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Gefahren für Kinder: Was Eltern wissen sollten

Mehr Sicherheit im Alltag  

Ab wann Kinder Gefahren wahrnehmen können

25.06.2018, 11:26 Uhr | Simone Blaß, t-online.de, dpa

Gefahren für Kinder: Was Eltern wissen sollten. Ein Kind spielt mit einem Stecker an einer Steckdose (Quelle: Getty Images/JackF)

Gefahr durch Strom: Nicht selten kommt es zu Unfällen, weil Eltern zu wenig Vorsorge im Haushalt betreiben. (Symbolbild) (Quelle: JackF/Getty Images)

An jeder Ecke lauern teils lebensbedrohliche Gefahren für Kleinkinder – egal ob Steckdose, Reinigungsmittel oder Schwimmbad. Kleinkinder sind sich dieser Gefahren nicht bewusst – das ändert sich ab einem gewissen Alter.

Die Herdplatte ist heiß, ein quer gespanntes Kabel kann zur Stolperfalle werden: Bis Kinder ein Verständnis für Gefahren im Haushalt entwickelt haben, dauert es Jahre. Experten gehen davon aus, dass Kinder ungefähr zwischen neun und zwölf Jahren diesen Entwicklungsstand erreicht haben. Zum einen setzt dieses Wissen geistige Reife, zum anderen aber auch Erfahrungen voraus. Bis dahin, gibt es einige Maßnahmen, die Eltern zum ihrer Kinder Schutz ergreifen können.

Man kann sein Kind nicht vor allem schützen

Rund 200.000 Kinder pro Jahr müssen nach einem Unfall jedweder Art im Krankenhaus behandelt werden. Fast 200 davon sterben. Und diese Unfälle klingen allesamt wie ein Horrorszenario: Neben den Verkehrsunfällen dominieren vor allem Stürze, die allein bei Säuglingen und Kleinkindern rund 60 Prozent der Fälle ausmachen, Vergiftungen durch Reinigungsmittel, Pflanzen oder herumliegende Arzneimittel, Verbrennungen, schlimme Kopfverletzungen, Ersticken – die Liste ist lang und kann einen schnell dazu verleiten, die Umwelt seines Babys und Kleinkindes zu einer Art Fort Knox umzubauen.

Der beste Schutz für Kinder sind eigene Erfahrungen im sicheren Rahmen

In jedem Baumarkt kann man inzwischen zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen erstehen, um gerade die Welt eines Kleinkindes zumindest zuhause ziemlich sicher zu machen, ohne – und das ist ganz wichtig – seinen Aktionsradius einzuschränken. Denn der ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes. Es muss die Welt "begreifen" können, Erfahrungen machen zu Temperaturen, Höhen und Konsistenzen.

"Beim Thema Kindersicherheit geht es nicht darum, Kinder in Watte zu packen, sondern durch vorausschauendes Handeln schwere Unfälle zu vermeiden", erklärt Karoline Becker von der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" e. V.. "So richtig übertreiben kann man es bei der Kindersicherheit nicht – vorausgesetzt man lässt Kindern den Bewegungsradius, den sie sich erobern: Vom Drehen zum Krabbeln zum Laufen lernen. Dass sich kleine Kinder dabei kleinere Blessuren zuziehen und so ihre Erfahrungen machen und Bewegungssicherheit erlangen, ist Teil der Unfallverhütung."

Die innere Stimme ruft "Gefahr"? Dann sofort handeln!

Das Angebot an Steckdosenschutz, Treppen- und Herdschutzgittern, FI-Schaltern oder Türstoppern macht es einem einfach, die offensichtlichsten Gefahren auszuschalten. Dahinter allerdings lauern weitere, an die Eltern oft erst dann zum ersten Mal denken, wenn es fast zu einem Unglück gekommen wäre. Für viele gefährliche Situationen reicht es schon, sich einmal in das Kind zu versetzen und den Raum aus dessen Perspektive zu betrachten – also mal in die Hocke gehen.

Woran könnte sich das Kind hoch- und was könnte es herunterziehen, welche Ecke ist besonders scharf, welche Schublade gefährlich, wo hängt vielleicht ein Kabel ziemlich verlockend herunter, wo sind ungewollte Klettermöglichkeiten? Oft ist es nur ein Spiel oder ein Buch, das weiter oben verstaut ist und das das Kind, das sich im "Ich-will- das-selbst- machen"-Alter befindet, alleine herunterholen möchte. Man muss sich nur einmal vorstellen, was passieren kann, wenn das Regal oder der Schrank dann nicht an der Wand gesichert sind, um sofort den Akkuschrauber rauszuholen.

Auf manche Gefahren kommt man von alleine gar nicht

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass man Babys nicht alleine im Auto lassen soll, dass Balkone gesichert werden müssen, dass es wichtig ist, darauf zu achten, was in Haus und Garten so grünt und blüht und dass ein Kind bereits in einer Pfütze ertrinken kann. Es gibt aber auch Gefahren, die deutlich seltener zur Sprache kommen:

1. Salz: in geringen Mengen wichtig, in zu großen Mengen tödlich

Schon 0,5 Gramm Kochsalz pro Kilogramm Körpergewicht sind lebensgefährlich. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder, nur wird der Wert bei ihnen aufgrund des geringeren Gewichts sehr viel schneller erreicht. Laut dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte kann bereits ein Teelöffel Salz tödlich sein. Erste Anzeichen einer Salzvergiftung sind Erbrechen, Herzrasen, aber auch Schläfrigkeit. Auf Salz verzichten sollte man deswegen nicht, kochübliche Mengen sind notwendig und völlig ungefährlich.

