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Neuer Trend: Elektro-Mietwagen auf Mallorca

mid, Lars Döhmann

Aktualisiert am 12.06.2017Lesedauer: 4 Min.
Nissan Leaf: Eine Batterieladung reicht fĂŒr knapp 250 Kilometer und kostet nur rund zwei Euro.
Nissan Leaf: Eine Batterieladung reicht fĂŒr knapp 250 Kilometer und kostet nur rund zwei Euro. (Quelle: /Hersteller-bilder)
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FĂŒr die kostbarsten Wochen des Jahres geben viele Urlauber mehr Geld aus als nötig. Wer etwa auf Mallorca einen Leihwagen fĂŒr die Ferien bucht, der kann mit einem elektrischen Fahrzeug die Urlaubskasse schonen.

Nahezu gerĂ€uschlos gleitet der Nissan Leaf durch die malerische Landschaft des sogenannten 17. Bundeslandes. Bereits fĂŒr wenig mehr als 17 Euro am Tag gibt es auf Mallorca den japanischen Stromer als Mietwagen. Das meistverkaufte Elektrofahrzeug geht zwar nicht als Design-Ikone durch, doch funktional ist es ĂŒberzeugend: Der Wagen im Format der Golfklasse bietet genug Raum fĂŒr fĂŒnf Personen und GepĂ€ck. Nach kurzer Orientierung gelingt die Bedienung einwandfrei.

Nissan Leaf: "Palim-Palim" zum Systemstart

Es fehlt das Kupplungspedal und statt eines Schalthebels gibt es nur einen kompakten Knauf auf der Mittelkonsole. Mit dem SchlĂŒssel in der Tasche kann bei getretenem Bremspedal der Startknopf gedrĂŒckt werden, woraufhin sich der Wagen mit ein wenig "Palim-Palim" als dienstbereit meldet. In der aktuellen Version mit 30-Kilowattstunden-Batterie (kWh) sollen rund 250 Kilometer Reichweite machbar sein.

Die mediterranen Witterungsbedingungen im Urlaubsparadies begĂŒnstigen die Reichweite, KĂ€lte hingegen mögen Stromer nicht. Statt einer langsam Richtung "rot" wandernden Tankanzeigennadel gibt es im Nissan Leaf multiple Informationen zum E-System: ĂŒber Ladezustand, Reichweite und Batterieladung. So weiß der Fahrer immer, wann der nĂ€chste Lade-Stopp einzuplanen ist.

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Das weckt schnell den Ehrgeiz, die Reichweitenkilometer möglichst langsam abschmelzen zu lassen, statt hochdynamisch das LĂ€ngs- und Querbeschleunigungs-Potenzial auszuschöpfen. Dem Sparwillen steht das hohe Drehmoment und die damit verbundene spontane Beschleunigung des Leaf entgegen, denn statt mit dem Schalthebel emsig im Öl zu rĂŒhren, braucht der Stromer unabhĂ€ngig von der Situation nur einen krĂ€ftigen Tritt aufs Pedal, um vehement zu beschleunigen. Das macht einfach Spaß.

7,50 Euro fĂŒr eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern

Mancher Fahrer eines Wagens mit Hubkolbenmotor bleibt ĂŒberrascht zurĂŒck, aber dabei verringert sich auch die Reichweite schnell. Mit einem sanften Gasfuß und einer vorausschauenden Fahrweise schafft der Leaf wĂ€hrend des Alltagstests auf Mallorca die Anfahrt zur ersten Station völlig mĂŒhelos, allerdings wĂ€re die erste Teilstrecke auch bei sportlicherer Fahrweise problemlos zu schaffen gewesen. Der Strom beim Nachladen auf einer Finca, die sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat und auf Agrotourismus setzt, kommt aus der normalen Haushaltsteckdose (mit Schuko-Stecker).

Wenn das Auto hier ĂŒber Nacht voll geladen wĂŒrde, hĂ€tte man gerade mal 7,50 Euro zu bezahlen. Die Kilowattstunde kostet nur 25 Cent. So fĂ€hrt sich der Stromer deutlich billiger als ein Diesel oder Benziner und der Leihwagen muss nicht vollgetankt abgegeben werden. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen E-Auto-Nutzer auf Mallorca keine Angst vorm saftlosen Liegenbleiben haben. Es gibt rund 100 Ladepunkte. Knapp ein Zehntel davon sind Schnelllader, an denen innerhalb von 30 Minuten etwa 80 Prozent der Reichweite wieder erreicht sind. Das dauert zwar lĂ€nger, als Kraftstoff herkömmlicher Art einzufĂŒllen, aber besonders im Urlaub sollte die Zeit ja vorhanden sein.

