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Interview
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Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Der Job macht mich dem├╝tig und dankbar"

  • Adrian Roeger
  • Sandra Simonsen
  • Sandra Sperling
Von M. Lueft, A. R├Âger, S. Simonsen, S. Sperling

Aktualisiert am 24.11.2019Lesedauer: 5 Min.
Letzte Reise im Video: Die Malteser Anne Cossmann und Henrick Langner erf├╝llen einer unheilbar kranken Frau ihren letzten Wunsch. (Quelle: t-online)
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Anne Cossmann und Henrick Langner engagieren sich ehrenamtlich bei den Maltesern in Hannover. Ein besonderes Projekt dabei ist der "Herzenswunsch"-Krankenwagen. Die Ehrenamtlichen erf├╝llen Schwerkranken ihren letzten Wunsch.

Noch einmal ans Meer reisen, ein Konzert besuchen oder das Lieblingsessen essen: Die Malteser erf├╝llen die letzten W├╝nsche sterbenskranker Menschen. Zwei junge Ehrenamtliche erz├Ąhlen im t-online.de-Interview, warum das gar nicht so traurig ist, wie sie es sich anfangs vorgestellt haben.


Malteser erf├╝llen den "Herzenswunsch" von Ursula Wieners

Henrick Langner und Anne Cossmann mit Patientin Ursula Wieners vor dem Herzenswunsch-Krankenwagen: Die beiden Ehrenamtlichen erf├╝llen seit Jahren Herzensw├╝nsche.
Ursula Wieners mit ihren Freunden Jens und Grit Schl├╝ter aus Elmshorn. Im Wohnzimmer der Schl├╝ters gab es ein letztes Wiedersehen, das die Malteser m├Âglich gemacht haben.
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Anne Cossmann ist 25 Jahre alt und studiert Medizin in Jena. Eigentlich kommt sie aber aus Hannover, wo sie seit Jahren im Rettungsdienst aktiv ist. Ihre Freizeit verbringt sie deshalb immer noch gern in Niedersachsen, im Katastrophenschutz bei den Maltesern oder im Ehrenamt beim "Herzenswunsch"-Projekt. Henrick Langner, 23, ist Beamter in Hannover und gleichzeitig ebenfalls im Rettungsdienst bei den Maltesern t├Ątig. Er koordiniert die "Herzenswunsch"-Fahrten in Hannover.

Der Malteser Hilfsdienst ist eine katholische Hilfsorganisation, die bundesweit mit mehr als einer Million Mitgliedern und an mehr als 700 Orten vertreten ist.

Sie wurde 1953 durch den Malteserorden und den Deutschen Caritasverband gegr├╝ndet und setzt sich seither f├╝r die Hilfe f├╝r Bed├╝rftige ein.

Malteser engagieren sich im Katastrophenschutz, im Sanit├Ątsdienst, bei Erste-Hilfe-Ausbildungen und ehrenamtlichen Sozialdiensten sowie der Hospizarbeit.

t-online.de: Wie sind Sie beide zum Rettungsdienst und zum "Herzenswunsch"-Projekt gekommen?

Henrick Langner: Ich war in meiner Schulzeit schon im Schulsanit├Ątsdienst bei den Maltesern, sp├Ąter dann im Rettungsdienst und heute bin ich Koordinator f├╝r die Fahrten in Hannover. Als ich dann zum ersten Mal von diesem Projekt h├Ârte, wurde ich sofort neugierig. Je mehr ich dar├╝ber und den Gedanken, der sich dahinter verbirgt, erfahren habe, desto mehr Lust hatte ich, mich daran zu beteiligen. Das hat sich dann einfach so entwickelt, ich bin von Anfang an dabei gewesen und habe bisher etwa zehn Fahrten mitgemacht.

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Anne Cossmann: Ich war bei einigen Fahrten dabei und habe Freude daran entwickelt. Ich finde, der "Herzenswunsch"-Krankenwagen ist eine sch├Âne Abwechslung zum Rettungsdienst: Sich Zeit nehmen zu k├Ânnen f├╝r Patienten, sich ehrenamtlich zu engagieren und die Freude und Dankbarkeit zu sehen. Wir bei den Maltesern sind alle aus unterschiedlichen Bereichen und eigentlich Ingenieure, Verwaltungsangestellte oder hauptberufliche Rettungsdienstler.