2. Zu viel Wasser kann ein Kind umbringen

Ein Ungleichgewicht zwischen Salz und Wasser im Körper kann auch dann gefährlich werden, wenn ein Baby zu viel Wasser zu sich nimmt. Das passiert immer dann, wenn Eltern befürchten, das Kind könne – zum Beispiel, weil es sehr heiß ist – zu wenig Flüssigkeit aufnehmen und ihm zu oft Wasser anbieten. Dieses aber können die Nieren im ersten Lebensjahr nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. So kann es zu einer Überhydrierung kommen, die sich durch ein aufgedunsenes Gesicht, krampfartige Anfälle und Bewusstlosigkeit zeigt.

3. Luftballons können zum Ersticken führen

Kleinkinder sollten nicht unbeaufsichtigt mit Luftballons spielen. Sie nehmen alles in den Mund, um es zu erkunden und der Ballon kann dabei platzen. Dadurch erschrickt das Kind und atmet reflexartig ein. Fetzen des geplatzten Ballons können so in die Luftröhre geraten und zum Ersticken führen. Da Ballons aber ein wunderschönes Spielzeug sind, eignen sich zum Beispiel Stoffhüllen als Schutz.

4. Ein Kind kann im Bett ertrinken

Kinder ertrinken still und sollten daher beim Baden niemals aus den Augen gelassen werden. Auch dann nicht, wenn sie Schwimmhilfen anhaben. Im Hinterkopf behalten sollte man aber auch, dass es noch 24 Stunden nach dem Badespaß zum sogenannten sekundären Ertrinken kommen kann: durch Wasser in der Lunge. Auf folgende Anzeichen sollte man achten: Wenn das Kind Stunden nach dem Schwimmbadbesuch hustet, flach atmet, über Schmerzen im Brustkorb klagt und besonders unruhig oder müde ist, dann ist es besser, einen Arzt aufzusuchen.

5. Verbrennungen und Verbrühungen lauern

Der Klassiker bei den Verbrennungen sind heruntergezogene Tassen oder gar Töpfe. Manchmal aber verbirgt sich die Gefahr da, wo man sie nicht vermutet: auf öffentlichen Toiletten. Und zwar dann, wenn das Warmwasser zu heiß eingestellt ist. Bereits Temperaturen von 42 Grad können bei kleinen Kindern schlimme Verbrennungen mit Blasenbildung hervorrufen. Umso wichtiger ist es, die Wassertemperatur immer vorher zu prüfen. Um zuhause auf Nummer sicher zu gehen, kann man sich für wenige Euro ein digitales Thermometer einbauen, das bei zu hoher Temperatur mit einem Alarmton warnt.

Grundschüler gut schützen

Je älter ein Kind wird, desto vernünftiger wird es. Und trotzdem kommt es auch in den oberen Altersstufen immer wieder zu Unfällen, auch im Haushalt – Stürze aus dem Hochbett aufgrund fehlender Absicherungen oder zu hoher Matratzen, Stromunfälle, Unfälle mit Tieren, etc. Dabei leben Buben deutlich gefährlicher: Es verunglücken doppelt so viele Jungs wie Mädchen – nicht zuletzt, weil sie risikofreudiger sind.

Da der Radius im Grundschulalter sich deutlich vergrößert, verlagert sich auch das Unfallgeschehen. Schulwegunfälle nehmen jetzt den ersten Platz ein. Direkt gefolgt von Unfällen beim Sport, mit dem Fahrrad oder den Inlinern. "Hier ist es wichtig, auf Reflektoren sowie auf das Tragen eines Helms und anderer Schutzkleidung zu achten." Eine weitere Gefahr, gerade in diesem Alter, ist das Ertrinken. Unzureichendes Schwimmvermögen, Selbstüberschätzung sowie mangelnde Aufsicht durch Erwachsene sind die häufigsten Gründe. Ein Seepferdchen-Abzeichen allein macht eben noch keinen guten Schwimmer.

Die Risikobereitschaft von Teenagern erhöht die Unfallzahl

Genau die, von denen man eigentlich glaubt, sie seien aus dem Gröbsten raus, leben so richtig gefährlich: die Jugendlichen. Zwischen 14 und 18 Jahren werden Grenzen ausgetestet. In Kombination damit, dass Schutzkleidung oft als uncool gilt und risikoreiches Verhalten von Gleichaltrigen meist bewundert wird, geschehen in dieser Altersgruppe die meisten Unfälle – im Straßenverkehr, bei Stürzen oder durch Ertrinken. Laut Statistischem Bundesamt dominieren neben den Verkehrsunfällen vor allem Kopfverletzungen und Knochenbrüche.

"Entscheidend ist", so Karoline Becker, "den Jugendlichen dabei zu helfen, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten gut einzuschätzen." Und ihre natürliche Vorliebe für Risiko in die richtigen Bahnen zu lenken. Gute Möglichkeiten dafür sind sportliche Aktivitäten wie Skifahren, Mountainbiken oder Klettern.

Verwendete Quellen:
  • dpa
  • eigene Recherche

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