• Home
  • Nachhaltigkeit
  • Energie
  • Trotz Ukraine-Krieg: "Wir k√∂nnen Putin nicht nur den Mittelfinger zeigen"


Interview
Unsere Interview-Regel

Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Wir können Putin nicht nur den Mittelfinger zeigen"

  • Theresa Crysmann
Von Theresa Crysmann

Aktualisiert am 04.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Wladimir Putin: Neben Klimakrise und Pandemie bereitet auch der Krieg des russischen Präsidenten gegen die Ukraine vielen Menschen Angst vor der Zukunft.
Wladimir Putin: Neben Klimakrise und Pandemie bereitet auch der Krieg des russischen Präsidenten gegen die Ukraine vielen Menschen Angst vor der Zukunft. (Quelle: imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f√ľr einen Text"Kegelbr√ľder": Richter f√ľhlt sich "verh√∂hnt"Symbolbild f√ľr einen TextFrau bei Politikertreffen get√∂tetSymbolbild f√ľr einen TextBericht: Lindner will bei Hartz IV sparenSymbolbild f√ľr einen TextTV-Star √ľberfuhr Sohn mit Rasenm√§herSymbolbild f√ľr einen TextUkraine fahndet nach AbgeordnetemSymbolbild f√ľr ein VideoPilot filmt Kampfeinsatz in UkraineSymbolbild f√ľr einen TextMord an US-Musiker: Urteil gefallenSymbolbild f√ľr einen TextTour-Star renkt sich Schulter selbst einSymbolbild f√ľr einen TextSpears gr√ľ√üt oben ohne aus FlitterwochenSymbolbild f√ľr ein VideoWimbledon: Die klare FavoritinSymbolbild f√ľr einen TextAnsturm auf Johnny Depp in HessenSymbolbild f√ľr einen Watson TeaserHarter Vorwurf gegen Bill KaulitzSymbolbild f√ľr einen TextSpielen Sie das Spiel der K√∂nige

Krieg, Pandemie und Klimakrise: Die Angst der Deutschen vor den kommenden Jahren wächst. Zukunftsforscher Johannes Kleske erklärt im Interview mit t-online, warum der Ansatz "Augen zu und durch" nichts bringt.

Nur 19 Prozent der Deutschen schauen zuversichtlich auf das kommende Jahr, so das Ergebnis einer repr√§sentativen Umfrage des Instituts f√ľr Demoskopie Allensbach. Seit Jahrzehnten war die Angst vor der Zukunft nicht mehr so ausgepr√§gt wie aktuell.

Zwei Jahre Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine nagen nicht nur an der Wirtschaft, sondern vor allem am Grundvertrauen vieler Menschen auf Frieden und Gesundheit als verlässliche Normalzustände. Gerade Jugendlichen und jungen Erwachsenen setzt außerdem die Klimakrise zu: Weltweit geben knapp zwei Drittel der 16- bis 25-Jährigen an, sich große oder extrem große Sorgen wegen des menschengemachten Klimawandels zu machen. Und auch die ältere Generation blickt beunruhigt auf die fortschreitende Erderhitzung.

Im Gespräch mit t-online erklären der Zukunftsforscher Johannes Kleske und die WWF-Klimachefin Viviane Raddatz, wieso der Ansatz "Augen zu und durch" nichts bringt und warum eine positive Zukunft immer mit Arbeit verbunden ist.

t-online: Der Krieg in der Ukraine w√ľtet im dritten Monat, die Inflation liegt auf Rekordniveau, die Pandemie dauert an und dann ist da noch die Klimakrise. Kann man noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Spektakel auf Sylt ‚Äď und eine kleine Kirche in Aufruhr
Kirche St. Severin auf Sylt: Hier geben sich Christian Lindner und Franca Lehfeldt am Samstag das Jawort.


Viviane Raddatz: Jetzt gerade sieht es tatsächlich nicht rosig aus. Aber wenn man aufhört, sich auszumalen, wie es besser laufen könnte, kann man auch gleich aufgeben.

Johannes Kleske: Aktuell kriegt man leicht das Gef√ľhl, dass alles nur noch schlimmer wird. Aber der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass viele Horrorszenarien nie Realit√§t geworden sind. Daf√ľr musste allerdings immer gek√§mpft werden.