Was reizt Sie an den Aufgaben f├╝r den "Herzenswunsch"-Krankenwagen?

Henrick Langner: Jeder Mensch hat es verdient, zufrieden und mit einer sch├Ânen Erinnerung aus dem Leben zu scheiden. Gerade, wenn man selber aufgrund seiner Krankheit nicht mehr dazu in der Lage ist, sich seinen letzten Herzenswunsch zu erf├╝llen, sollte es jemanden geben, der genau das erm├Âglicht.

"Herzenswunsch"-Projekt der Malteser

Den "Herzenswunsch"-Krankenwagen in der Di├Âzese Hildesheim gibt es bereits seit 2016. Seitdem haben die Ehrenamtlichen rund 200 Wunschanfragen bekommen ÔÇô allein im ersten Halbjahr 2019 haben sie 30 Fahrten ├╝ber mehr als 8.000 Kilometer durchgef├╝hrt.

Zu den beliebtesten W├╝nschen z├Ąhlen: noch einmal das Zuhause sehen, bei einer Familienfeier dabei sein, ein Konzert besuchen oder eine Theaterauff├╝hrung sehen. Der ├Ąlteste Herzenswunsch-Gast war 89 Jahre alt, der j├╝ngste 45 Jahre.

Die Wunscherf├╝llung ist kostenlos, daher freuen sich die Malteser ├╝ber Spenden. Anfragen in der Di├Âzese Hildesheim k├Ânnen an den Projektleiter Dr. Christoph Mock gerichtet werden, er ist unter der Telefonnummer 0511 959 86 32 oder der E-Mail christoph.mock@malteser.org zu erreichen. Wunschanfragen nimmt zus├Ątzlich auch Antje Do├č unter der Telefonnummer 0160 47 58 292 entgegen. Allgemeine Informationen zu Herzenswunsch-Krankenwagen in ganz Deutschland gibt es auf der Homepage der Malteser.

Welche Situationen sind f├╝r Sie besonders schwer?

Anne Cossmann: Ich habe zum Beispiel ein paar F├Ąlle erlebt, bei denen schon alles geplant war und der Patient dann doch vor der Erf├╝llung seines letzten Wunsches gestorben ist. Und das, obwohl es schon sehr kurzfristig war. Daran kann man sehr gut sehen, wie schnell es gehen kann und in welcher Situation die Patienten sind. Und da ist auch der Unterschied zum Rettungsdienst: Man hat ein v├Âllig anderes Ziel und ein v├Âllig anderes Umfeld. Wir als Helfer m├╝ssen dann immer wieder umdenken.

Wie haben Sie selbst sich ver├Ąndert durch das Ehrenamt?

Anne Cossmann: Die "Herzenswunsch"-Fahrten machen mich dem├╝tig. Das war schon im Rettungsdienst so. Ich bin sehr dankbar f├╝r meine eigene Gesundheit und die Gesundheit im nahen famili├Ąren Umfeld. Und vieles, was mir fr├╝her vielleicht dramatisch erschien, wirkt jetzt eher als Kleinigkeit. Ich bin aber auch dankbar, dass ich Menschen helfen kann.

Henrick Langner: Ich denke, dass es wichtig ist, sich mit dem Thema Tod und Sterben zu besch├Ąftigen. Man muss sich bewusst machen, dass sich das Leben f├╝r jeden von uns von einem auf den anderen Tag ├Ąndern kann.

Welche waren die bewegendsten Momente f├╝r Sie?

Anne Cossmann: Die gibt es eigentlich jedes Mal dann, wenn Menschen sehr gl├╝cklich und fr├Âhlich sind und Freudentr├Ąnen flie├čen. Bewegend finde ich aber auch, dass ich fast jedes Mal erlebt habe, dass ganz neue Lebensenergie mobilisiert wurde, um den Tag des "Herzenswunsches" noch einmal genie├čen zu k├Ânnen. Das ber├╝hrt mich jedes Mal sehr ÔÇô ich empfinde es auch als gro├čes Geschenk f├╝r mich, W├╝nsche erf├╝llen zu k├Ânnen.

