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Was steckt hinter den bekanntesten Flugzeugmythen?

Von t-online, sms

Aktualisiert am 19.06.2022Lesedauer: 6 Min.
Flugzeugessen: Die Mahlzeiten sind eigentlich nicht schlecht, schmecken in der Luft aber anders.
Flugzeugessen: Die Mahlzeiten sind eigentlich nicht schlecht, schmecken in der Luft aber anders. (Quelle: Chalabala/getty-images-bilder)
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Stören Handys die Bordelektronik? Was passiert mit dem Toiletteninhalt in Flugzeugen? Rund ums Fliegen gibt es zahlreiche Mythen, die zum Teil leicht aufgeklÀrt werden können.

Das Wichtigste im Überblick


Das Flugzeug zĂ€hlt zu den beliebtesten und auch wichtigsten Fortbewegungsmitteln fĂŒr deutsche Reisende, doch einige Mythen ĂŒbers Fliegen halten sich hartnĂ€ckig. Die wichtigsten Mythen und die Wahrheit dahinter im Überblick:


Die grĂ¶ĂŸten Flug-Mythen

Flugzeugtoiletten: Die Toiletten werden wĂ€hrend des Fluges entleert? Falsch. Alle Substanzen, die in der Toilette hinuntergespĂŒlt werden, speichert ein Tank, der dann nach der Ankunft am Flughafen entleert wird. Das Waschwasser aus den Handwaschbecken wird allerdings fein zerstĂ€ubt in die AtmosphĂ€re entlassen.
FlugzeugtĂŒren öffnen:Held und Bösewicht prĂŒgeln sich im Flugzeug, einer reißt die KabinentĂŒr auf
 In Wirklichkeit geht das aber gar nicht. Viele KabinentĂŒren mĂŒssen erst nach innen geöffnet werden, bevor sie sich nach außen öffnen lassen. Und das ist durch den Luftdruckunterschied zwischen innen und außen wĂ€hrend des Fluges einfach nicht möglich.
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Mythos 1: Mobiltelefone stören die Bordelektronik

Es ist tatsĂ€chlich so, dass GerĂ€te, die nicht im Flugmodus sind, Piloten bei ihrer Arbeit stören können. Das liegt aber nicht – wie hĂ€ufig vermutet – an möglichen Störungen der Flugzeugtechnik.

Stattdessen geht es um die Kopfhörer der Piloten. Auf denen ertönt bei fehlendem Flugmodus das GerĂ€usch, das wir manchmal in Lautsprechern hören können, wenn ein Smartphone zu nah an den GerĂ€ten liegt. Das kann dazu fĂŒhren, dass wichtige FunksprĂŒche nicht verstanden oder ĂŒberhört werden.

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  • Lesen Sie hier, was passiert, wenn Sie Ihr Smartphone nicht in den Flugmodus stellen.


Trotzdem sollte es keinen Grund zur Sorge geben, wenn Sie doch einmal versehentlich Ihr Smartphone nicht im Flugmodus haben. Die Regel stammt noch aus einer Zeit vor Smartphones und Tablets. Mittlerweile ist die Technik so weiterentwickelt, dass das Handynetz keinen Einfluss mehr auf die Flugzeugtechnik hat.

Luftfahrtexperte Cord Schellenberg bestĂ€tigt in der "Welt", dass Smartphones vor dem Flug eingesammelt wĂŒrden, wenn sie wirklich gefĂ€hrlich fĂŒr die Flugsicherheit wĂ€ren.

Mythos 2: Klimaanlagen verbreiten ErkÀltungskeime

Viele Reisende befĂŒrchten, erkĂ€ltet aus dem Flieger zu steigen, da sie glauben, dass die Klimaanlage Bakterien und Viren verbreitet. Doch ganz so ist es nicht: Durch die NĂ€he im Flugzeug steigt zwar das Risiko, sich bei anderen anzustecken.

Die meisten Flugzeuge sind allerdings mit einem Hepa-System ausgestattet. Dieses wird auch auf Intensivstationen oder in OP-RĂ€umen angewendet – frische und wiederverwertete Luft werden vermischt und gefiltert. So werden Bakterien und Keime abgetötet. DarĂŒber hinaus findet in kurzen AbstĂ€nden ein kompletter Austausch der Kabinenluft statt.


