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Reproduktionsmedizin: Schon jedes zweite Kind aus Kinderwunsch-Behandlung

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Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin  

Eins von 30 Kindern entsteht durch künstliche Befruchtung

06.07.2018, 15:42 Uhr | dpa-AFX, t-online.de, lk

Reproduktionsmedizin: Schon jedes zweite Kind aus Kinderwunsch-Behandlung. Reproduktionsmedizin: Zwei von hundert Kindern werden heute in einer Kinderwunsch-Behandlung gezeugt.   (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zwei von hundert Kindern werden heute in einer Kinderwunsch-Behandlung gezeugt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für viele Paare sind die Methoden der Reproduktionsmediziner die einzige Chance auf Nachwuchs. Und da sich viele heute später für Kinder entscheiden, die Fruchtbarkeit aber mit jedem Jahr abnimmt, boomt künstliche Befruchtung. Zuletzt wurden in Deutschland innerhalb eines Jahres 20.000 Kinder nach Befruchtung im Reagenzglas geboren.

Was vor 40 Jahren eine Revolution war, ist heute medizinischer Alltag. Weltweit sind seither über fünf Millionen Babys mithilfe der Reproduktionsmedizin über künstliche Befruchtung entstanden, das heißt ohne Geschlechtsakt. In Deutschland sitzt statistisch in jeder großen Schulklasse ein Kind, das sein Leben einer solchen Behandlung verdankt. Je nachdem, was die Ursache für die Unfruchtbarkeit ist, kommen verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung in Frage. Zwei Verfahren werden hierzulande vom Deutschen IVF-Register e. V. zahlenmäßig erfasst: 

  • In-vitro-Fertilisation (IVF)
  • Mikro-Injektion / Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Anzahl der Kinderwunschbehandlungen in Deutschland

Gut 64.800 Patientinnen wurden laut Deutschem IVF-Register 2015 in Deutschland für eine Befruchtung behandelt. Bei fast jeder dritten Therapie kam es zu einer Schwangerschaft und Dreiviertel davon führten zur Geburt. Jede fünfte Schwangerschaft endete in einer Fehlgeburt. 78 Prozent der Kinder sind Einlinge, 21 Prozent Zwillinge und 0,6 Prozent kamen als Drillinge zur Welt.

Das Durchschnittsalter der Frauen, die in Deutschland eine extrakorporale Befruchtung durchführen lassen, ist noch einmal leicht gestiegen und lag im Jahre 2016 bei 35,5 Jahren (2015: 35,2 Jahre).  Das Durchschnittsalter der Männer hat sich von 2015 auf 2016 nicht verändert und liegt stabil bei 38,7 Jahren. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Wie läuft die künstliche Befruchtung über in-vitro-Fertilisation (IVF) ab?

Zunächst bekommt die Frau eine Stimulationstherapie mit hormonähnlichen Medikamenten, damit die Eizellen besser heranreifen. Das geschieht mit Tabletten oder einer Spritze meistens am dritten Tag nach Beginn der Periode. Ab dem achten Zyklustag wird mit einer Ultraschalluntersuchung überprüft, wie gut die Eizellen reifen. Außerdem zeigt ein hormoneller Blutwert, ob die Therapie angeschlagen hat. Sobald Eizellen reif sind, entnimmt der Reproduktionsmediziner mehrere Zellen über die Vagina. Anschließend bringt er sie in einer Nährlösung in der Petrischale mit den Spermien des Mannes zusammen. Die Petrischale kommt nun 24 Stunden in einen Wärmeschrank, damit die Befruchtung stattfinden kann. Ist das der Fall, wird die befruchtete Eizelle nach weiteren 24 bis 48 Stunden in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Es dürfen höchstens drei Eizellen eingesetzt werden. Damit ist die Chance auf eine Schwangerschaft ums Dreifache erhöht, die Gefahr einer Mehrlingsgeburt aber auf Drillinge beschränkt.

