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Tomatensaft: Deswegen ist das Getränk im Flugzeug so beliebt

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Phänomen über den Wolken  

Deswegen ist Tomatensaft im Flugzeug so beliebt

08.04.2016, 13:03 Uhr | dpa, t-online.de

Tomatensaft: Deswegen ist das Getränk im Flugzeug so beliebt. Tomatensaft bestellen Menschen im Flugzeug relativ gesehen deutlich häufiger als auf dem Boden. (Quelle: imago/Arnulf Hettrich)

Tomatensaft bestellen Menschen im Flugzeug relativ gesehen deutlich häufiger als auf dem Boden. (Quelle: Arnulf Hettrich/imago)

Warum nur bestellen so viele Menschen Tomatensaft im Flugzeug? Eine einfache Antwort: Er schmeckt dort einfach besser. Dafür gibt es sogar eine wissenschaftliche Begründung. 

"Am Boden riecht Tomatensaft leicht muffig und schmeckt lasch", erklärt Volker Scheible, Produktleiter Bordservice und Lounges bei Lufthansa. "An Bord tritt er harmonisch in Erscheinung, schmeckt tendenziell süß und fruchtig und deutlich nach Tomaten."

Wissenschaftlicher Beweis vor einiger Zeit erbracht

Dass Tomatensaft an Bord besser schmeckt, haben Forscher schon 2010 am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen wissenschaftlich nachweisen können.

"Tomatensaft wurde bei Normaldruck deutlich schlechter benotet als bei Niederdruck. Er wurde als muffig beschrieben. Oben traten angenehm fruchtige Gerüche und süße, kühlende Geschmackseindrücke in den Vordergrund", sagte die Aromachemikerin Andrea Burdack-Freitag vom Fraunhofer-Institut damals.

Burdack-Freitag hatte im Originalrumpf eines Airbus A310 mit zahlreichen Versuchspersonen Geschmackstests durchgeführt. Das Flugzeug stand in einer großen Niederdruckkammer, so dass der beim Flug übliche niedrige Kabinendruck simuliert werden konnte. Viele Tester bewerteten die servierten Speisen als fade. Nach Angaben der Wissenschaftlerin liegt die sogenannte Geruchs- und Geschmacksschwelle bei niedrigem Druck höher, man rieche die Speisen und Getränke "als hätte man einen Schnupfen". Dies führe dazu, dass beispielsweise der Geschmack von Salz, Zucker oder Kräutern in der Luft schwächer als am Boden wahrgenommen werde. Man muss den Saft aber gut salzen, weil Salz nicht so stark geschmeckt wird.

"Hinzu kommt sicherlich der Nachahmer-Effekt", sagt Lufthansa-Mitarbeiter Scheible. "Wenn man sieht, dass andere Fluggäste Tomatensaft bestellen, kommt man dadurch ebenfalls auf die Idee." Außerdem sei Tomatensaft besonders nahrhaft und ersetze so auch schon mal eine kleine Mahlzeit.

Anderes Getränk im Flugzeug noch beliebter

Die Fakten sagen: der Tomatensaft wird in Deutschland eher den Exoten zugerechnet, 2008 wurden laut Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie 46 Millionen Liter getrunken. Geschätzte drei bis fünf Prozent davon im Flugzeug machen die Tomate zur Königin über den Wolken. Bei Orangensaft macht der Anteil im Flieger lediglich um die 0,4 Prozent aus. Bei der Deutschen Lufthansa wurden im Jahr 2008 auf Lufthansa-Flügen rund 1,7 Millionen Liter Tomatensaft ausgeschenkt. Das entspricht in etwa der Menge Bier, die an Bord getrunken wurde. Condor-Sprecher Johannes Winter verrät, dass rund ein Viertel aller ausgeschenkten Getränke Säfte sind, davon macht der Tomatensaft rund ein Drittel aus. Der Rest der Getränke sind zu 47 Prozent Wasser und 29 Prozent Softdrinks.

Auch in den Lufthansa-Fliegern ist indes nicht Tomatensaft, sondern Wasser das beliebteste Getränk: 10,2 Millionen Liter verteilt die Fluggesellschaft jedes Jahr an die Passagiere. Einen Vorteil allerdings hat Tomatensaft: Er ist weniger harntreibend als andere Säfte und spart so wohlmöglich den lästigen Gang zur Bord-Toilette.

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