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Zwillinge: Frühchen-Wunder in Greifswald

Doppeltes Wunder: Winzige Frühchen in Greifswald gerettet

28.11.2012, 13:35 Uhr | dpa

Zwillinge: Frühchen-Wunder in Greifswald. Frühchen Leonie einen Tag nach ihrer Geburt im Uni-Klinikum in Greifswald und drei Monate später mit Zwillingsbruder Niklas und den glücklichen Eltern. :  (Quelle: dpa/Angelika Ilgert/UMG)

Frühchen Leonie einen Tag nach ihrer Geburt im Uni-Klinikum in Greifswald und drei Monate später mit Zwillingsbruder Niklas und den glücklichen Eltern. (Quelle: Angelika Ilgert/UMG/dpa)

Ein Ehepaar verbringt auf Rügen seinen Urlaub, als bei der Frau viel zu früh die Wehen einsetzen. Das winzige Zwillingspärchen überlebt sensationell mit Hilfe von Ärzten in Greifswald. Jetzt können die Frühchen mit ihren Eltern in die niedersächsische Heimat zurückkehren.

Frühchen wogen nur 500 und 600 Gramm

Zwillinge mit einem Gewicht von nur 500 und 600 Gramm sind in Greifswald gerettet worden. Das Mädchen und der Junge hatten am 12. August in einer Risikospontangeburt nach 22 Schwangerschaftswochen und sechs Tagen das Licht der Welt erblickt. Inzwischen können die Frühchen eigenständig atmen, müssen aber weiterhin stationär betreut werden, wie das Universitätsklinikum nun mitteilte. Leonie wiegt jetzt 1815 Gramm, ihr Bruder Niklas 2200 Gramm. Nach fast dreieinhalb Monaten geht es für die Familie nun in die niedersächsische Heimat.

Normalerweise sind die Überlebenschancen gering

"Die Mediziner aller Fachrichtungen haben an einem Strang gezogen, um das kleine doppelte Wunder möglich zu machen", sagte der Leiter der Neonatologie, Professor Matthias Heckmann. Normalerweise gilt die 24. Schwangerschaftswoche als unterste Grenze für die Überlebensfähigkeit. Unter der 24. Schwangerschaftswoche liegen nach Angaben der Klinik die Überlebenschancen der Neugeborenen bei 20 bis 30 Prozent. Sieben beziehungsweise acht von zehn in dieser Zeit geborene Kinder sterben.

Keine dauerhaften Schäden zu erwarten

Nach derzeitigem Stand sind laut Heckmann keine schweren bleibenden Schäden bei Leonie und Niklas zu erwarten. Komplikationen wie Hirnblutungen, die die geistige Entwicklung maßgeblich beeinträchtigen können, habe es bei den Zwillingen nicht gegeben. Trotzdem haben viele frühgeborene Kinder später mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten zu kämpfen.

Eltern wurden im Urlaub von der Geburt überrascht

Die Eltern von Leonie und Niklas stammen aus der Nähe von Oldenburg und waren im Sommer auf der Insel Rügen im Urlaub, als sich die frühe Geburt ankündigte. Die 28-jährige Schwangere wurde mit einem Rettungswagen von der Insel Rügen in das Greifswalder Klinikum gebracht. Da die Kinder deutliche vitale Lebenszeichen zeigten, sei gemeinsam mit den Eltern und Fachärzten entschieden worden, um das Überleben der Kinder zu kämpfen, wie Heckmann sagte.

Die beiden Frühchen hatten Lungen- und Darmprobleme. Leonie musste an den Augen und am Herzen operiert werden. Da das Mädchen nicht transportfähig gewesen sei, wurde ein OP-Team des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) nach Greifswald geflogen.

Die Chancen sind besser als früher

"Extrem-Frühchen unter 1500 Gramm haben es schwerer, ins Leben zu starten, aber die moderne Medizin eröffnet heute weitaus bessere Perspektiven als noch vor zehn Jahren", erklärte Heckmann. "Insofern hoffen wir auf eine positive Entwicklung."

Im November 2010 erblickte in Fulda das Frühchen Frieda mit einem Geburtsgewicht von 460 Gramm in der 22. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe war es die früheste bekannte Geburt in Deutschland, bei der das Baby überlebt hat.

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