Bittere Zeiten auszusitzen, reicht also nicht?

Johannes Kleske: Nein, es wird nicht von allein besser. Angsteinfl√∂√üende Szenarien wurden abgewandt, weil die Menschen gesagt haben: Wir geben nicht auf, wir lassen nicht locker. Die Geschichte zeigt, dass es nichts bringt, nur auf bessere Zeiten zu hoffen. Man muss sich richtig reinh√§ngen. Gerade das motiviert mich ‚Äď wir haben selbst in der Hand, wie die Zukunft aussieht.

Johannes Kleske besch√§ftigt sich als Zukunftsforscher damit, welche Zukunftsszenarien f√ľr die Gesellschaft m√∂glich, wahrscheinlich und w√ľnschenswert sind. Viviane Raddatz leitet den Bereich Klima und Energie bei der Umweltschutzorganisation WWF, wo sie sich f√ľr die Klimaneutralit√§t in Deutschland einsetzt.

Wo sehen Sie dabei den wichtigsten Hebel?

Viviane Raddatz: Viele der riesigen Probleme, vor denen wir stehen, haben eine gemeinsame L√∂sung: raus aus den fossilen Energien, so schnell es geht. Das ist einerseits gut f√ľr das Klima, weil damit der gr√∂√üte Treiber der Erderhitzung wegf√§llt. Und es f√∂rdert den Frieden, da die sinkende Nachfrage nach Gas, √Ėl und Kohle die Kriegskassen autokratischer Staaten schrumpfen l√§sst.

Bei einem Protest der Klimabewegung Fridays for Future in Schwerin: Wer den russischen Brennstoffimporten den R√ľcken kehren will, muss auf alternative Energiequellen umsteigen. Darin liegt auch eine Chance f√ľr den schnelleren Ausbau von Solar- und Windkraft
Bei einem Protest der Klimabewegung Fridays for Future in Schwerin: Wer den russischen Brennstoffimporten den R√ľcken kehren will, muss auf alternative Energiequellen umsteigen. Darin liegt auch eine Chance f√ľr den schnelleren Ausbau von Solar- und Windkraft (Quelle: imago-images-bilder)

Wie schnell es mit der Energiewende vorangeht, entscheidet aber letztlich die Regierung: Laut vielen Wissenschaftlern immer noch zu langsam.

Viviane Raddatz: Ja, das stimmt ‚Äď aber es l√§uft schon deutlich besser als unter fr√ľheren Bundesregierungen. Und auch im Kleinen kann man etwas beisteuern.

Zum Beispiel?

Viviane Raddatz: Im Moment gibt es ein richtiges Aufleben beim Energiesparen. Zugegeben: auch, weil die Preise so stark gestiegen sind. Aber viele wollen ebenso einen Beitrag leisten, um die Nachfrage nach russischem Gas zu dr√ľcken. Energieeffizienz war vorher untergegangen ‚Äď und jetzt geht es in vielen Haushalten pl√∂tzlich um Geb√§udesanierung, sparsames Heizen, richtiges L√ľften und langsameres Fahren auf der Autobahn. Das sind zwar keine Allheilmittel, aber die Ans√§tze helfen, in ein l√∂sungsorientiertes Denken zu kommen. So bitter das klingen mag.

"Zahlreiche Auswirkungen der Klimakrise lassen sich noch aufhalten oder immerhin abschwächen", sagt WWF-Klimadirektorin Viviane Raddatz. Das passiere allerdings nicht automatisch.
"Zahlreiche Auswirkungen der Klimakrise lassen sich noch aufhalten oder immerhin abschw√§chen", sagt WWF-Klimadirektorin Viviane Raddatz. Das passiere allerdings nicht automatisch. (Quelle: J√ľrgen Heinrich/imago-images-bilder)

Weniger Ohnmachtsgef√ľhl dank Tempolimit?

Johannes Kleske: Verzicht allein inspiriert niemanden. Wir k√∂nnen Putin nicht nur den Mittelfinger zeigen. Gleichzeitig m√ľssen wir eine positive Vision f√ľr die Zukunft entwickeln, die uns allen ein besseres Leben erm√∂glicht. Nicht nur geopolitisch, sondern ganz nah bei uns ‚Äď zu Hause, in unserer Stra√üe und Nachbarschaft, der eigenen Stadt oder Region. Daf√ľr reicht eine Frage: Was w√§re, wenn alles gut wird? Dadurch wird der Kopf daf√ľr frei, wie das eigene Leben aussehen k√∂nnte.

