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Erst brach das System zusammen, jetzt ist man Impfchampion

dpa, Martina Farmbauer und Denis D├╝ttmann

Aktualisiert am 11.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine Krankenschwester bereitet in Rio de Janeiro eine Impfung vor: Nach schweren Problemen mit Corona hat das Land inzwischen eine hohe Impfquote.
Eine Krankenschwester bereitet in Rio de Janeiro eine Impfung vor: Nach schweren Problemen mit Corona hat das Land inzwischen eine hohe Impfquote. (Quelle: Mario Tama/getty-images-bilder)
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Leichen in den Stra├čen Ecuadors, mangelnder Sauerstoff in Peru, Massengr├Ąber im brasilianischen S├úo Paulo. S├╝damerika war einer der Brennpunkte in der Pandemie. Doch ein Faktor rettete den Kontinent.

Z├ę Gotinha hat ein Tr├Âpfchen als Kopf und das Logo des ├Âffentlichen Gesundheitssystems Brasiliens auf der Brust. Seit mehr als 30 Jahren wirbt das Maskottchen f├╝r Impfungen. Einst gegen Polio, heute gegen das Coronavirus. Das Impfwesen hat eine lange Tradition im gr├Â├čten Land in Lateinamerika. "Wir haben schon als Kinder angestanden, um geimpft zu werden", sagt Daniele Moura aus Rio de Janeiro. Nun ist sie mit ihren Kindern zum Impfen gegangen.


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"Die Corona-Impfung haben wir alle bekommen, ich die drei Dosen, die Kinder zwei." Umso schwerer f├Ąllt es Moura zu akzeptieren, dass ihr Vater im Zusammenhang mit Covid-19 starb, bevor die Impfkampagne in Brasilien startete. Rund 660.000 Menschen sind in Brasilien im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben ÔÇô mehr Corona-Tote gibt es nur in den USA. Gemessen an der Bev├Âlkerungszahl gab es in keinem Fl├Ąchenstaat der Erde so viele Corona-Tote wie in Peru.

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Kontinent mit h├Âchster Impfquote

Leichen in den Stra├čen Ecuadors, mangelnder Sauerstoff in Peru, Massengr├Ąber im brasilianischen S├úo Paulo ÔÇô S├╝damerika war einer der Corona-Brennpunkte. Auf dem H├Âhepunkt der Pandemie vor einem Jahr brach in Brasilien das Gesundheitssystem zusammen. Nun ist S├╝damerika die Region mit den meisten Geimpften, wie das Statistik-Portal Our World in Data der dpa best├Ątigte. 72,85 Prozent sind demnach in S├╝damerika komplett geimpft, 67,45 Prozent in Asien, 65,29 Prozent in Europa und 62,65 Prozent in Nordamerika (Stand 3. April).

Z├ę Gotinha: Das Maskottchen wirbt in Brasilien f├╝r Impfungen.
Z├ę Gotinha: Das Maskottchen wirbt in Brasilien f├╝r Impfungen. (Quelle: Antonio Molina/imago-images-bilder)

In Chile, das zwischenzeitlich als Impfweltmeister galt, sind mittlerweile mehr als 90 Prozent der Menschen vollst├Ąndig geimpft ÔÇô ├╝ber 80 Prozent haben sogar schon eine Auffrischungsimpfung erhalten. So schnell wie in kaum einem anderen Land der Welt impften die chilenischen Gesundheitsbeh├Ârden die Bev├Âlkerung durch.

Just die schreckliche Erfahrung der Pandemie ist ein Grund, dass viele in S├╝damerika sehns├╝chtig auf Impfstoffe warteten. Sie wirkte st├Ąrker als Verschw├Ârungstheorien und Fake News wie vom brasilianischen Pr├Ąsidenten Jair Bolsonaro, der Corona verharmlost und den Sinn von Impfungen in Zweifel zieht.

Viele Impfungen vorgesehen

In Argentinien und Brasilien liefen die Impfkampagnen zun├Ąchst schleppend an, weil die Regierungen Probleme hatten, genug Impfstoff zu beschaffen oder die Beschaffung verschleppten. Als die Kampagnen einmal in Schwung kamen, konnten die L├Ąnder der Region auf eine tief verwurzelte Impfkultur setzen und auf eingespielte Impfstrukturen zur├╝ckgreifen. ├ärzteteams reisten ins tiefe Amazonasgebiet und entlegene Andend├Ârfer, um die Bewohner zu impfen. Dies war ein entscheidender Faktor, der zur Wende in der Pandemiebek├Ąmpfung beigetragen hat.

Mobiles Impfteam in Rio de Janeiro (Archivbild): Brasilien hat mit niederschwelligen Impfangeboten Erfolg.
Mobiles Impfteam in Rio de Janeiro (Archivbild): Brasilien hat mit niederschwelligen Impfangeboten Erfolg. (Quelle: Mario Tama/getty-images-bilder)

Brasilianer und Argentinier sind von klein an gewohnt, sich gegen zahlreiche Krankheiten impfen zu lassen: Ohne eine Reihe von obligatorischen Impfungen k├Ânnen Kinder beispielsweise nicht eingeschult werden. Bis ins Erwachsenenalter sind in Argentinien insgesamt 18 Impfungen, in Brasilien 19 Impfungen verpflichtend, darunter gegen Hepatitis A und B, Tuberkulose, Hirnhautentz├╝ndung, Masern, Windpocken, Tetanus und Gelbfieber.

"So entsteht eine Impfkultur"

Mouras Tochter Malu, heute zw├Âlf, etwa hatte als S├Ąugling mit sieben Tagen an einem Gesundheitsposten in Rio bereits die ersten Impfungen bekommen. "Wir haben uns mit anderen M├╝ttern verabredet und sind zusammen los", erz├Ąhlt Moura und zeigt Malus Impfausweis mit insgesamt mehr als 40 Dosen gegen verschiedene Krankheiten. "So entsteht eine Impfkultur." Impfskepsis gibt es so kaum.

Die Impfungen sind kostenlos und werden an Gesundheitsposten, in Krankenh├Ąusern und speziellen Impfpraxen verabreicht. Wie Chile setzen auch andere s├╝damerikanische L├Ąnder in der Corona-Pandemie auf eine recht niedrigschwellige Impfkampagne ohne komplizierte Terminvergabe ÔÇô auch in Kirchen, Fu├čballstadien und Impfstra├čen. Das Sambodrom in Rio etwa wurde zu einem Drive-thru-Impfzentrum.

Kommt die Impfpflicht in Argentinien?

Bislang ist die Impfung gegen Covid-19 weder in Argentinien noch in Brasilien obligatorisch. Allerdings haben Abgeordnete bereits eine Initiative im argentinischen Kongress eingebracht, um die Corona-Impfung verpflichtend zu machen und in den nationalen Impfplan aufzunehmen. In Brasilien ist der Druck sanft: Ein Impfnachweis wird f├╝r viele ├Âffentliche Einrichtungen und Veranstaltungen verlangt.

"Brasilien hat selbst gegen den Pr├Ąsidenten gezeigt, dass es m├Âglich ist, die Pandemie mit der Impfung zu bek├Ąmpfen", sagt Moura. "Dass wir hier heute stehen und gesund sind, verdanken wir der Wissenschaft." Nun steht in Rio der Karneval an, am 21. April finden die wegen Corona verschobenen Umz├╝ge statt ÔÇô und Brasilien hat die niedrigsten Corona-Zahlen seit Beginn der Pandemie. Moura hofft, dass das so bleibt. "Wenn eine neue Welle kommt, w├╝rde sie viel weniger einschlagen, weil so viele geimpft sind."

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