Auch die Polizei setzt auf den Nissan Leaf

Mallorca Ă€chzt unter dem großen Ansturm von Touristen, die Krisenlage in einigen beliebten ReiselĂ€ndern hat die Situation verschĂ€rft. Dabei bemĂŒht sich die Inselregierung um einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit. Mit gutem Beispiel etwa geht die Polizei des malerischen Bergdorfes Valldemossa voran. Hier fĂ€hrt die Exekutive mit dem Leaf zur Verbrecherjagd. "In den vergangenen zwei Monaten haben wir rund 1000 Kilometer problemlos zurĂŒckgelegt", berichtet der lokale Polizeichef. "Das Fahrzeug wird beachtet und geschĂ€tzt und bietet wirklich genĂŒgend Reichweite. Wenn wir von Valldemossa ins Tal fahren, kommen wir unten mit 50 Kilometer mehr Reichweite an." Neben der Rekuperation des Fahrzeugsystems sichern auch sechs Ladepunkte in der NĂ€he die stĂ€ndige Einsatzbereitschaft der OrdnungshĂŒter mit ihren Leaf-Dienstwagen.

ElektromobilitÀt auf dem Vormarsch

Japan, das Heimatland Nissans, gilt als Pionier fĂŒr ElektromobilitĂ€t. Auch im Bereich der Forschung und Entwicklung von Batterien hat die Nummer Drei der Weltwirtschaft den Ruf als einer der fortschrittlichsten MĂ€rkte. 1991 brachte Sony den ersten Lithium-Ionen-Akku auf den Markt und heute gehören japanische Hersteller zu den fĂŒhrenden Produzenten von Energiespeichern fĂŒr Plug-in-Hybride und Elektroautos wie den Leaf von Nissan.

Auch in Deutschland tut der Autobauer viel fĂŒr ElektromobilitĂ€t und die benötigte Infrastruktur. So stellen die Japaner jetzt zum Beispiel zwei Ladeboxen im Parkhaus des Essener Rathauses zur VerfĂŒgung. Die GerĂ€te gehören mit elf Kilowatt zu den leistungsstarken Lademöglichkeiten. Sie arbeiten fĂŒnf Mal schneller als die gewöhnliche Haushaltssteckdose. ZunĂ€chst gilt es, mit den neuen Ladeboxen Erfahrungen in Hinblick auf Ladezyklen zu sammeln. Wer noch weniger Zeit hat, kann aber auch den DC-Schnelllader des Essener Nissan-Partners BK Motors nutzen. Hier lautet das Motto "Freistrom fĂŒr alle", unabhĂ€ngig von der Fahrzeugmarke.

2026 sollen mehr E-Autos als Verbrenner verkauft werden

Diese neuen Lademöglichkeiten sind nur ein Beispiel dafĂŒr, wie auch die Infrastruktur langsam wĂ€chst. "Aktuell beobachten wir eine Verdoppelung der Ladepunkte alle acht Monate", berichtet Reinhard Randoll. Der Diplom-Physiker prĂ€sentiert noch mehr interessante Forschungsergebnisse im Rahmen der Elektroauto-Fahrt auf Mallorca: "Die Lebensdauer eines Produktes bestimmt, wie lange ein Technologiewandel dauert. Aus der Wachstumsfunktion der verkauften E-Fahrzeuge in den Jahren 2011 bis 2017 ergibt sich, dass somit im Jahr 2026 erstmals mehr E-Autos als Verbrenner verkauft werden könnten."

Diese Perspektive mag den einen oder anderen AnhÀnger von Verbrennungsmotoren irritieren, aber anhand etlicher Beispiele industrieller Entwicklungen erscheint sie durchaus plausibel. Nissan jedenfalls positioniert sich passend und wird vermutlich im Herbst 2017 eine Weiterentwicklung des Leaf vorstellen. Mit 40 bis 60 Kilowattstunden sollen dann 300 bis 500 Kilometer Reichweite möglich sein.

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