Die bedr√ľckende Lage macht es nicht leicht, sich in eine bessere Zukunft wegzutr√§umen.

Johannes Kleske: Es geht dabei nicht ums Träumen, sondern darum zu planen! Nur wenn ich weiß, was mein Ziel ist, kann ich herausfinden, was ich tun muss, um dahinzukommen. Und den ersten Schritt machen.

Gerade rund um die Klimakrise dominieren aber l√§hmende Schreckensszenarien: mehr t√∂dliche Hitzewellen, verheerende √úberflutungen, D√ľrren, Ernteausf√§lle und weltweite Fluchtbewegungen. Wie soll das motivieren?

Viviane Raddatz: Diese Krisenszenarien sind wissenschaftliche Vorhersagen, die sich nicht sch√∂nreden lassen. Aber die Prognosen zeigen kein unausweichliches Schicksal, sondern was auf uns zukommt, wenn wir nur mit den Achseln zucken. Zahlreiche Auswirkungen der Klimakrise lassen sich noch aufhalten oder immerhin abschw√§chen. Statt die Augen zu verschlie√üen, m√ľssen wir unsere Zukunft selbst schaffen.

Johannes Kleske: Die negativen Prognosen k√∂nnen einen wachr√ľtteln. Aber es braucht positive Visionen, um sich aufzuraffen. Was passiert denn, wenn wir unsere E-Autos f√ľr wenige Cent √ľberall laden k√∂nnen? Wenn ein Dorf an neuen Windr√§dern mitverdient? Wenn Bus und Bahn mich zuverl√§ssig zur Arbeit und zum Einkaufen bringen? Das macht Lust, sich einzusetzen und sich mit gleichgesinnten Leuten zusammenzutun.

Zukunftsforscher Johannes Kleske spricht mit Blick nach vorne im Plural: Die Zukunft sei nicht "dieser eine unbekannte Ort", sondern eine Vielzahl m√∂glicher Szenarien. Der Begriff "Zuk√ľnfte" k√∂nne dabei helfen, sich das bewusster zu machen.
Zukunftsforscher Johannes Kleske spricht mit Blick nach vorne im Plural: Die Zukunft sei nicht "dieser eine unbekannte Ort", sondern eine Vielzahl m√∂glicher Szenarien. Der Begriff "Zuk√ľnfte" k√∂nne dabei helfen, sich das bewusster zu machen. (Quelle: privat)

Beispielsweise beim Stichwort "autofreie Innenst√§dte" werden viele Leute aber immer noch w√ľtend statt inspiriert.

Johannes Kleske: Das ist ja auch ein negatives Zukunftsszenario! Da sagen die Autofahrer zu Recht: "Du willst uns was wegnehmen!" Da muss man ganz anders rangehen: Wie w√§re es, wenn in den Innenst√§dten mehr Platz f√ľr Gr√ľnfl√§chen und Naherholung ist? Weniger L√§rm, weniger Verkehrstote und bessere Luft? Da entstehen gleich ganz andere Bilder.

Geht es Ihnen dabei also nur ums richtige Verpacken der Botschaften, um die Menschen zu √ľberzeugen?

Johannes Kleske: Nein, auf keinen Fall. Es geht um viel mehr.

Viviane Raddatz: Konkrete hoffnungsstiftende Vorstellungen f√ľr die Zukunft zu entwickeln, bringt viele Menschen erst darauf, dass es auch anders laufen kann als bisher. Zu oft wird der Status quo einfach als naturgegeben wahrgenommen ‚Äď im Sinne von: So ist es jetzt, so wird es bleiben.

Loading...
Loading...
Loading...

Johannes Kleske: Dieses Festhalten am vermeintlichen "Normalzustand" ist auch erstmal verst√§ndlich. Ver√§nderung ist evolutionstechnisch immer eine Gefahr: Wir alle sind hier, weil unsere Vorfahren extrem vorsichtig waren und lieber dreimal geguckt haben, ob im Busch ein S√§belzahntiger sitzt. Deshalb tun wir uns auch heute mit Neuerungen schwer. Und es kommt auch sehr darauf an, ob ich das Gef√ľhl habe, bevormundet zu werden.