Allerdings ist es wichtig, viel zu trinken und sich warm anzuziehen, um sich nicht zu verkĂŒhlen, denn die Klimaanlage im Flugzeug sorgt hĂ€ufig fĂŒr niedrigere Temperaturen, als am Urlaubsort herrschen.

Mythos 3: Toiletten werden wÀhrend des Fluges entleert

Immer wieder wird von braun-gelben Eisbrocken erzĂ€hlt, die vom Himmel fallen, weil Flugzeuge ihre Toiletten entleert haben. Das ist jedoch Quatsch. Alles, was Sie in der Flugzeugtoilette hinunterspĂŒlen, wird in einem Tank gespeichert. Dieser wird dann am Flughafen entleert – nicht wĂ€hrend des Fluges.

Anders sieht es beim Waschwasser aus dem Handwaschbecken aus: Dieses wird fein zerstĂ€ubt in die AtmosphĂ€re entlassen. Allerdings: Ist das Ventil, das genutzt wird, um den Abwassertank zu leeren, undicht, kann es passieren, dass dort ToilettenflĂŒssigkeit heraussickert.

Luftfahrt-Experte Heinrich Grossbongardt erklĂ€rt in einem Bericht von "Travelbook" dazu: "ToilettenflĂŒssigkeit, die heraussickert, gefriert wegen der eisigen Temperaturen in Reiseflughöhe sofort. Über die vielen Stunden eines Langstreckenfluges bildet sich dann unter dem Heck ein Eisklumpen, der manchmal abfĂ€llt, wenn das Flugzeug beim Landeanflug wieder in wĂ€rmere Luftschichten kommt." Da die Ablassventile regelmĂ€ĂŸig kontrolliert wĂŒrden, komme so etwas jedoch sehr selten vor.

Flugzeugtoilette: Nur in AusnahmefĂ€llen gelangen Toiletteninhalte nach außen.
Flugzeugtoilette: Nur in AusnahmefĂ€llen gelangen Toiletteninhalte nach außen. (Quelle: gerenme/getty-images-bilder)

Mythos 4: Toilettennutzung ist vor dem Abflug verboten

Weiter geht's beim Toilettenthema: Viele glauben, sie dĂŒrfen sie die Toiletten nicht nutzen, bevor das Flugzeug in der Luft ist. Das stimmt allerdings nur teilweise: GrundsĂ€tzlich ist das Aufsuchen der Toiletten auch vor dem Start möglich.

Allerdings nur, solange die TĂŒren noch nicht geschlossen sind und die Anschnallzeichen nicht aufleuchten. Denn dann mĂŒssen Sie aus SicherheitsgrĂŒnden auf Ihrem Platz bleiben. Das hat mit der Technik der Toilette allerdings nichts zu tun.

Mythos 5: Sie können durch ein kaputtes Fenster aus dem Flugzeug gesaugt werden

Der Klassiker unter den Flugmythen: Ein Fenster zerbricht und ein Passagier wird herausgesaugt. Richtig ist, dass es durch ein Loch in der Außenwand des Fliegers zu einem Druckabfall kĂ€me und ein Sog von innen nach außen entstĂŒnde.

Dieser Sog wĂ€re allerdings selten stark genug, um einen erwachsenen Passagier durch das viel zu kleine Fenster nach außen zu ziehen – zumal der Sog nur einen kurzen Augenblick anhalten wĂŒrde, dann wĂ€re der Luftdruck ausgeglichen. Trotzdem sollten Sie wann immer möglich angeschnallt bleiben, der Gurt hĂ€lt Sie auch auf Ihrem Platz, sollten Sie beispielsweise durch den Druckabfall ohnmĂ€chtig werden.

Mythos 6: KabinentĂŒren öffnen sich wĂ€hrend des Fluges

Das Szenario ist vor allem in Actionfilmen beliebt: Held und Bösewicht kĂ€mpfen im Flieger, einer reißt schließlich die KabinentĂŒr auf.

In der RealitĂ€t geht das aber gar nicht. Viele KabinentĂŒren mĂŒssen erst nach innen geöffnet werden, bevor sie sich nach außen öffnen lassen, und das ist durch den Luftdruckunterschied zwischen Innen und Außen wĂ€hrend des Fluges einfach nicht möglich. Die TĂŒraufhĂ€ngungen und der Schließmechanismus sind so konstruiert, dass die TĂŒren umso fester geschlossen sind, je grĂ¶ĂŸer der Druckunterschied wird.

