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Italiens Schuldenberg – Das sind die Fakten

Italiens Schuldenberg – Das sind die Fakten

24.05.2018, 22:10 Uhr | AFP

Italiens Schuldenberg – Das sind die Fakten. Der designierte italienische Regierungschef Giuseppe Conte: Trotz vieler Versprechungen will die neue Regierung das Staatsdeifizit unter drei Prozent halten. (Quelle: dpa/Gregorio Borgia)

Der designierte italienische Regierungschef Giuseppe Conte: Trotz vieler Versprechungen will die neue Regierung das Staatsdefizit unter drei Prozent halten. (Quelle: Gregorio Borgia/dpa)

Die neue italienische Regierung aus Populisten und Rechtsextremen will auf die Sparpolitik pfeifen, die Partner in der EU sind besorgt. Die Fakten zum italienischen Schuldenberg.

Italien schleppt eine Staatsverschuldung von 2,3 Billionen Euro mit sich herum. Während die letzten Regierungen in Rom sich einer Sparpolitik verschrieben hatten, planen die neuen Koalitionäre der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und der fremdenfeindlichen Lega kostspielige Projekte – und setzen auf Wachstum.

Hier einige Fakten zum italienischen Schuldenberg:

Nur Griechenland ist höher verschuldet

Italien hat einen Schuldenberg von 2,3 Billionen Euro angehäuft, das entspricht 132 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) – also deutlich mehr als die wirtschaftliche Leistungskraft des Landes. Abgesehen von Griechenland ist das die höchste Schuldenquote in Europa. EU-Regeln verlangen eine Quote von unter 60 Prozent.

Szenarien für die Zukunft

Das Oxford Economics Institute geht davon aus, dass die Pläne der neuen Regierung – etwa ein Grundeinkommen, drastische Senkung der Einkommenssteuer und eine Rentenreform – den Staat 100 Milliarden Euro pro Jahr kosten werden. Das würde das Haushaltsdefizit dem Institut zufolge in diesem Jahr auf 5,5 Prozent des BIP erhöhen.

Bislang rechnete die Brüsseler EU-Kommission für 2018 unter der Bedingung einer unverändert fortgesetzten Sparpolitik mit einem Defizit von 1,7 Prozent. Im Vorjahr hatte dieses noch bei 2,3 Prozent gelegen. Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio versprach, die Quote unter drei Prozent zu halten. Diese Schwelle schreibt der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt vor. Auch das wäre aber eine deutliche Abkehr von den Zusagen der Vorgängerregierung.

Rückkehr des "Spread"

Fast jeder in Italien weiß, was der "Spread" (die Spanne) ist. Mit ihm wird der Unterschied zwischen den Konditionen gemessen, zu denen sich Deutschland und Italien Geld am Kapitalmarkt leihen können. Ein "Spread" von 100 würde beispielsweise bedeuten, dass Deutschland dafür ein Prozent Zinsen zahlen müsste, während es für Italien zwei Prozent sind. Die Höhe der Differenz sagt etwas darüber aus, wie riskant die Investoren das Geschäft einschätzen.

Der "Spread" zwischen zehnjährigen deutschen und italienischen Staatsanleihen stieg zuletzt angesichts der anstehenden Regierungsübernahme durch Fünf-Sterne-Bewegung und Lega steil an. Am Mittwoch erreichte er nach einem neuerlichen Anstieg 191 Punkte, binnen acht Tagen legte er um 60 Punkte zu. Das ist zwar weit entfernt von den 575 Punkten im November 2011 während der europäischen Schuldenkrise, zeigt aber die Skepsis der Märkte gegenüber der Wirtschaftspolitik einer möglichen Koalition aus Lega und M5S.

Viel Geld im Inland verliehen

Anders als früher befindet sich ein Großteil der italienischen Staatsschulden in den Händen inländischer Investoren. Nach den Angaben des Chefökonomen der italienischen Unicredit-Bank, Erik Nielsen, veränderte sich das Schuldenprofil des Landes "in den vergangenen Jahren dramatisch". So hielten inzwischen italienische Gläubiger die Hälfte der ausstehenden Forderungen.

Ein Drittel davon sind demnach Banken. Fast ein weiteres Fünftel (17 Prozent) der Schulen hält die Europäische Zentralbank (EZB), die ebenfalls als ein sehr krisenfester Marktakteur gilt.

Verwendete Quellen:
  • AFP

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