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Nach Anschlag an Sergej Skripal wirkt das Gift weiter

Attentat auf Ex-Agenten  

Nach dem Nowitschok-Anschlag wirkt das Gift weiter

04.03.2019, 10:06 Uhr | Silvia Kusidlo, Ulf Mauder, dpa

 (Quelle: t-online.de)
Der Fall Skripal: Das Gift wirkt nach einem Jahr immer noch

Auch ein Jahr nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppel-Agenten Sergej Skripal bleibt es weiter spannend – und die internationalen Beziehungen gespannt. Denn noch sind die Täter nicht gefasst und das Motiv weiter unklar. (Quelle: t-online.de)

Ein Jahr nach dem Giftanschlag: Wo der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter heute leben, weiß nicht einmal ihre Familie. Auch die Täter sind noch nicht gefasst. (Quelle: t-online.de)


Der Mordanschlag auf den Ex-Doppel-Agenten Sergej Skripal auf britischem Boden vergiftet die internationalen Beziehungen. Auch ein Jahr danach sind in dem Agenten-Thriller viele Fragen offen.

Zusammengesackt, dem Tode nahe, sitzen Sergej und Julia Skripal vor einem Jahr auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury. In ihren Augen ist nur das Weiße zu sehen, Schaum läuft aus den Mündern. Was zunächst nach Drogenmissbrauch aussieht, entpuppt sich als Agenten-Thriller.

Die Waffe: das Nervengift Nowitschok, das einst in der Sowjetunion hergestellt wurde. Die Folge: eine internationale Krise und Sanktionen gegen Russland. Die Täter: auf freiem Fuß. Das Motiv: unklar – aber es sind viele Spekulationen im Umlauf.

Julia und Sergej Skripal stehen unter britischen Schutz

Die Opfer seien an einem sicheren Ort – "es ist unsere Verantwortung ihnen gegenüber, sie zu schützen", sagte der britische Botschafter in Moskau, Laurie Bristow, der russischen Nachrichtenagentur Interfax zum Jahrestag. Es wird dennoch viel spekuliert. Victoria, die Nichte des Ex-Spions, sagte der Moskauer Zeitung "Komsomolskaja Prawda", dass die Familie kein Lebenszeichen habe von den beiden.

Julia, die der Zeitung zufolge noch eine Wohnung in Moskau hat, meldete sich Ende Mai 2018 das letzte Mal öffentlich zu Wort. An ihrem Hals war in dem britischen TV-Interview eine große Narbe zu erkennen, wochenlang musste sie über einen Schlauch in der Luftröhre beatmet werden.

Experten vermuten chronische Folgeschäden

Der Heilungsprozess sei "langsam und extrem schmerzhaft" gewesen, sagte sie. Sind sie und ihr Vater wieder ganz gesund? Experten sind skeptisch: Chronische Schäden und Spätfolgen seien bei dem extrem gefährlichen Nervengift nicht auszuschließen.

Ein Polizist, der als einer der ersten zum Tatort eilte, musste auch im Krankenhaus behandelt werden. Monate später der nächste Schock: Eine dreifache Mutter starb qualvoll im Krankenhaus an Nowitschok. Ihr Lebenspartner hatte einen Flakon mit dem Gift gefunden, das er für Parfüm hielt und ihr schenkte. Experten der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) stellten fest: "Wir haben keinen Zweifel, dass beide Vorfälle miteinander zusammenhängen."

Die idyllische Kleinstadt Salisbury wurde auf den Kopf gestellt. Erst am vergangenen Freitag erklärten Experten sie offiziell für Nowitschok-frei. Insgesamt hatten bis zu 800 Spezialisten zwölf Areale auf Spuren des Nervengifts überprüft und gesäubert. Besonders im Fokus: Das Haus des Ex-Spions; dort war die Substanz auf der Klinke der Haustür gestrichen worden.

Tätigkeit als Doppel-Agent 

Skripal war Doppel-Agent des russischen Militärgeheimdienstes GRU und flog 2004 auf. In Russland wurde er zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Durch einen Gefangenenaustausch kam er 2010 nach England. "Wir haben Angst vor (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin", sagte Skripal in einem Interview vor dem Anschlag. Sein eigenes Risiko stufte er hingegen als gering ein.

In Großbritannien hatten in den vergangenen Jahren mehrere mysteriöse Todesfälle von Exil-Russen für Aufsehen gesorgt. 2006 starb dort unter den Augen der Weltöffentlichkeit auf seinem Krankenbett der frühere russische Geheimdienstmitarbeiter Alexander Litwinenko an dem Strahlengift Polonium 210.

Die Reaktion aus Moskau? Immer die gleiche: leugnen und die Schuld anderen geben. Der Fall Skripal sei "eine in ihrem Ausmaß bisher beispiellose antirussische Kampagne", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Vor allem die britischen Medien würden das Thema am Köcheln halten. "Die Lage ist wirklich paradox – es gibt immer Nachrichten über die Skripals, aber am Ende weiß die Welt nichts über sie oder das Geschehene", sagte Sacharowa. Es fehlten Beweise.

Dabei sehen die Briten den russischen Staat überführt – anhand auch von Videoaufnahmen der Verdächtigen, die im Auftrag von Skripals früherem Dienstherrn GRU gehandelt haben sollen. "Aber wir haben nicht alles öffentlich gemacht, was wir wissen", sagte Botschafter Bristow in Moskau. Das sei am Ende Sache des Gerichts.

Verschwörungstheoretiker meinen, dahinter könnte ein Komplott westlicher Geheimdienste stehen, um Russland nicht zuletzt mit dem Vorwurf, weiter im Besitz von Chemiewaffen zu sein, ins internationale Abseits zu schieben und mit Sanktionen immer weiter unter Druck zu setzen.

Zwei GRU-Offiziere verdächtigt

Investigative Recherchen auch russischer Journalisten ergaben aber, dass die genannten Verdächtigen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow in Wahrheit Alexander Mischkin und Anatoli Tschepiga hießen und ranghohe GRU-Offiziere seien. Beide hatten in den vergangenen Jahren mehrfach Westeuropa besucht – jedoch nur als Touristen, wie sie im russischen Staatsfernsehen Russia Today behaupteten.

Auch der Moskauer Schriftsteller Dmitry Glukhovsky ("Metro"), ein Experte für skurrile Geschichten, sieht Russland als Täter. Aus Sicht des Kremlkritikers ging es nicht vorrangig darum, den zu den Briten übergewechselten Agenten Skripal als Verräter zu bestrafen.

"Ich sehe es vielmehr als Zeichen an Kremlgegner und Kremlanhänger gleichermaßen, die viel wissen über das russische Machtsystem, sie davor zu warnen, sich abzusetzen und ihre Heimat zu verkaufen", sagte Glukhovsky der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, etwa Beamten und Unternehmern zu zeigen, dass der lange Arm Moskaus überall hin reiche.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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