Mythos 7: Sauerstoffgehalt wird reduziert, um Passagiere ruhigzustellen

Das Gegenteil ist der Fall. Damit alle Passagiere den Flug unbeschadet ĂŒberstehen, wird kĂŒnstlich Sauerstoff zugefĂŒhrt. Der Luftdruck an Bord eines Flugzeuges entspricht etwa dem auf einem 2.500 Meter hohen Berggipfel. Eine Reduzierung des Sauerstoffs wĂ€re im Hinblick auf die Gesundheit der FluggĂ€ste ĂŒberaus leichtsinnig.

Mythos 8: Vor der Landung wird Treibstoff abgelassen

Nein, Flugzeuge lassen nicht grundsĂ€tzlich vor der Landung Kerosin ab. Das kann zwar durchaus vorkommen, ist aber nur fĂŒr NotfĂ€lle vorgesehen und benötigt eine Genehmigung durch die Flugsicherung.

Aufgrund der Leichtbauweise der Fahrwerke und Bremsen liegt bei Langstreckenflugzeugen mit hoher TreibstoffkapazitĂ€t das höchstzulĂ€ssige Startgewicht deutlich ĂŒber dem höchstzulĂ€ssigen Landegewicht. Normalerweise wird der Treibstoff bis zur Landung fast verbraucht.

Doch treten technische Probleme nach dem Start auf, die eine sofortige Landung erforderlich machen, kann es notwendig werden, das Gewicht vor der Notlandung zu reduzieren und Treibstoff abzulassen.

Das Luftfahrtbundesamt listet diese VorfĂ€lle fĂŒr Deutschland: 2022 kam das sogenannte "Fuel Dumping" bundesweit bisher (Stand: Mitte Juni 2022) zwölf Mal vor. In den meisten FĂ€llen werden technische GrĂŒnde angegeben, aber auch medizinische NotfĂ€lle oder die Sperrung des Luftraums haben bereits dazu gefĂŒhrt.

Mythos 9: Übergewicht ist ein Problem fĂŒr Flugbegleiter

Das kann durchaus so sein. Es gibt jedenfalls bei vielen Airlines Vorschriften hinsichtlich GrĂ¶ĂŸe und Gewicht ihrer Flugbegleiter. Bei der MindestgrĂ¶ĂŸe, die sich bei Frauen je nach Airline zwischen 1,57 Metern und 1,65 Metern und bei MĂ€nnern um die 1,75 Meter bewegt, gibt es praktische GrĂŒnde: Flugbegleiter mĂŒssen beispielsweise die HandgepĂ€ckfĂ€cher ohne Probleme schließen können.

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Flugbegleiterin: Hinsichtlich GrĂ¶ĂŸe und Gewicht der Stewardessen und Stewards gibt es teils strenge Vorgaben.
Flugbegleiterin: Hinsichtlich GrĂ¶ĂŸe und Gewicht der Stewardessen und Stewards gibt es teils strenge Vorgaben. (Quelle: Hispanolistic/getty-images-bilder)

Viele Airlines sprechen auch von einem "Idealgewicht", das sich beispielsweise bei Frauen zwischen 60 und 72 Kilogramm bewegt, bei MĂ€nnern zwischen 72 und 88 Kilogramm. Andere orientieren sich am BMI, der im Normalbereich liegen muss. Vor allem asiatische Airlines fielen in der Vergangenheit immer wieder durch strenge Regeln diesbezĂŒglich auf.

Mythos 10: Bei einem Blitzeinschlag stĂŒrzt das Flugzeug ab

Flugzeuge werden regelmĂ€ĂŸig von Blitzen getroffen – jede Maschine im Durchschnitt einmal im Jahr. Doch das ist kein Grund zur Sorge. Heute unterliegen Flugzeuge strengen Zulassungstests.

Wie Autos sind Flugzeuge nicht geerdet. Wenn sie von einem Blitz getroffen werden, tritt er einfach wieder aus.

