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BĂŒrgerwehren gegen AuslĂ€nder in SĂŒdafrika

Von dpa
26.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Mitglieder der "Operation Dudula" marschieren eine Straße im Stadtteil Hillbrow entlang um mehreren Unternehmen in der Gegend Memoranden zu ĂŒbergeben.
Mitglieder der "Operation Dudula" marschieren eine Straße im Stadtteil Hillbrow entlang um mehreren Unternehmen in der Gegend Memoranden zu ĂŒbergeben. (Quelle: Mohamed Shiraaz/dpa./dpa)
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Johannesburg (dpa) - Nomsa Nyathi ist in TrĂ€nen aufgelöst. Vor laufender Kamera erklĂ€rt sie, wie in der Nacht zum 7. April an die TĂŒr ihrer WellblechhĂŒtte im Johannesburger Vorort Diepsloot gehĂ€mmert wurde. "Sie fragten nach unseren PĂ€ssen", schluchzte sie.

Ein wĂŒtender Mob zerrte Nomsas Mann Elvis ins Freie, schlug mit HĂ€mmern und Eisenstangen auf ihn ein und setzte ihn in Brand, bis der GĂ€rtner leblos am Boden lag. Was dem 44-JĂ€hrigen zum VerhĂ€ngnis wurde: Er war Simbabwer - und damit AuslĂ€nder. PrĂ€sident Cyril Ramaphosa zeigte sich von dem jĂŒngsten Zwischenfall geschockt und versprach hartes Durchgreifen. Doch die Stimmung im Lande ist zunehmend schwerer zu kontrollieren.

Die Szene aus Diepsloot erinnerte an den Beginn der Gewaltexzesse zwei Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft am Kap. Damals wurde ein Mosambikaner von einem Mob brutal zusammengeschlagen und dann schwer verletzt in Brand gesetzt. Das Foto des sich brennend noch einmal aufrichtenden Mannes ging um die Welt. Die Bilder nĂ€hrten damals Zweifel an SĂŒdafrikas Rolle als WM-Gastgeber.

Engagement fĂŒr BekĂ€mpfung des Rassismus

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte schon vor anderthalb Jahren SĂŒdafrika zu einem stĂ€rkeren Engagement bei der BekĂ€mpfung des Rassismus im Lande aufgefordert und auf PlĂŒnderungen, brutale Gewalt und Brandschatzungen hingewiesen. Denn immer wieder kamen bei den gewalttĂ€tigen Übergriffen in Johannesburg und Pretoria Menschen ums Leben. Verbale Beschimpfungen sind Alltag.

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Und nun hat die Gewalt weiter zugenommen. Vigilante-Gruppen wie die "Operation Dudula" sorgen fĂŒr Aufsehen. Die im Johannesburger Township Soweto gegrĂŒndete Gruppierung erfreut sich landesweit zunehmender Sympathien. Ihre AnhĂ€nger nehmen immer wieder das Recht in ihre eigene Hand - etwa, wenn sie Inhaber von GeschĂ€ften zum Vorzeigen der Arbeitsgenehmigungen ihrer Mitarbeiter auffordern oder auslĂ€ndische KleinhĂ€ndler von ihren ArbeitsplĂ€tzen vertreiben. PrĂ€sident Ramaphosa fĂŒhlt sich durch solches Verhalten an die Zeit der Apartheid erinnert. "So haben die Apartheid-UnterdrĂŒcker gehandelt", schrieb er in seinem Rundbrief.

Lkw-Fahrer aus Nachbarstaaten, die die wichtige Handelsroute ĂŒber die Autobahn N3 zum Hafen Durban nutzen, fahren nach brutalen Attacken zum Selbstschutz mittlerweile fast nur noch in Konvois. Die Gewalt richtet sich vor allem gegen Migranten aus anderen LĂ€ndern des Kontinents. Viele von ihnen leben in SĂŒdafrika, weil sie auf der Flucht sind, aber auch aus wirtschaftlichen GrĂŒnden. Nur schwer sind gĂŒltige Aufenthaltsgenehmigungen zu bekommen.

Rechtliche SchwÀchen

Es gebe SchwĂ€chen beim Einwanderungsgesetz, gab Innenminister Aaron Motsoaledi im TV-Sender SABC zu. Zudem seien die Grenzkontrollen unzureichend. "Wir lassen viele einfach ins Land, darunter Kriminelle", sagte er, "einige sind Gangster, die das Land zerstören." Zudem wĂŒrden sich illegale Migranten beim Wettbewerb um Jobs oft als billige ArbeitskrĂ€fte missbrauchen lassen. Wer legal im Lande sei, habe aber nichts zu befĂŒrchten.

Einwanderer aus NachbarlĂ€ndern werden immer wieder verantwortlich gemacht fĂŒr die hohe Arbeitslosigkeit im Lande, die offiziell bei 35,3 Prozent liegt. Nach inoffiziellen Zahlen hat jedoch fast die HĂ€lfte der erwachsenen SĂŒdafrikaner keine Arbeit. Denn die Wirtschaft lahmt und schafft kaum noch neue ArbeitsplĂ€tze. Sie befand sich schon vor dem Mitte MĂ€rz 2020 verhĂ€ngten strengen Corona-Lockdown in einer Rezession und hat sich seitdem kaum erholt. Nachdem Ramaphosa den 750 Tage aktiven Corona-Alarmplan Anfang April aussetzte, warb er auf einer Konferenz verzweifelt um internationale Investoren.

Das Negativ-Image durch die Gewalt gegen Einwanderer belastet auch SĂŒdafrikas Beziehungen zu anderen Staaten auf dem Kontinent. SĂŒdafrika wird dort lĂ€ngst nicht mehr als die sympathische Regenbogennation von Nelson Mandela wahrgenommen, der als erster schwarzer PrĂ€sident das Ubuntu-Konzept einer auf Gemeinsinn bedachten Nation propagierte.

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