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Verblöden Kinder am PC? Manfred Spitzer im Interview

t-online, Simone Blaß

01.10.2012Lesedauer: 7 Min.
Manfred Spitzer, Autor des Bestsellers "Digitale Demenz", ist ĂŒberzeugt, dass Kinder und Jugendliche durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Konsum digitaler Medien verblöden.
Manfred Spitzer, Autor des Bestsellers "Digitale Demenz", ist ĂŒberzeugt, dass Kinder und Jugendliche durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Konsum digitaler Medien verblöden. (Quelle: /dpa-bilder)
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Er ist Neurowissenschaftler und sechsfacher Vater. In seinem Buch "Digitale Demenz" hat Professor Manfred Spitzer (54) zahlreiche Studienergebnisse gesammelt, um seine umstrittenen Thesen zu untermauern. Seine Überzeugung: Die Nutzung von Medien ist der beste Weg, die Gehirne unserer Kinder verkĂŒmmern zu lassen. Die Elternredaktion von t-online.de wollte es genauer wissen.

FĂŒr die Generation Google, also die ab 1993 Geborenen sind Computer, Smartphone und Co völlig selbstverstĂ€ndlich. Sie haben keine Scheu davor und kindlichen Spaß am Herumprobieren. Lernen sie dabei nicht auch und hinterlassen so ebenfalls die so wichtigen Spuren in ihrem Gehirn?

Klar lernen sie. Fragt sich nur, was. Dass man ĂŒber eine Glasplatte wischen kann, um auf die nĂ€chste Seite zu kommen? Dass man auf einer winzigen Tastatur auch Texte schreiben kann? Die immer wieder laut werdende Behauptung, da wĂŒrde eine unheimliche Kompetenz mit neuen Medien entstehen, die stimmt einfach nicht! Im Gegenteil, es gibt Studien, die eindeutig zeigen, dass die sogenannten "Digital Natives" nicht nur ĂŒber eine geringere Frustrationstoleranz verfĂŒgen, sondern auch ĂŒber eine geringere Aufmerksamkeitsspanne. Das mit der Medienkompetenz klingt natĂŒrlich gut, ist aber nichts als ein Hype.

Dabei gibt es zahlreiche Eltern, die sehr stolz darauf sind, dass bereits ihre DreijÀhrigen in der Lage sind, mit iPad und Co umzugehen.

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Was lernt das Kind dabei? Auf SchaltflĂ€chen drĂŒcken. Dabei ist unser Gehirn darauf ausgerichtet, dass wir uns die "wirkliche" RealitĂ€t aneignen. Diese Kinder tun mir sehr leid. Sie werden spĂ€ter einmal große Defizite aufweisen. Und die Eltern sehen tatenlos dabei zu, sind stolz und erkennen beziehungsweise glauben auch gar nicht, welche negativen Konsequenzen dieses Handeln fĂŒr ihr Kind haben wird. Dabei gibt es zahlreiche Studien, die das belegen.

"Bei digitalen Medien in Kindergarten und Grundschule", so heißt es in Ihrem Buch, "handelt es sich um nichts anderes als um eine Art von Anfixen". An einer anderen Stelle, in einem Kapitel ĂŒber Baby-TV, kann man lesen, dass man die Kinder genauso gut in den Kohlenkeller sperren könne. Das sind harte Worte. Denn in der Regel kann man doch wohl davon ausgehen, dass das Kind nicht nur vor der Glotze geparkt wird, sondern die Eltern auch mit ihm spielen, ihm vorlesen oder mit ihm rausgehen. Werden ihre Aussagen dadurch nicht auch wieder relativiert?

Nein. Wenn die Eltern pfundweise SĂŒĂŸigkeiten mit ihrem Kind essen und dann einmal in der Woche zum Turnen gehen, dann wird es doch trotzdem dick. Bis zum zweiten Geburtstag können Kinder von digitalen Medien ĂŒberhaupt nichts aufnehmen. Bis dahin verschwendet man also nur die kindliche Zeit und fördert Sprachentwicklungsstörungen. Aber auch danach gibt es Risiken: Eine große neuseelĂ€ndische Langzeitstudie, die sich ĂŒber fast 30 Jahre erstreckte, hat ergeben, dass Fernsehkonsum und Bildung in einem direkten Zusammenhang stehen. Das Fazit: Je mehr Medienkonsum im Kindergartenalter erfolgt, desto schlechter ist die Bildungskarriere.

Also gilt "Je frĂŒher, desto besser" hier Ihrer Ansicht nach nicht?