Mythos 11: Fallen die Motoren aus, stĂŒrzt das Flugzeug ab

GrundsĂ€tzlich ist erst einmal wichtig, dass Flugzeugmotoren besonders zuverlĂ€ssig sind und zudem regelmĂ€ĂŸig gecheckt werden. Statistisch fĂ€llt ein moderner Flugzeugmotor seltener als einmal in 30 Jahren aus. Sollte das dennoch einmal passieren, besteht nicht sofort Grund fĂŒr Panik.

Die meisten großen Maschinen fliegen heute mit zwei Triebwerken. FĂ€llt eines aus, kann mit dem zweiten weitergeflogen werden, hĂ€ufig merken das die Passagiere nicht einmal. Allerdings fehlt der Schub und das Flugzeug wird in einen langsamen Sinkflug ĂŒbergehen.

Kritisch wird ein Triebwerkausfall allerdings beim Start oder kurz danach, wenn der Start nicht mehr abgebrochen werden kann und das Flugzeug mit nur noch einem Triebwerk in die Luft gebracht werden muss. Aber auch darauf sind alle Piloten trainiert, sodass das Flugzeug nie automatisch abstĂŒrzt, nur weil ein Triebwerk ausfĂ€llt.

Mythos 12: Flugzeugessen schmeckt schlecht

Sandwiches, FrĂŒhstĂŒck oder grĂ¶ĂŸere Mahlzeiten: Irgendwie scheint an Bord alles Ă€hnlich zu schmecken – fad, geschmackslos, langweilig. Doch warum ist das so?

Flugzeugessen: Die Mahlzeiten sind eigentlich nicht schlecht, schmecken in der Luft aber anders.
Flugzeugessen: Die Mahlzeiten sind eigentlich nicht schlecht, schmecken in der Luft aber anders. (Quelle: Chalabala/getty-images-bilder)

Die ErnÀhrungsexpertin Birthe Wulf erklÀrt dazu auf "edeka.de": "Dass das Essen im Flugzeug hÀufig fad schmeckt, liegt nicht an den Mahlzeiten selbst. Vielmehr verÀndert sich durch verschiedene Faktoren die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung an Bord. Dazu gehören der verÀnderte Luftdruck in der Kabine und die UmgebungsgerÀusche im Flugzeug."

Mythos 13: Fallschirme an Bord von Passagiermaschinen könnten Leben retten

Abgesehen davon, dass Laien Fallschirme wahrscheinlich nicht korrekt bedienen könnten, verhindert der Überdruck in mehr als 10.000 Meter Höhe, dass die FlugzeugtĂŒren geöffnet werden können.

Selbst wenn dies gelĂ€nge, so wĂ€ren in erster Linie die in dieser Höhe herrschenden 50 Grad minus ein Problem fĂŒr die Fallschirmspringer. Fallschirme retten in solchen Höhen also keine Leben.

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Mythos 14: Fluggesellschaften vergeben mehr Tickets als SitzplÀtze

Im Bereich des Ticketverkaufs ist es gĂ€ngige Praxis, FlĂŒge um mehrere Prozent zu ĂŒberbuchen. Airlines rechnen stets mit Passagieren, die nicht zum Abflug erscheinen. Mit Überbuchungen wollen sie verhindern, dass KapazitĂ€ten an Bord ihrer Maschinen frei bleiben und ihnen so Umsatz verloren geht.

In welchem Maße FlĂŒge ĂŒberbucht sind, hĂ€ngt beispielsweise von den Wochentagen oder Ferienzeiten ab. Daneben gibt es Unterschiede von Land zu Land. WĂ€hrend japanische Passagiere als sehr zuverlĂ€ssig gelten und FlĂŒge dort kaum ĂŒberbucht werden, vergeben Airlines in Indien bisweilen zehn Prozent mehr Tickets, als SitzplĂ€tze vorhanden sind.

Mythos 15: Aus Aberglaube fehlen die Sitzreihen 13 und 17

Um dem möglichen Aberglauben ihrer GÀste zu begegnen, gibt es an Bord mancher Airlines tatsÀchlich keine Sitzreihen mit der Nummer 13. So zum Beispiel bei der Lufthansa.

Hier werden Reisende ĂŒbrigens auch keine Reihe 17 finden. Denn die 17 gilt in Italien und Brasilien als UnglĂŒcksbringer.

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