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Kernfusionsreaktor ITER könnte das Energieproblem der Menschheit lösen

Projekt ITER schreitet voran  

Löst dieser Reaktor das Energieproblem der Menschheit?

29.07.2020, 20:36 Uhr | jw, dpa

Kernfusionsreaktor ITER könnte das Energieproblem der Menschheit lösen. Innenansicht des Forschungsreaktors ITER: 2025 soll das Projekt den Betrieb aufnehmen. (Quelle: ITER Organization/EJF Riche)

Innenansicht des Forschungsreaktors ITER: 2025 soll das Projekt den Betrieb aufnehmen. (Quelle: ITER Organization/EJF Riche)

Die Kernfusion ist für viele ein großer Hoffnungsträger als Energiequelle der Zukunft – die notwendige Technologie befindet sich jedoch noch am Anfang. Das Projekt ITER könnte zu spät kommen.

Die Klimakrise lässt sich ohne Energiewende nicht abwenden. Denn Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen, wie Kohle, Öl und Gas, produziert nicht nur Energie, sondern auch klimaschädliche Treibhausgase. Neben dem Umstieg auf erneuerbare Energien setzen viele Menschen ihre Hoffnung auf neue Technologien. Insbesondere die Kernfusion könnte zukünftig den Energiebedarf stillen.

In Frankreich wird heute ein wichtiger Bauabschnitt des bislang größten Fusionsreaktors gefeiert. Der International Thermonuclear Experimental Reactor – kurz ITER – soll Energie aus der Verschmelzung der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium erzeugen und damit die Funktionsweise der Sonne imitieren. Dazu wird Wasserstoffplasma auf 150 Millionen Grad Celsius erhitzt. Ziel ist es, mit der Experimentalanlage den Weg für künftige Fusionskraftwerke zur Stromerzeugung zu ebnen. Die Kosten werden auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt. An dem Projekt sind neben der EU die USA, Russland, China, Indien, Japan und Südkorea beteiligt. 

Befürworter erhoffen sich von der Kernfusion eine klimafreundliche, nahezu unendlich verfügbare Energiequelle. ITER-Kritiker halten dagegen, dass die Technologie angesichts des Aufstiegs erneuerbarer Energien zu spät komme.

Inbetriebnahme in fünf Jahren – Strom erst Jahrzehnte später

Die Feier gilt dem ersten Schritt bei der Montage des Tokamak-Fusionsreaktors. Seit Juli befinden sich alle benötigten Teile in Frankreich, um mit der Teilmontage zu beginnen, wie ITER erklärte. Der Kernfusionsreaktor soll seinen Betrieb im Jahr 2025 aufnehmen.

Allerdings wird es nach Inbetriebnahme noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Technologie so weit entwickelt ist, dass Energie ins Stromnetz eingespeist werden kann. Zuerst ist geplant, in der Anlage Wasserstoffplasma herzustellen. Erst etwa 2035 sind Experimente mit Deuterium und Tritium vorgesehen. Die Technologie wird voraussichtlich nicht vor 2055 so weit sein, dass ein stromproduzierendes Kraftwerk gebaut werden kann. Bis zur kommerziellen Nutzung dürfte es noch länger dauern. 

Bedarf an alternativen Energieträgern

ITER wird also – selbst wenn es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt – nicht dazu beitragen können, die Klimaziele für 2050 zu erfüllen. Dennoch halten die sieben Partner an dem Projekt fest. Auch Deutschland investiert über die Europäische Atomgemeinschaft in ITER. Denn der Energiebedarf könnte auch in Zukunft weiter steigen.

Allein bis 2040 wird nach einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) der Strombedarf weltweit um 25 Prozent zulegen. Deshalb bedarf es neben einer Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien alternativer und emissionsarmer Energieträger. Die Kernfusion ist dabei zumindest aus Sicht der ITER-Befürworter derzeit einer der aussichtsreichsten Kandidaten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der dpa
  • ITER Organization
  • Süddeutsche Zeitung: "Teure Hoffnung"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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