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Air Berlin meldet Insolvenz an: Was bedeutet das für Reisende?


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Das müssen Air-Berlin-Reisende jetzt wissen

Von dpa, t-online, cch

Aktualisiert am 15.08.2017Lesedauer: 3 Min.
Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenz angemeldet. Lufthansa hat Interesse, sie zu übernehmen.
Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenz angemeldet. Lufthansa hat Interesse, sie zu übernehmen. (Quelle: Symbolbild/Soeren Stache/dpa-bilder)
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Die Fluggesellschaft Air Berlin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wir erklären, was das für Reisende bedeutet. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Behalten bereits gekaufte Flugtickets ihre Gültigkeit?

Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte Air Berlin mit. Alle gebuchten Tickets bleiben demnach gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Internet-Seite von Air Berlin.

Eva Klaar, Reiserechtsberaterin von der Verbraucherzentrale Berlin, rät dementsprechend allen, die in der kommenden Zeit mit Air Berlin eine Reise antreten wollen, erst einmal Ruhe zu bewahren. Es sei nach den vorliegenden Informationen davon auszugehen, dass alle ausstehenden Beförderungsverträge erfüllt werden. Es sei Reisenden nicht zu empfehlen, aus Bedenken von einem Air-Berlin-Flug zurückzutreten: "Dann bleiben sie auf ihren Kosten sitzen", so Klaar. Kunden haben nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren und nicht immer auf den Ticketpreis, erklärt die Expertin.

Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichert den Flugbetrieb von Air Berlin zunächst einmal ab. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, das dieser drei Monate ausreicht, wie sie am Dienstag sagte. Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen der zweitgrößten deutschen Airline durch die Lufthansa gelingen könnte. Laut Air Berlin verlaufen die Verhandlungen "erfolgsversprechend". Der Kredit schaffe für den Übergang einen Rahmen.

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Können Tickets der Air-Berlin-Tochter Niki weiterhin verwendet werden?

Die Flüge der Tochter Niki finden laut Air Berlin ebenfalls wie geplant statt. Bereits gebuchte Flugtickets behalten also auch hier ihre Gültigkeit.

Können bei Air Berlin weiterhin Flüge gebucht werden?

Ja, alle vorgesehenen Flüge sind weiterhin buchbar.

Sollten Verbraucher jetzt noch Flugtickets bei Air Berlin buchen?

Reiserechtsberaterin Klaar sagt: "Das muss jeder selbst entscheiden." Air Berlin selbst hat Kunden zugesichert, dass alle Flüge weiter buchbar seien und stattfinden. Vieles ist aber noch ungewiss. Wer jetzt noch einen Air-Berlin-Flug für ein Datum in drei Monaten oder später bucht, geht das Risiko ein, dass er sein Geld verliert. Es ist möglich, dass eine andere Airline die gebuchte Strecke übernimmt und den Fluggast befördert. Sicher ist es aber nicht.

Was passiert mit Bonusmeilen, die Passagiere bei Air Berlin gesammelt haben?

Das ist noch nicht sicher. Nach Expertenansicht sollten Passagiere Bonusmeilen deshalb möglichst bald einlösen. "Zwar kann es sein, dass ein anderes Unternehmen bei der Übernahme von Air Berlin dieses Kundenbindungsinstrument übernimmt", sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht. Sollte Air Berlin nicht mehr als Vertragspartner bestehen, hätten Kunden keinen Anspruch darauf, dass sie ihre Meilen noch einlösen können.

Warum hat die Fluggesellschaft einen Insolvenzantrag gestellt?

Nachdem Hauptaktionär Etihad weiteren Zuschüssen eine Absage erteilt hat, sieht Vorstandschef Thomas Winkelmann keine Hoffnung mehr für die Berliner Fluglinie. Es gebe für Air Berlin keine positive Fortbestehensprognose mehr, räumte das Management ein. Die arabische Fluglinie Etihad, die rund 29 Prozent an dem Unternehmen hält, hatte Air Berlin 2012 mit immer neuen Finanzspritzen in der Luft gehalten. Dennoch flogen die Berliner von Jahr zu Jahr höhere Verluste ein. Die Schulden erreichten eine Milliardensumme.

Welche Ansprüche hat ein Passagier generell gegenüber einer Airline, wenn diese pleite geht und den Flugverkehr nicht aufrecht erhalten kann?

Für bereits gebuchte Reisen stehen die Chancen dann schlecht, noch an Leistung oder Geld zu kommen. Denn ein Passagier hat in der Regel den Flugpreis bereits bei der Buchung bezahlt. Dann hat er zwar rechtlich einen Anspruch auf Rücktritt vom Vertrag mit Rückerstattung des Ticketpreises. Er ist in dem Fall allerdings ein Gläubiger neben vielen anderen – "und steht in der Schlange der Gläubiger ganz hinten", wie Rechtsexpertin Klaar sagt. Er muss damit rechnen, dass das Geld weg ist, er sich selbst um einen neuen Flug kümmern und diesen auch neu bezahlen muss. Anders als bei Pauschalreisen hat der Gesetzgeber nämlich für reine Flugbuchungen keine Reisesicherungsscheine vorgeschrieben, die Kunden vor dem Insolvenzrisiko schützen würden.

Die Verbraucherzentralen fordern deshalb schon seit einiger Zeit eine verpflichtende Insolvenz-Absicherung für Fluggesellschaften zum Schutz der Kunden. "Es ist allerhöchste Zeit dafür", sagt Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin. Der aktuelle Fall Air Berlin führe das erneut vor Augen.

Und wenn der Flug Teil einer Pauschalreise ist?

Findet ein Flug aufgrund einer Insolvenz der Airline nicht statt und ist dieser Teil einer Pauschalreise, so ist der Reisende durch den Reiseveranstalter abgesichert. Dieser müsse sich dann um eine anderweitige Beförderung bemühen, erklärt Eva Klaar.

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