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Kommt jetzt die Scheidungswelle?

dpa, Thomas Str├╝nkelnberg

Aktualisiert am 14.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Beziehungskrise: Dadurch, dass Paare mehr Zeit auf engem Raum miteinander verbringen, kann es oftmals zu schweren Streitereien kommen.
Beziehungskrise: Dadurch, dass Paare mehr Zeit auf engem Raum miteinander verbringen, kann es oftmals zu schweren Streitereien kommen. (Quelle: Imaginechina-Tuchong)
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F├╝r viele Ehen k├Ânnten Lockdown und Homeoffice der letzte gro├če Beziehungstest gewesen sein. Die Corona-Krise kann f├╝r Paare aber noch einen ganz anderen Effekt haben.

Mehr Zeit f├╝r die Familie, f├╝r den Partner, raus aus dem beruflichen Hamsterrad ÔÇô viele d├╝rften sich das gew├╝nscht haben. Jedenfalls vor dem Corona-Stillstand. Aber mal ehrlich: W├Ąhrend der Corona-Beschr├Ąnkungen den ganzen Tag mit dem Partner verbringen, umgeben von quengelnden Kindern, die Hilfe beim Homeschooling (Hausunterricht) brauchen, die eigene Arbeit zu Hause im Homeoffice ÔÇô das war mehr, als so mancher sich gew├╝nscht hat. Oder verkraften konnte.


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War die Pandemie f├╝r Partnerschaften der ultimative Stresstest? Stehen wir jetzt vor einer Scheidungswelle? Erst in einem Jahr, n├Ąmlich nach dem Trennungsjahr, d├╝rfte klar sein, ob das stimmt. Einer Umfrage zufolge k├Ânnte die Zahl aber sp├╝rbar steigen.

Scheidungsanfragen gestiegen

Seit Mitte M├Ąrz registrierte die Berliner Familienrechtlerin Alicia von Rosenberg "unheimlich viele Anfragen" zu Scheidungen. Und w├Ąhrend fr├╝her die Voraussetzungen erf├╝llt und das obligatorische Trennungsjahr absolviert wurden, ist diesmal alles anders: "Die Leute hatten sich gerade erst getrennt und sich nicht informiert, welche Voraussetzungen erf├╝llt sein m├╝ssen."

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Maren Otto, Paar-Therapeutin in Hannover, sprach von "gr├Â├čerem Andrang", die Anfragen seien um etwa ein Viertel gestiegen ÔÇô ausgerechnet in der Zeit, als Therapeuten wegen der Pandemie nicht arbeiten durften und nur telefonisch beraten konnten. Normalerweise gebe es ein "Sommerloch", eine Zeit, in der die Menschen lieber in den Urlaub f├╝hren und keine Lust auf Paar-Coaching h├Ątten: "Das war diesmal v├Âllig anders."

Die einen so, die anderen so

Rainer Bugdahn von der Hauptstelle f├╝r Lebensberatung der evangelischen Landeskirche Hannover sieht zwei klare Tendenzen: Im Corona-Lockdown h├Ątten Familien mehr Zeit gehabt, miteinander zu reden ÔÇô daher gebe es keinen akuten Beratungsbedarf.

Bei anderen versch├Ąrften sich dagegen die Paar-Konflikte. Der Grund: Sie mussten mehr Zeit zusammen verbringen, w├Ąhrend Kommunikationsf├Ąhigkeit und -wille gering seien. "Welche Tendenz die st├Ąrkere ist, kann ich nicht benennen, da uns noch keine belastbaren Zahlen vorliegen", sagte er. Aber offensichtlich habe der sogenannte Lockdown dazu gef├╝hrt, dass in Familien insgesamt mehr miteinander gesprochen werde ÔÇô viele Paare h├Ątten deshalb weniger Beratungsbedarf.

Einige versp├╝rten aber auch einen erh├Âhten Bedarf: Ein Paar habe ihr erkl├Ąrt, der Lockdown sei erstmals seit Jahren eine Chance gewesen, sich um alles zu k├╝mmern ÔÇô auch um rechtliche Fragen wie eine Scheidung, sagte von Rosenberg. "Bei manchen ist das die H├╝rde, eine Scheidung anzugehen: Jetzt hat man auf einmal Zeit." Bei anderen habe sie bemerkt, dass es "geknallt" haben musste ÔÇô der verordnete R├╝ckzug in die eigenen vier W├Ąnde brachte die Entscheidung: Ich muss mich trennen.

M├Âglicherweise kein Einzelfall

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge wird sich die Zahl der Scheidungen in Deutschland wegen der Corona-Beschr├Ąnkungen voraussichtlich um ein F├╝nffaches erh├Âhen. Demnach sagten 2,2 Prozent der rund 2.500 Befragten, zwischen Ende M├Ąrz und Ende Mai beschlossen zu haben, sich scheiden zu lassen. In einem Zwei-Monats-Zeitraum 2018 seien es nur 0,42 Prozent aller Verheirateten gewesen.

Bei den Gerichten schl├Ągt sich dies aber noch nicht nieder. Denn falls es zu Trennungen in der Corona-Zeit gekommen sein sollte, w├╝rden die Scheidungen erst im n├Ąchsten Fr├╝hjahr eingereicht werden k├Ânnen, weil das Trennungsjahr abgewartet werden m├╝sse, erkl├Ąrte ein Sprecher des Amtsgerichts Hannover.

Einen Ausblick auf das, was kommen k├Ânnte, geben aber Presseberichte ├╝ber die Lage in China: Dort soll f├╝r viele Paare der erste Weg in die Freiheit nach der Quarant├Ąne zum Scheidungsanwalt gef├╝hrt haben.

Wieso ist das so?

Maren Otto erkl├Ąrte, besonders Paare mit Kindern seien in einer "krisenhaften Situation": Kinder im Homeschooling, dazu Mutter und Vater im Homeoffice. Und wenn Absprachen nicht funktionierten, f├╝hre das zu gro├čen Entt├Ąuschungen. Viele M├Ąnner h├Ątten sich mit dem Argument, Vollzeit zu arbeiten, zur├╝ckgezogen und die Frauen mit den Kindern und der eigenen Arbeit allein gelassen. Die Krise habe die traditionelle Rollenverteilung verfestigt, kritisierte sie.

Bugdahn sagte, der Bedarf an Familienberatung bei Eltern-Kind-Konflikten ÔÇô Stichwort "Homeschooling" ÔÇô sei "merkbar gestiegen". Eltern seien manchmal ├╝berfordert und "mit ihrem Latein am Ende".

Und der Lockdown habe "wie ein Brandbeschleuniger" gewirkt, erkl├Ąrte Otto. Denn mancher f├╝hlte sich daheim eingesperrt. Wo es in der Partnerschaft ohnehin kriselte, kochte die Auseinandersetzung hoch. Das Problem: "Paar-Therapie per Telefon ist sehr schwer", erkl├Ąrte die Therapeutin. "Es geht um Vertrauen." Bei vielen ├Ąlteren Paaren sei die Lage ernst, wenn sie zur Therapeutin kommen: "Die Therapie ist der letzte Versuch."

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Doch m├Âglicherweise kommt es nicht so schlimm wie bef├╝rchtet: Eine Mandantin habe erst einmal abgesehen von der endg├╝ltigen Trennung, sagte von Rosenberg. Der Grund: In der Zeit des Lockdowns wurde der Kontakt zu ihrem Ehemann viel besser. Da hatte die Corona-Krise ganz unerwartet auch ihr Gutes.

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Von Jennifer Buchholz
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