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Wenn Kinder den Kontakt abbrechen zu den Eltern abbrechen


Mein Kind will nichts mehr von mir wissen

Von dpa
Aktualisiert am 02.04.2015Lesedauer: 3 Min.
Wenn die Kinder den Kontakt abbrechen, ist das fĂŒr Eltern erst einmal ein großer Schock.VergrĂ¶ĂŸern des BildesWenn die Kinder den Kontakt abbrechen, ist das fĂŒr Eltern erst einmal ein großer Schock. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Wenn der Nachwuchs eines Tages den Kontakt abbricht, ist das in fast jeder Familie ein riesiger Schock. Die Ursachen liegen aber oft weit in der Kindheit zurĂŒck. Diese im GesprĂ€ch aufzuarbeiten, kann fĂŒr Eltern und Kinder ein erster Schritt zur AnnĂ€herung sein.

FrĂŒher schien alles in bester Ordnung zu sein. Die Eltern und ihre erwachsenen Kinder trafen sich regelmĂ€ĂŸig: zu Geburtstagen, Weihnachten oder einfach so. Doch dann meldet sich das eigene Kind kaum noch - und bricht den Kontakt schließlich ganz ab. Kein Kontakt zum erwachsenen Kind, das ist fĂŒr die meisten Eltern unerklĂ€rlich und vor allem schmerzhaft. Sie versuchen daher vieles, um den Draht zu ihrem Kind wieder herzustellen.

"Es passiert nicht von heute auf morgen"

"Dass Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, passiert nicht von heute auf morgen", erklĂ€rt der Familienforscher Hartmut Kasten. "Meist sind das Prozesse, die schon frĂŒh begonnen haben." FĂŒr die Eltern muss das aber nicht zwangslĂ€ufig spĂŒrbar gewesen sein. Beispielsweise wenn zwar immer Kontakt bestand, das Kind aber nie wirklich die NĂ€he zu den Eltern gesucht hat, sondern möglicherweise nur aus einem PflichtgefĂŒhl heraus handelte und vor allem zu offiziellen und feierlichen AnlĂ€ssen zu Besuch kam.

Die Diplom-Psychologin Silke Haase kennt solche Situationen ebenfalls aus ihrer langjĂ€hrigen Erfahrung. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich das mittlerweile erwachsene Kind schon jahrelang innerlich zurĂŒckgezogen hat und nur noch körperlich anwesend war." Das, was Eltern als normalen Kontakt empfunden hĂ€tten, könne fĂŒr das Kind schon nur noch PflichterfĂŒllung gewesen sein.

Was sind die wirklichen GrĂŒnde?

Die GrĂŒnde fĂŒr solch eine Abgrenzung sind den Experten zufolge meist in der Kindheit oder Jugend zu finden. "Möglicherweise hat sich das Kind von den Eltern immer benachteiligt oder ungerecht behandelt gefĂŒhlt", sagt Kasten. Haase ergĂ€nzt: "Denkbar ist auch, dass sich das Kind stĂ€ndig kritisiert, unter Druck gesetzt oder nicht geliebt fĂŒhlte." Es komme durchaus vor, dass Kinder das lange Zeit nicht ansprechen, sondern in sich hineinfressen. Irgendwann jedoch werde es ihnen zu viel und sie brechen den Kontakt ab.

"In der Regel tun Kinder das aus Selbstschutz, weil sie denken, sie könnten das Problem mit ihren Eltern nicht klÀren", sagt Haase. "Sie halten es nicht mehr aus und wollen dem stÀndigen Stress entgehen."

Wie Eltern mit der Situation umgehen können

Eltern mĂŒssen die Situation jedoch nicht einfach hinnehmen und akzeptieren. "Ich rate dazu, das Problem offen anzusprechen, dem Kind Gelegenheit zu geben, sich zu Ă€ußern und ihm wirklich zuzuhören", sagt Kasten. Eltern mĂŒssten bereit sein, sich die Kritik des Kindes wirklich anzuhören ohne sich sofort selbst zu verteidigen. Dazu gehöre auch, eigene Fehler einzugestehen oder einzurĂ€umen, dass man bestimmte Dinge vielleicht nicht bewusst gemacht hat. "Oft ereignen sich wahre Überraschungen, weil die Eltern es so nicht wahrgenommen haben."

Auch wenn das erste GesprĂ€ch nicht viel bringt, kann es sich lohnen dranzubleiben. "Beziehungen wandeln sich ein Leben lang, es kann durchaus wieder eine Phase geben, in der man sich besser versteht", erlĂ€utert Kasten. Das sieht auch Haase so: "Die Kinder leiden ja auch unter der Situation und wĂŒnschen sich meist eine gute Beziehung zu den Eltern. Deswegen gibt es hĂ€ufig eine Chance, dass doch wieder Kontakt zwischen Kindern und Eltern zustande kommt."

Das Kind bloß nicht drĂ€ngen!

Gut sei auch, dem Kind Ruhe und Abstand zu geben, findet der psychologische Berater Markus Hammer in Greifswald: "Man sollte das Kind nicht drĂ€ngen, sondern akzeptieren, wenn es Zeit braucht." Man könne zwar durchaus fragen, ob es in Ordnung sei, sich in einigen Monaten wieder zu melden - mĂŒsse dann aber auch hinnehmen, wenn das Kind selbst entscheiden will, wann es wieder Kontakt wĂŒnscht.

Außerdem sei es möglich, dem Kind einen Brief zu schreiben oder ihm anzubieten, seine Gedanken aufzuschreiben, sagt Psychologin Haase. Dem Kind zu sagen, wie gern man es hat und was es einem bedeutet, ist ebenfalls wichtig. "Das ist oft das, was das Kind hören will", weiß Haase.

Trauer gehört dazu

"Wenn ein Kind sich lossagt, ist das meist auch fĂŒr die Eltern sehr hart", sagt Hartmut Kasten. Dennoch solle man die Trauer und den Schmerz zulassen, auch wenn es wahnsinnig weh tue. Der psychologische Berater Markus Hammer rĂ€t zudem, andere Eltern zu ihren Erfahrungen zu befragen, sich auszutauschen und eventuell auch psychologische Hilfe zu holen. "Man sollte das nicht alleine durchstehen, muss sich aber auch Zeit geben, mit der Trauer fertig zu werden."

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