Künstliche Befruchtung über Mikro-Injektion oder ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)

Die ICSI-Methode ähnelt der In-vitro-Fertilisation. Hier wird jedoch eine Samenzelle über eine dünne Nadel direkt in eine Eizelle injiziert. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn zu wenige funktionstüchtige Spermien vorhanden sind oder wenn die Spermien wegen eines Defekts nicht eigenständig in die Eizelle eindringen können. 

Wie hoch ist die Chance, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden?

Wer sich zu spät entscheidet, dem nützt das dennoch nur begrenzt. "Man kann sagen, dass im Schnitt die Chance auf eine Schwangerschaft mit 41, 42 Jahren bei 15 Prozent liegt", sagt Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands. Mit 44 Jahren liegt sie unter acht Prozent. Viele geben hier auf.

Was kostet die künstliche Befruchtung?

Ein Versuch kostet mindestens 3000 Euro, manche geben Zehntausende Euro aus. Und: "Wir sehen auch die Risiken, die bei einer Schwangerschaft ab 40 zunehmen", sagt die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, Tina Buchholz. Trotzdem floriert das Geschäft. Die Praxen sind voll, die Konkurrenz scharf. Berichte über Frauen wie Gianna Nannini, die mit 45, mit 47 oder jenseits der 50 Mutter werden, befeuern falsche Vorstellungen und bringen Kunden. Es wird die Botschaft vermittel: Es geht ja noch.

Wie häufig gibt es Komplikationen?

Komplikationen sind nach Auskunft des Deutschen IVF-Registers (D.I.R.) sehr selten. So trete durch die Gabe von Hormonen eine schwere Überstimulation nur bei 0,2 Prozent der künstlichen Befruchtungen auf. Bei dieser Überreaktion kommt es zu einer deutlichen Vergrößerung der Eierstöcke mit Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum (Aszites) und manchmal auch in der Lunge.

Die Grauzone der halb legalen Reproduktionsmedizin

Dass die allermeisten, die über 45 Mutter werden, vermutlich genetisch nicht die Mütter ihrer Kinder sind, darüber spricht niemand – zumindest nicht in Deutschland. Die Eizellspende ist verboten – während die Samenspende gemäß Bundesfinanzhof sogar steuerlich absetzbar ist. 

Die Folge: Die heimliche Reise ins Ausland, Schweigen – und im Umfeld freudiges Staunen über das späte Elternglück. Deutsche reisen oft nach Tschechien und Spanien. Auch Belgien, Holland, Frankreich und Großbritannien erlauben die Spende, mit unterschiedlichen Vorgaben. Den Kindern bleibt je nach Land verwehrt, ihre genetische Herkunft zu erfahren.

Anhaltende Kontroverse um Verbot der Eizellenspende

Ärzte, die ihren Patientinnen in der Vorbereitungsphase etwa mit Ultraschall helfen, Beraterinnen, die Kliniken empfehlen – sie alle sind in Deutschland vom Entzug ihrer Berufserlaubnis und Strafen bedroht. Nach dem Embryonenschutzgesetz ist die Beihilfe zur Eizellspende strafbar. Viele Mediziner verlangen eine Gesetzesänderung. Das Verbot sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Hilland. Auch der Leiter des IVF-Labors an der Universität Erlangen, Ralf Dittrich, ist für die Eizellspende in Deutschland: "Ich sehe keinen Grund, warum man das nicht tun sollte."

Kommerz contra Kinderwunsch

Hans-Peter Eiden, Geschäftsführer des Berufsverbandes Reproduktionsmedizin Bayern und Initiator des Netzwerks Embryonenspende, meint dagegen, die Eizellspende solle verboten bleiben. Er warnt vor möglichem Kommerz. Keine Frau nehme die aufwendige Eizell-Entnahme aus altruistischen Gründen auf sich. "Niemand kann mir erzählen, dass eine Eizellspende ohne Gegenleistung funktionieren würde", sagt er. "Hier geht es nicht um die Patienten, sondern um Kommerz." Das wiederum verstoße gegen das Transplantationsgesetz. "Man darf Gewebe nicht kommerzialisieren." Folgt man dem, könnte auch manche Samenspende knapp an der Illegalität sein.