Definitiv nicht. Wir tun unseren Kindern nichts Gutes, wenn wir ihnen schon im Kindergarten einen PC hinstellen. Nehmen Sie doch einmal das Beispiel Alkohol. Wir Erwachsenen können in der Regel damit umgehen, Kinder und Jugendliche nicht. Aber deswegen gehen wir doch auch nicht hin und machen im Kindergarten ein Alkoholtraining.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Untersuchungen gezeigt haben, dass SchĂŒler, die den PC gelegentlich nutzen, bessere Leistungen aufweisen konnten als solche, die ihn nie oder eben dauernd nutzen. Es gibt kaum eine Familie, in der nicht regelmĂ€ĂŸig darĂŒber diskutiert wird, wie lange man an den PC darf, wie lange ferngesehen wird und so weiter. Was ist Ihrer Ansicht nach ein normales, die physische und psychische Gesundheit des Kindes beziehungsweise Jugendlichen nicht beeintrĂ€chtigendes Mediennutzungsverhalten?

Das ist ganz schwer zu sagen. Es gibt keine Studie, die zeigt, um wie viel schĂ€dlicher eine Stunde fernsehen im Gegensatz zu null Stunden fernsehen ist. Denn es gibt niemanden, der nie fernsieht. Wie viel Mediennutzung noch sein darf, ohne wirklich schĂ€dlich zu sein, das kann also niemand sagen. Wir wissen um die Risiken und Nebenwirkungen und je jĂŒnger das Kind ist, desto schwerwiegender sind diese. Letztendlich geht es darum, sinnvoll zu beschrĂ€nken und den Medienkonsum auch davon abhĂ€ngig zu machen, was lĂ€uft. Baller- und Gewaltspiele aller Art zum Beispiel sollten komplett verboten werden.

Kinder mit Ă€lteren Geschwistern bekommen ganz automatisch sehr viel schneller sehr viel mehr von der Technik mit als den Eltern manchmal lieb ist. Schließlich sind Nintendo und Co ja Ă€ußerst interessant. Auf der anderen Seite mĂŒssten diese Kinder - von Ihnen beschriebenen Versuchen mit Affen zufolge - eigentlich sozialer sein, da sie in einer grĂ¶ĂŸeren Gruppe leben. Gleicht sich das vielleicht sogar aus?

Tja, ob sich das ausgleicht, das weiß kein Mensch. NatĂŒrlich ist es fĂŒr Eltern mehrerer Kinder schwieriger, gerade die Kleineren von den Medien der Großen fernzuhalten. Aber man sollte immer bedenken: Bei Kindern werden ganz wichtige Akzente fĂŒr die gesamte Gehirnentwicklung gesetzt. Spiel an sich spielt da eine große Rolle. Denn der Sinn ist es, die reale Welt zu trainieren und zu lernen, sich im Griff zu haben. Von einem Nintendo hat niemand etwas, außer dem Hersteller. Man hat sogar nachgewiesen, dass GrundschĂŒler, die eine Spielekonsole zuhause haben, schlechtere Schulleistungen erbringen.

Ihr Rat an die Eltern?

Ich wĂŒrde Nintendo, Playstation und Ähnliches verbannen und meinem ZehnjĂ€hrigen auch niemals einen iPod touch kaufen, denn da ist er viel zu schnell im Internet. Dann kommen auch die kleineren Geschwister nicht in Versuchung. Meine Empfehlung an die Eltern ist ganz klar: BeschrĂ€nkung. Je spĂ€ter die Kinder damit anfangen, desto besser ist es. Es gibt so viele tolle Sachen, die man als Mensch lernen kann. Warum die Zeit vertun mit digitalem langweiligem Schnickschnack, der einen im Leben nicht weiterbringt? Dass man das mit seinen Kindern tĂ€glich diskutieren muss, ist klar. Denn der Reiz ist groß. Weiß man aber um die negativen Auswirkungen, dĂŒrfte einem das Argumentieren nicht schwerfallen.

Sie vertreten die Meinung, man dĂŒrfe die Bildung der nĂ€chsten Generation nicht dem Markt ĂŒberlassen. Denn der macht, wie wir wissen, nicht automatisch alles richtig. Aber welche Chance haben Eltern, wenn fast jedes Hauptfach spĂ€testens in den weiterfĂŒhrenden Schulen mindestens mit einer Lern-CD-Rom oder einem entsprechenden Computerprogramm verbunden ist?

