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Boykottaufrufe und Proteste: Algeriens Präsident kandidiert wieder und kündigt Rückzug an

Erneute Kandidatur erwartet  

Algeriens Präsident kandidiert wieder und kündigt Rückzug an

03.03.2019, 20:50 Uhr | dpa

Boykottaufrufe und Proteste: Algeriens Präsident kandidiert wieder und kündigt Rückzug an. Polizisten sind in Algier aufgezogen und beobachten Demonstranten, die gegen eine erneute Kandidatur des algerischen Präsidenten Bouteflika protestieren.

Polizisten sind in Algier aufgezogen und beobachten Demonstranten, die gegen eine erneute Kandidatur des algerischen Präsidenten Bouteflika protestieren. Foto: Fateh Guidoum/AP. (Quelle: dpa)

Algier (dpa) - Algeriens amtierender Präsident Abdelaziz Bouteflika kandidiert trotz der massiven Proteste gegen ihn in den vergangenen Tagen erneut für das höchste Staatsamt.

In einer am Sonntagabend veröffentlichten Nachricht überraschte Bouteflika allerdings und kündigte im Fall seiner Wiederwahl seinen Rückzug an. Er werde nicht die gesamte Amtszeit regieren, sondern es werde vorgezogene Neuwahlen geben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS. Bei einer solchen Wahl werde er selbst nicht mehr antreten. Zugleich kündigte er eine Nationalkonferenz an, bei der über politische, wirtschaftliche und soziale Reformen diskutiert werden soll.

Führende Oppositionspolitiker kündigten einen Boykott der Wahl an und riefen zu weiteren Protesten auf. Die größte moderat islamistische Partei Algeriens, HMS, habe entschieden, nicht zur Abstimmung anzutreten, sollte Bouteflika erneut zur Wahl stehen, teilte die Partei mit. Auch der frühere Regierungschef Ali Benflis, der bei der Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren hinter Bouteflika die zweitmeisten Stimmen bekam, kündigte seinen Rückzug an. Er hatte Bouteflika bereits 2014 systematischen Wahlbetrug vorgeworfen.

In zahlreichen Städten Algeriens waren schon am Sonntagmorgen erneut Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen eine fünfte Amtszeit und für demokratische Reformen zu demonstrieren. Die Polizei setzte am abgeriegelten Sitz des algerischen Verfassungsrates nach Augenzeugenberichten Tränengas und Waffenwerfer gegen die Menge ein. Dort mussten die Kandidaten ihre Unterlagen einreichen.

In großen Teilen der Hauptstadt Algier blieb es den Tag über friedlich. Auch in weiteren größeren Städten des Landes zogen die Menschen friedlich durch die Straßen. "Bouteflika und Dein Clan: Verschwindet!", riefen Demonstranten. Kritiker sehen in Bouteflika eine Marionette von Militärs, Familienclans und der einflussreichen Wirtschaftselite des Landes.

In den vergangenen Tagen hatten Hunderttausende Algerier gegen Bouteflika demonstriert. Viele forderten demokratische Reformen. Es sind die größten Proteste seit Ende des Bürgerkriegs. Im sogenannten Schwarzen Jahrzehnt in den 1990er Jahren starben mehr als 150.000 Menschen.

Bouteflika wurde 1999 als Wunschkandidat des algerischen Militärs zum Präsidenten gewählt. Seit einem Schlaganfall 2013 ist er auf den Rollstuhl angewiesen und hat große Probleme zu sprechen. Er tritt kaum noch öffentlich auf und musste zuletzt mehrere Treffen mit Staatschefs absagen - darunter auch einen Besuch Angela Merkels 2017. Zuletzt hielt sich Bouteflika nach Medienberichten zu medizinischen Untersuchungen in Genf in der Schweiz auf.

Bouteflika hatte Proteste bereits 2011 während des sogenannten Arabischen Frühlings überstanden. Seine Regierung reagierte mit leichten Reformen und der Anhebung von Subventionen auf die Proteste. Allerdings ist die Wirtschaft des Landes vom Preisverfall bei Öl und Gas stark betroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt nach Angaben der Weltbank bei etwa 13 Prozent, allerdings bei den Unter-25-Jährigen bei mehr als 24 Prozent.

Bei Massenprotesten am Freitag war es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Nach Angaben der Generaldirektion der Sicherheitskräfte wurden dabei 56 Polizisten und sieben Demonstranten verletzt. 45 Demonstranten seien festgenommen worden. Innenminister Nouredine Bedoui bestätigte, dass ein 56-Jähriger starb. Er einem Herzinfarkt erlegen, teilte die Nachrichtenagentur APS mit.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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