Einen dicken SUV zu fahren und √ľber Greta Thunberg zu meckern, ist also eine Trotzreaktion?

Johannes Kleske: Wenn man das Gef√ľhl hat, man wird bevormundet oder kriegt etwas aufgezwungen, rutscht man ganz nat√ľrlich in eine Ablehnungshaltung. Egal bei welchem Thema. Daher ist Teilhabe beim Klimaschutz so wichtig ‚Äď am besten funktioniert ein langsamer Prozess, bei dem alle mitreden k√∂nnen und tats√§chlich geh√∂rt werden.

"Wir kommen da durch", steht an einer Konzerthalle in Washington D.C. während des ersten Corona-Lockdowns 2020: Je stärker man in Entscheidungen eingebunden wird, desto williger trägt man sie mit, sagt Johannes Kleske.
"Wir kommen da durch", steht an einer Konzerthalle in Washington D.C. während des ersten Corona-Lockdowns 2020: Je stärker man in Entscheidungen eingebunden wird, desto williger trägt man sie mit, sagt Johannes Kleske. (Quelle: Drew Angerer/getty-images-bilder)

Vor 20 Jahren h√§tte das wohl funktioniert. Jetzt bleibt f√ľr eine behutsame Umstellung aber keine Zeit mehr. Kohleausstieg, Verbrennerverbot, alles muss Schlag auf Schlag gehen. L√§sst sich der Riss, der dadurch in der Bev√∂lkerung entsteht, mit emotionalen Appellen f√ľr mehr Spielstra√üen kitten?

Viviane Raddatz: Man darf sich nicht von dieser recht kleinen Gruppe der Energiewendegegner blenden lassen. Die sind zwar laut und beharrlich, aber in der absoluten Minderheit. Alle relevanten Erhebungen zeigen, dass in Deutschland rund 80 Prozent der Bev√∂lkerung hinter der Energiewende stehen. Dass die Ampelregierung das jetzt beschleunigt, kommt ebenfalls gut an. Schauen Sie auf die Zustimmungswerte f√ľr die entsprechenden Politikerinnen und Politiker! Diese neue Dynamik nimmt die Leute also auch an die Hand.

Johannes Kleske: Dadurch entsteht gerade auch unheimlich viel Raum f√ľr eigene Zukunftsvisionen. Weil man merkt: Da ist Bewegung drin, es tut sich etwas. Muss ich davon ausgehen, dass alles gleich bleibt, habe ich keinen Antrieb, um etwas anzupacken. Aber wenn ich eine Chance auf Ver√§nderung in meinem Sinne sehe, bin ich bereit, heute etwas daf√ľr zu tun.

Viviane Raddatz: Das muss nicht die gro√üe Revolution sein. Nicht alle k√∂nnen sofort ihre Gastherme austauschen. Wer das kann, sollte es tun, aber Teilhabe am Wandel geht auch anders: mehr Radfahren, sich f√ľr bessere Infrastruktur einsetzen oder eine Petition f√ľr erschwingliche √Ėffis unterschreiben. Damit ist man schon mittendrin in der Energiewende.

Frau Raddatz, Herr Kleske, besten Dank f√ľr das Gespr√§ch.

Dieses Interview ist im Rahmen einer redaktionellen Kooperation mit dem WWF Deutschland entstanden.

Zu sch√∂n, um nicht wahr zu werden: Der WWF entwirft mit seiner neuen Kampagne "WWF Zukunft" die Vision einer voll gelungenen Energiewende. Was wird sich √§ndern, wenn wir Strom und W√§rme nur noch aus erneuerbaren Quellen beziehen, die Verkehrswende gelingt und die Wirtschaft klimafreundlich arbeitet? Und vor allem: Wie ver√§ndert sich mein eigenes Leben? Sinkende Strompreise, mehr Gesundheit und Sicherheit sowie neue Jobs sind m√∂glich, wenn wir heute schon f√ľr die Zukunft anpacken. Mehr Infos unter: zukunft.wwf.de

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Theresa Crysmann
Von Theresa Crysmann
DeutschlandInflationRumänienSchwerinUkraineWladimir Putin

t-online - Nachrichten f√ľr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website