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Sexuellen Missbrauch verhindern: Kampagne der Opferschutzorganisation Weißer Ring


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Kinder können sexuellen Missbrauch nicht alleine stoppen

Von t-online, dpa
21.03.2013Lesedauer: 3 Min.
Aufmerksam zuhören und die Signale der Kinder verstehen - das ist eine der Kernbotschaften zum Schutz vor sexuellem Missbrauch.
Aufmerksam zuhören und die Signale der Kinder verstehen - das ist eine der Kernbotschaften zum Schutz vor sexuellem Missbrauch. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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"Missbrauch verhindern!" ist das Motto der bundesweiten Aktion zur Prävention von Gewalt gegen Kinder. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring startet die Kampagne gegen sexuellen Missbrauch gemeinsam mit der Polizei. Diese fünf Kernbotschaften richten sich an Eltern und Erzieher.

Kinder brauchen unsere Hilfe gegen sexuellen Missbrauch

Kinder und Jugendliche können sich nicht allein vor sexuellem Missbrauch schützen, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen. Nicht nur Eltern und Erziehungsverantwortliche sind aufgefordert, Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen, sondern alle Erwachsene wie Lehrer, Trainer, Nachbarn oder Freunde. Die Kampagne "Missbrauch verhindern!" unterstützt Erwachsene bei dieser schwierigen Aufgabe.

Die Kampagne ruft dazu auf, sexuellen Missbrauch von Kindern häufiger anzuzeigen. Plakate und ein Webportal sollen über Kindesmissbrauch aufklären, richtiges Handeln im Verdachtsfall vermitteln und die Angst vor einer Anzeige abbauen. "Hauptziel ist es, die Hinweis- und Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen", erklärt Andreas Mayer, Geschäftsführer in der zentralen Geschäftsstelle der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Diese Einrichtung verantwortet die Kampagne und hat ihren Sitz in Stuttgart.

Zu hohe Dunkelziffer bei sexuellem Kindesmissbrauch

12.444 Fälle des sexuellen Kindesmissbrauchs registrierte die Polizei im Jahr 2011. Diese Zahl bildet das eigentliche Ausmaß des Missbrauchs bei Weitem nicht ab: Zu groß ist das Dunkelfeld, zu selten wird sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen angezeigt. Dabei ist auch Strafverfolgung durch die Polizei ein wichtiger Teil des Opferschutzes.

Angst und Abhängigkeit - Fälle werden selten angezeigt

Trotz zahlreicher Informationen der Bevölkerung über sexuellen Kindesmissbrauch wird dieser verhältnismäßig selten polizeilich bekannt gemacht - vor allem, wenn der Missbrauch innerhalb der Familie oder innerhalb des Bekanntenkreises geschieht. Dies unterstreichen auch polizeiliche Erkenntnisse, denen zu Folge zwei Drittel der Opfer ihre Täter kennen. Gründe für die mangelnde Anzeigenbereitschaft sind neben der Abhängigkeit des Opfers vom Täter auch die Angst der Angehörigen vor den Folgen einer Anzeige und einem damit verbundenen Gerichtsverfahren.

Aufklärung der Bezugspersonen

Die Kampagne will daher erwachsene Bezugspersonen von betroffenen Kindern über Erscheinungsformen von sexuellem Kindesmissbrauch aufklären, ihnen Hilfemöglichkeiten aufzeigen und sie schwerpunktmäßig über den Ablauf eines Strafverfahrens informieren. "Dadurch sollen bei Opfern und ihren Angehörigen Ängste vor einer Anzeige bei der Polizei abgebaut werden, das trägt auch entscheidend zum Opferschutz bei. Aber wir sagen auch, dass der Zeitpunkt einer Anzeige im Sinne des Opfers gewählt werden muss“, erklärt Professor Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Deswegen sollten sich Eltern von betroffenen Kindern immer auch Unterstützung bei spezialisierten Beratungsstellen oder bei den Anlaufstellen des Weißen Rings holen, um diesen Schritt nicht allein gehen zu müssen.

"Sexuelle Übergriffe auf Kinder gehören zu den gravierendsten Verbrechen"

"Sexuelle Übergriffe auf Kinder gehören zu den gravierendsten Verbrechen und müssen konsequent verfolgt und geahndet werden. Die seelischen Verletzungen können für die Opfer zu lang anhaltenden Beeinträchtigungen des Lebensgefühls führen. Deshalb ist Mut zur Anzeige ebenso wichtig wie der Entschluss, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Darauf wollen Polizei und Weißer Ring mit dieser Kampagne aufmerksam machen“, so Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des gemeinnützigen Vereins.

Kinder können Missbrauch nicht allein beenden

Die Kampagne sieht sich als Ergänzung zu den bisherigen bundesweiten Präventionsinitiativen und wendet sich ausschließlich an erwachsene Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen, insbesondere an Eltern und Erziehungsverantwortliche. Denn Kinder können einen Missbrauch häufig nicht allein beenden. "Missbrauch verhindern!" informiert deswegen nicht nur über Missbrauch im sozialen Nahbereich, Missbrauch unter Jugendlichen oder die Vorgehensweise von der Anzeige bis zur Gerichtsverhandlung, sondern auch über Täterstrategien und polizeiliche Sofortmaßnahmen.

Fünf Kernbotschaften der Kampagne "Missbrauch verhindern!"

Als zentrales Element sollen fünf Kernbotschaften für dieses Thema sensibilisieren, aber auch zur Opferhilfe auffordern. "Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt zu schützen, ist Aufgabe eines jeden Erwachsenen. Die Botschaften der Kampagne sollen sie bei dieser Aufgabe unterstützen, indem sie konkrete Handlungsempfehlungen geben", sagt Hammann.

  • Schützen Sie Kinder durch Ihr Wissen: Informieren Sie sich über Fakten und Risiken - Unkenntnis begünstigt Missbrauch.
  • Schützen Sie Kinder durch Ihre Offenheit. Machen Sie Missbrauch nicht zum Tabuthema - damit helfen Sie Opfern, sich anzuvertrauen.
  • Schützen Sie Kinder durch Ihre Aufmerksamkeit. Oft gibt es Signale für Missbrauch - seien Sie aufmerksam.
  • Schützen Sie Kinder durch Ihr Vertrauen. Vertrauen Sie den Aussagen von Kindern. Kinder erfinden selten eine an Ihnen begangene Straftat.
  • Schützen Sie Kinder durch Ihr Handeln. Kümmern Sie sich um betroffene Kinder, holen Sie sich Hilfe und erstatten Sie Anzeige. Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht beenden, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen.

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