Henrick Langner: Meine erste Fahrt ging nach Damp. Eine 50-j├Ąhrige Frau wollte noch einen letzten Familienurlaub dort erleben. Das fand ich schon sehr bewegend, vor allem, weil ihren Kindern gar nicht so bewusst war, dass sie stirbt. F├╝r die war es ein ganz normaler Urlaub.

Was war f├╝r Sie der au├čergew├Âhnlichste Wunsch, der erf├╝llt wurde?

Anne Cossmann: F├╝r mich war das ein Patient, der den Norddeutschen Rundfunk sehen wollte. Er hat immer NDR 1 Niedersachsen im Radio geh├Ârt, hatte aber sonst eigentlich keinen Bezug zum NDR, das fand ich sehr au├čergew├Âhnlich. Aber f├╝r den Patienten war es das gr├Â├čte, danach mit dem Programmheft nach Hause zu fahren.

Henrick Langner: Ich finde eigentlich, dass man das so gar nicht sagen kann. Jeder Wunsch ist total pers├Ânlich f├╝r denjenigen und wir k├Ânnen uns da gar nicht hineinversetzen, ob etwas nun ungew├Âhnlich ist oder f├╝r denjenigen ganz normal. Ich denke, auch wenn man sich vorher mit dem Sterben besch├Ąftigt, wird der letzte Wunsch erst dann richtig klar, wenn es wirklich soweit ist ÔÇô und das kann dann alles M├Âgliche sein.

Gibt es auch Grenzen bei der Wunscherf├╝llung?

Anne Cossmann: Limitierender Faktor ist nat├╝rlich immer die Gesundheit des Patienten. Aber auch Fahrten an die Ostsee oder an den Bodensee wurden schon erf├╝llt ÔÇô am wichtigsten ist immer, dass der Patient in der Lage ist, die Fahrt anzutreten, sonst kann er sie ja auch gar nicht genie├čen.

Sto├čen Sie selbst manchmal psychisch oder emotional an Ihre Grenzen?

Anne Cossmann: In meiner hauptberuflichen Rettungsdienst-Zeit waren junge Menschen immer noch einmal eine v├Âllig andere Situation. Das sind die Eins├Ątze, die einem selbst auch psychisch das meiste abverlangen. Hier beim "Herzenswunsch"-Krankenwagen geht es vor allem darum, die letzte Zeit schwerstkranker Menschen so schmerzfrei wie m├Âglich zu gestalten. In dem Wissen, dass sie sterben werden. Das zu akzeptieren ist schwierig, wir werden ja auch dazu ausgebildet, Menschen zu retten und ihr Leben zu erhalten. Reden hilft ganz viel ÔÇô besonders im beruflichen Umfeld. Oder im Freundes- oder Kollegenkreis, mit denen, die in ├Ąhnlichen Bereichen arbeiten. Wichtig ist, dass man umschalten muss und Beruf oder auch Ehrenamt und Privates trennen muss, damit man in der Lage bleibt, sich daf├╝r einzusetzen. Ich denke, es ist auch wichtig, die eigene psychische Gesundheit zu beobachten ÔÇô sich selbst kritisch zu reflektieren und zu pr├╝fen, ob irgendwas unverarbeitet geblieben ist.



Henrick Langner: Ich fand die "Herzenswunsch"-Fahrten bisher zum Gl├╝ck ├╝berhaupt nicht bedr├╝ckend. Vorher hatte ich schon Angst, dass es so sein k├Ânnte, aber es ├╝berwiegt eigentlich immer die Freude, dass ein Wunsch erf├╝llt werden kann. Trotzdem wissen wir nie, was uns erwartet und auch die R├╝ckfahrt ist meistens weniger fr├Âhlich. Man merkt dann, dass allen bewusst wird, dass es das letzte Mal war.

Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch!

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