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Rente mit 40? So könnte es klappen

Genügsamkeit  

Frugalisten sparen viel und gehen früher in Rente

06.07.2020, 14:40 Uhr | dpa, jw

Rente mit 40? So könnte es klappen. Finanzielle Freiheit ist für viele ein wichtiges Ziel. Wer viel spart, kann sie tatsächlich auch erreichen. (Quelle: imago images/Westend61)

Finanzielle Freiheit ist für viele ein wichtiges Ziel. Wer viel spart, kann sie tatsächlich auch erreichen. (Quelle: Westend61/imago images)

Jahrzehnte früher in Rente – was vielen nur durch einen Lottogewinn möglich erscheint, ist für Frugalisten erklärtes Ziel. Sie passen ihre Ausgaben an und investieren das gesparte Geld in ihre finanzielle Unabhängigkeit.

"Mit 40 in Rente" – so heißen die Versprechungen, die häufig mit Frugalismus in Verbindung gebracht werden. Dafür leben Frugalisten genügsam, achten auf geringe Ausgaben und investieren hohe Summen.

So soll möglichst frühzeitig das angesparte Vermögen eine ausreichend hohe Rendite abwerfen, von der der Ruhestand bestritten werden kann. Angestoßen hat die Bewegung der kanadischen Blogger Peter Adeney, besser bekannt als "Mr. Money Mustache". Adeney beschreibt auf seinem Blog seinen Weg zur finanziellen Freiheit, die er bereits mit 30 erreicht hat. Sein Markenzeichen: Spaßmaximierung bei gleichzeitiger Kostenminimierung.

Es kommt auf die Ausgaben an

Als Oliver Noelting über einen Bekannten von dem Blog erfuhr, war er nach kurzem Zögern überzeugt: "Das Konzept ist genial", sagt Noelting. Als Student habe er es sehr genossen, seine Zeit frei einteilen zu können. Mit dem Einstieg ins Berufsleben, dachte er, sei das alles vorbei. Dank Frugalismus könne er früh in Teilzeit oder in Rente gehen. "Denn es kommt auf die Ausgaben an." Über seine Strategien berichtet er auch auf einem Blog.

Auch Florian Wagner hat sich von "Mr. Money Mustache" inspirieren lassen und startete wie Noelting einen deutschsprachigen Blog. Auch für den "Geldschnurrbart", wie er sich und seinen Blog nennt, ist Sparen nicht mit Verzicht gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil: "Durch Sparen baue ich mir immer mehr Unabhängigkeit vom Arbeitseinkommen und damit Freiheit auf."

Gewohnheiten hinterfragen

"Das funktioniert nur, weil ich meine Gewohnheiten hinterfrage, und das macht mir Spaß", sagte Wagner. Für ihn führen bewusste Kaufentscheidungen zu einem großen Zugewinn an Lebensqualität. Seine Ein- und Ausgaben hat er dabei stets im Blick. Generell gilt: Frugalisten sehen Sparen nicht als Selbstzweck an. Vielmehr hinterfragen sie sämtliche Ausgaben, um eine möglichst hohe Sparquote zu erreichen. Noelting spart so 70 Prozent seines Einkommens.

Doch wie investieren die beiden? Während Noelting als Verfechter einer passiven Anlagestrategie gilt, setzt Wagner auch auf risikoreichere Produkte: "Mir macht es Spaß, Risiken einzugehen", sagt er. "Risiko und Rendite hängen zusammen. Wenn ich mehr Rendite möchte, habe ich immer auch mehr Risiko", erklärt Wagner.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Dennoch sollte sich das Risiko in Grenzen halten. Alle Ersparnisse in die Aktien eines einzelnen Unternehmens zu investieren, kann zwar bei Kursgewinnen eine erhebliche Rendite einbringen. Gerät das Unternehmen etwa in Schwierigkeiten – wie es jetzt etwa in der Corona-Krise bei vielen der Fall ist – drohen hohe Verluste und im schlimmsten Fall sogar ein Totalausfall. 

Deshalb empfiehlt es sich, die Geldanlage zu streuen, beispielsweise in verschiedene Fonds. Darüber hinaus sind Panikverkäufe bei Kursverlusten tabu – als Frugalist sollte man bereit sein, Wertschwankungen auszusitzen.

Das gilt aber für alle Anleger. "ETFs auf weltweite Aktienindizes sind die erste Wahl, da sie das Risiko am Aktienmarkt breit streuen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Gestreute Risiken könne man – anders als Risiken aus Einzelaktien – als gute Risiken betrachten, weil dafür auf lange Sicht auch höhere Erträge zu erwarten seien.

Doch nicht jeder kann einen derart hohen Prozentsatz seines Einkommens sparen und damit in Frührente gehen. Für Geringverdiener dürfte eine Sparrate von 70 Prozent kaum zu schaffen sein. Der Aufbau einer privaten Altersvorsorge wird jedoch angesichts der Rentenlücke immer wichtiger. Gezielter Konsumverzicht kann auch hier helfen.

Frugalist, Minimalist, Klimaschützer?

Seit einigen Jahren erfreut sich der Minimalismus zunehmender Beliebtheit. Auch wenn es viele Überschneidungspunkte gibt, sind Frugalismus und Minimalismus nicht deckungsgleich. Während Minimalisten sich auf das für sie Wesentliche konzentrieren, geht es Frugalisten mehr um die Reduzierung ihrer Ausgaben.

Beide Lebensstile haben jedoch gemeinsam, dass sich der damit verbundene Konsumverzicht positiv auf die Umwelt auswirken kann. Allerdings kann eine sparsame Lebensweise stellenweise auch negative Effekte haben. Wer beispielsweise beim Kauf eines Elektrogerätes nur auf den Preis schaut, greift gegebenenfalls zu einem Modell mit einem hohen Stromverbrauch und einer geringen Haltbarkeit. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche

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