Die PĂ€dagogik muss erst mal festlegen, welche Ziele und Inhalte sie hat. Computer sind zunĂ€chst mal dem Lernen hinderlich, weil sie uns geistige Arbeit abnehmen und geistige Arbeit ist die Voraussetzung fĂŒr den Lernprozess. Sie bewirken Verhaltensweisen, die wir gar nicht wollen. Aber natĂŒrlich kann es FĂ€lle geben, in denen es sinnvoll ist, unterstĂŒtzend mit Medien zu arbeiten. Und dann kann man sich, solange man verantwortungsvoll handelt, auch einmal auf einen Versuch einlassen. Doch wir sollten auf Basis der uns bekannten Erkenntnisse entscheiden und uns nicht auf Marktgeschrei verlassen.

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Nehmen wir mal das Surfen im Netz bei der Suche nach Informationen. Sie kritisieren, dass weniger dabei gelernt wird und Sachverhalte oberflĂ€chlich behandelt werden. Könnte es nicht sein, dass das Gehirn hier gerade sehr geschickt agiert, indem es sich vor der Informationsflut schĂŒtzt und erst dann lernt, wenn die Infos relevant werden?

Wenn wir dafĂŒr sorgen wollen, dass die SchĂŒler von heute morgen gut googlen können, dann brauchen sie Vorwissen. Was man also zum Googlen braucht, ist guter Unterricht und damit gute Lehrer. Denn die Relevanz von Information kann man nur mit entsprechender Vorinformation beurteilen.

Wenn man davon ausgeht, dass soziale Kontakte gut sind fĂŒr das Gehirn des Menschen, warum sind soziale Netzwerke wie Facebook oder SchĂŒlerVZ dann schlecht?

FĂŒr uns Erwachsene, die wir ein bereits gut entwickeltes soziales Gehirn haben, ist es kein Problem, Kontakte auch ĂŒber Facebook zu verwalten. Aber das Gehirn muss sich erst ausbilden, die entsprechenden Module erst nutzen. Gehirnbildung besteht darin, dass eine Menge Nervenzellen gebrauchsabhĂ€ngig verknĂŒpft werden und sich dann verfestigen. Junge Menschen brauchen reale Kontakte. Nur so haben sie eine Chance, ihre sozialen FĂ€higkeiten wirklich zu entwickeln. Die Information eines direkten GegenĂŒbers ist viel reicher: Mimik und Gestik, der Klang der Stimme - hier spielt viel mit hinein. Nur so lernt man Empathie und EinfĂŒhlung. Und nur so lernt man, wie man miteinander umgeht. Facebook mit all seinem Lug und Trug ist nur ein schwacher Abklatsch des wirklichen Lebens. Da lernt man gar nichts. Ich sage immer, Facebook nutzt man am besten, wenn man es nicht vor 20 nutzt. NatĂŒrlich gibt es auch in der realen Welt Gemeinheiten, LĂ€stereien oder Gewalt in verschiedener Form, aber die digitalen Medien verstĂ€rken jede Art von Blödsinn nur noch.

Die Art von digitalen Medien, wie wir sie heute nutzen, ist relativ neu. Langzeitstudien kann es also noch nicht geben. Doch was denken Sie, wie werden die Ergebnisse solcher Studien in der Zukunft aussehen?

Da brauche ich gar nicht zu spekulieren, sondern kann aus einer Umfrage aus den USA zitieren: Die HĂ€lfte aller Experten sagt uns positive Auswirkungen voraus, die andere HĂ€lfte negative. Ich wĂŒrde voraussagen, dass diejenigen, die deutlich weniger mit der realen Welt und wirklichen Menschen umgehen, mehr Probleme in ihrem spĂ€teren Leben bekommen werden. Das beweist allein schon das Wissen, das wir heute ĂŒber Nervenzelluntergang und GehirnschĂ€digung im Alter haben. Und da sind wir wieder bei der Demenz - dem geistigen Abstieg. Je höher man beginnt, desto lĂ€nger dauert es, bis man unten ist. Aber genau das ist das Problem: Wenn der Abstieg an einem ziemlich ungebildeten Punkt losgeht und das, weil es an Bildung im Kindes- und Jugendalter gefehlt hat, dann wird uns das unter anderem als Gesellschaft irre viel Geld kosten.

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Herr Spitzer, Ihr Buch ist ein Bestseller. Aber es mangelt auch nicht an heftiger Kritik


Ich habe eine Auffassung, die sehr unbequem ist. Aber die hab ich nicht von ungefĂ€hr. All das, was ich in meinem Buch schreibe, ist wissenschaftlich belegt. Es ist wichtig, dass man seinen gesunden Menschenverstand einschaltet. Wir wissen doch eigentlich, was Kindern guttut und was nicht und sind ĂŒber Freuds anale Phase und anderen Schnickschnack lang hinweg. Und wenn man das ganze Wissen, das man derzeit zu dem Thema hat, vergleicht, dann kommt meine Position dabei heraus.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch!

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