kilo Körpergewicht aufnehmen (ADI-Wert). Nehmen Sie mehr von dem Süßstoff zu sich, kann der Körper mit Blähungen oder Durchfall reagieren. Nebenwirkungen, die über diese Symptome hinausgehen, sind bislang nicht eindeutig bewiesen.

Auch das BfR bestätigt in einer aktuellen Stellungnahme, dass die Mehrheit der Studien keinen negativen Effekt von Sucralose (und auch Acesulfam K, Saccharin, Aspartam und Cyclamat) auf die Gesundheit vermuten lassen. Allerdings geben Sie zu bedenken, dass die Studienlage zu dem Thema unzureichend ist.

Aus den aktuell vorliegenden Studien könne das Institut keine eindeutige Aussage darüber treffen, ob Süßstoffe – und darunter auch Sucralose – das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen oder die Darmflora beeinflussen. Eine abschließende gesundheitliche Risikobewertung ist aus Sicht des BfR daher derzeit nicht möglich. Insbesondere im Fall der Sucralose empfiehlt das Institut allerdings eine Neubewertung.

Einzelne Portionen möglicherweise schon zu viel

Das BfR gibt weiterhin zu bedenken: Vorliegende Studien betrachten hauptsächlich die Süßstoffaufnahme aus Getränken und konzentrieren sich meist auf einen einzelnen Stoff. Die täglich aufgenommene Menge an Süßstoffen könnte also wesentlich höher sein, als in den bisherigen Studien angenommen. Der Grund: Produkte enthalten häufig Kombinationen aus verschiedenen Süßstoffen.

Aber auch einzelne Produkte könnten die maximal erlaubte Konzentration an Süßstoffen schon überschreiten. Die aktuelle Studie der amerikanischen Forscher legt zum Beispiel nahe, dass bereits ein einziges mit Sucralose gesüßtes Getränk den Grenzwert für gentoxische Substanzen überschreiten könnte. Dieser liegt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei 0,15 Mikrogramm am Tag für eine Person.

Aus diesem Grund raten die Wissenschaftler der Studie davon ab, Lebensmittel mit dem Süßstoff Sucralose zu sich zu nehmen.

Verwendete Quellen
  • tandfonline.com: "Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays" (Stand: Mai 2023, englisch)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: S"üßungsmittel: Mehrheit der Studien bestätigt keine Gesundheitsbeeinträchtigung - allerdings ist die Studienlage unzureichend" (Stand: Februar 2023)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: "Süßstoff Sucralose: Beim Erhitzen von Lebensmitteln können gesundheitsschädliche Verbindungen entstehen" (Stand: April 2019)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • verbraucherzentrale-bayern.de: "Was ist Sucralose?"
  • zusatzstoffe-online.de (Bundesverband Verbraucher Initiative)
  • Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: "Umfang der Zulassung von Sucralose" (Stand: Februar 2001)
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