Ethische Diskussion um Embryonenspende

Indessen will Eiden Paaren den Weg ebnen zu einer Embryonenspende. Sie bekommen die befruchtete Eizelle eines fremden Paares, das diese nicht mehr braucht. Über die Rechtslage gehen die Ansichten der Ärzte und Juristen auseinander. Weshalb sich viele Mediziner lieber sogar in Schweigen hüllen, wann sie Zellen einfrieren: Als Vorkern vor der vollständigen Verschmelzung von Ei- und Samenzelle – oder als Embryo. Praktiker sehen keinen großen Unterschied. Ethiker schon.

Jüngster Trend: Mitte 20 eigene Eizellen einfrieren. Der Kinderwunsch auf Eis heißt Social Freezing und scheint die Lösung für die perfekte Familienplanung. Aber es fehlen genaue Werte, wie gut die Zellen nach 20 Jahren noch sind. In der Gesellschaft werde übersehen, dass das Alter um 25 der beste Zeitpunkt zum Kinderkriegen sei. "Es ist der Mut, der fehlt. Während des Studiums ein Kind zu bekommen ist aber nicht das Schlechteste. Das krieg man hin, man ist noch jung", sagt Eiden.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Wörtlich steht der Begriff In-vitro-Fertilisation für die Befruchtung im Reagenzglas. Diese Methode wird bei einem Eileiterverschluss der Frau, bei einer vorliegenden Endometriose, bei Antikörpern gegen die Spermien des Partners oder bei sehr stark eingeschränkter Qualität der Samenzellen angewendet, oder wenn eine vorherige Inseminationsbehandlung nicht erfolgreich war. Eine IVF dauert mehrere Wochen und erfordert genaue, zeitlich aufeinander abgestimmte Schritte.

Um eine Befruchtung außerhalb des Eileiters herbeizuführen, wird der Eierstock der Frau zunächst durch hormonelle Stimulation zur Reifung von mehreren Eizellen angeregt. Unter Ultraschallkontrolle werden dann die herangereiften Eizellen über die Vagina entnommen (transvaginale Follikelpunktion) und in eine Nährlösung gegeben. Die Spermien des Partners werden durch Masturbation gewonnen und im Labor mit den Eizellen zusammen gebracht. Nach einem Tag im Wärmeschrank wird mikroskopisch überprüft, ob eine Befruchtung stattgefunden hat.

Wenn eine befruchtete Eizelle vorliegt, wird diese nach weiteren 24 bis 48 Stunden in die Gebärmutterhöhle übertragen. Maximal dürfen drei befruchtete Eizellen eingesetzt werden. Damit soll die Erfolgschance der Behandlung gesteigert werden, denn die Schwangerschaftsrate nach einer IVF-Befruchtung beträgt etwa 25 Prozent. Werden mehrere Embryonen übertragen, kann die Rate auf bis zu 60 Prozent ansteigen. Sie ist in hohem Maße von der zu Grunde liegenden Störung und dem Alter der Frau abhängig. Die tatsächliche Geburtenrate ist geringer als die Schwangerschaftsrate, da Fehlgeburten keine Seltenheit sind.

Während eine Übertragung mehrerer Embryonen den Behandlungserfolg steigert, birgt sie gleichzeitig das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft. Diese kann zu Früh- und Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen der Embryos führen. Die Sterberate eines Babys innerhalb der ersten Lebenswoche liegt bei Zwillingen vier Mal höher als bei einem einzelnen Kind. Auf Grund der schlechteren Überlebenschancen aller Feten einer Mehrlingsschwangerschaft kann der Mutter in einem frühen Entwicklungsstadium die selektive Tötung (Fetozid) desjenigen Embroys mit den geringsten Überlebenschancen angeboten werden. Ein Paar sollte vor der IVF-Behandlung auf eine solche außerordentlich schwierige Entscheidung vorbereitet sein. In Deutschland darf die IVF derzeit nur bei verheirateten Paaren durchgeführt werden. Für die Behandlung gilt das Embryonenschutzgesetz.

(Quelle: www.frauenaerzte-im-netz.de)

Verwendete Quellen:

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