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Warum M├╝tter immer k├╝rzer stillen

Von dpa
Aktualisiert am 06.10.2017Lesedauer: 3 Min.
Muttermilch ist wichtig f├╝r die Entwicklung des Kindes. Trotzdem stillen viele Frauen immer k├╝rzer.
Muttermilch ist wichtig f├╝r die Entwicklung des Kindes. Trotzdem stillen viele Frauen immer k├╝rzer. (Quelle: RomanovaAnn/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Bestes Fast Food der Welt ÔÇô das ist Muttermilch f├╝r Experten. Auch unter M├╝ttern hat sich das herumgesprochen. Trotzdem stillen viele nicht allzu lang. Anl├Ąsslich der Weltstillwoche (2. bis 8. Oktober) beleuchten wir die Gr├╝nde daf├╝r.

Stillen im Trend: Brelfies in Sozialen Netzwerken

Selig nuckelnde Babys. Stolz l├Ąchelnde Muttis. Weiches Licht. Selfies stillender M├╝tter sind inzwischen in den sozialen Medien an der Tagesordnung. Dort scheint es, als sei es f├╝r die heutige Generation von Mamas das Normalste der Welt, dem Nachwuchs die Brust zu geben.

Supermodels und Stars haben es vorgemacht, die privaten Momente im Netz zu teilen. Sogar ein eigenes Stichwort ist daf├╝r entstanden: #Brelfie, ein Mix aus Selfie und Breastfeeding, wie Stillen auf Englisch hei├čt. Aber stimmt der Eindruck aus dem Netz ÔÇô kommt tats├Ąchlich seltener Milchpulver ins Fl├Ąschchen?

Viele Frauen stillen nach einigen Wochen ab

F├╝r Experten klafft zwischen Wunschvorstellung und Praxis beim Stillen eine gro├če L├╝cke. "Dass Stillen gut f├╝r Kinder ist, hat sich herumgesprochen. Viele Frauen fangen mit dem Stillen an", sagt die Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes, Aleyd von Gartzen. Dann kommt das gro├če Aber: Viele M├╝tter stillten oft nach wenigen Wochen ab, sagt von Gartzen. Studien belegen dies, Erhebungen liegen teils aber l├Ąngere Zeit zur├╝ck.

Wie lange stillen? ÔÇô Das empfiehlt die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dagegen empfiehlt, sechs Monate ausschlie├člich zu stillen und danach bis zu einem Alter von zwei Jahren Stillen und Beikost zu kombinieren. Wenn gew├╝nscht, kann noch l├Ąnger gestillt werden. Muttermilch gilt heute als optimale Nahrung f├╝r S├Ąuglinge und als f├Ârderlich f├╝r die Bindung von Mutter und Kind. Beide Seiten profitieren gesundheitlich: Beim Baby sinkt etwa das Risiko f├╝r Infektionskrankheiten, Allergien und Asthma. Bei M├╝ttern kann Stillen das Risiko f├╝r Brust- und Eierstockkrebs reduzieren.

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Als Grund f├╝r fr├╝hes Abstillen vermutet von Gartzen unrealistische Vorstellungen vom Leben mit Baby und ein Gef├╝hl der ├ťberforderung vom Stillen in der ersten anstrengenden Zeit. Aber es mangele auch an Wissen zur Praxis des Stillens, bei den Frauen und in deren Umfeld.

Nicht genug Betreuung im Krankenhaus?

Die Weichen f├╝r erfolgreiches Stillen werden bereits im Krankenhaus nach der Geburt gestellt. Dort fehle aber zunehmend die richtige Betreuung, sagt von Gartzen, die auch Mitglied der Nationalen Stillkommission (NKS) ist, ein Gremium zur F├Ârderung des Stillens. Werde das Kind falsch angelegt, h├Ątten die M├╝tter oft schon nach zwei oder drei Tagen derartige Schmerzen durch l├Ądierte Brustwarzen, dass sie sich von guten Vors├Ątzen verabschiedeten. Und das, bevor der Milchfluss ├╝berhaupt richtig in Gang gekommen sei.

Von Gartzen sieht eine gro├če Verunsicherung: Frauen werde mit der Vielzahl von Vorsorgeuntersuchungen und Kontrollen bereits in der Schwangerschaft das Gef├╝hl vermittelt, dass die Abl├Ąufe nicht von alleine funktionieren. Der Glauben an sich selbst ÔÇô und damit auch an das intuitiv richtige Verhalten des Babys ÔÇô werde jungen M├╝ttern genommen. Die Flasche zu geben und zum Beispiel genau zu wissen, wie viel das Kind getrunken hat, suggeriert am Ende mehr Kontrolle.

Viele Menschen stehen dem Stillen in der ├ľffentlichkeit zwiesp├Ąltig gegen├╝ber

Doch auch an den Mitmenschen d├╝rfte das Stillen in der Praxis teils scheitern. Laut einer k├╝rzlich erschienenen Studie im Auftrag des Bundesinstituts f├╝r Risikobewertung (BfR) sind explizit negative Reaktionen auf ├Âffentliches Stillen zwar eher selten. Allerdings stand jeder vierte Befragte dem Stillen im ├Âffentlichen Raum zwiesp├Ąltig oder ablehnend gegen├╝ber. F├╝r jede Zehnte der befragten M├╝tter, die bereits abgestillt hatten, sei die ablehnende Haltung in der ├ľffentlichkeit ein Grund f├╝r das Abstillen gewesen, hie├č es.

Gerade in Restaurants und Caf├ęs kann Stillen als unangebracht empfunden werden, wie vor gut einem Jahr auch ein Fall aus Berlin zeigte. Eine junge Mutter geriet mit einem Caf├ę-Besitzer aneinander und startete daraufhin eine Petition f├╝r einen gesetzlichen Schutz des Stillens in der ├ľffentlichkeit. Das Thema wurde zwar breit diskutiert, ihre Forderung blieb am Ende aber folgenlos.

Stillen kann nicht warten

Die Nationale Stillkommission, die ihren Sitz am BfR hat, will Frauen darin best├Ąrken, in der ├ľffentlichkeit zu stillen. In einer Stellungnahme spricht sie sich f├╝r einen klaren Appell an die Bev├Âlkerung und an M├╝tter aus: Stillen sei gesund, k├Ânne nicht warten ÔÇô egal unter welchen Umst├Ąnden.

Fotos von stillenden Promis sind wom├Âglich ein Schritt in die richtige Richtung. Sie k├Ânnten eine breite Vorbildfunktion haben, glaubt Expertin Aleyd von Gartzen. Ob M├╝tter heute mehr und ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum stillen als noch vor 20 Jahren ÔÇô und aus welchen Gr├╝nden ÔÇô, das wollen Forscher nun in Erfahrung bringen. Befragt werden sollen in einer Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft f├╝r Ern├Ąhrung (DGE) M├╝tter, aber auch Hebammen, ├ärzte und Pflegepersonal. Ergebnisse werden 2020 erwartet.

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