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Der Moment, in dem Donald Trump beinahe wie ein Präsident wirkte

MEINUNGPost aus Washington  

Der Moment, in dem Trump beinahe wie ein Präsident wirkte

Eine Kolumne von Fabian Reinbold, Washington

23.11.2018, 12:31 Uhr
Der Moment, in dem Donald Trump beinahe wie ein Präsident wirkte . Donald Trump (beim Abspielen des Elvis-Lieds im Weißen Haus): Ein (fast) präsidialer Auftritt. (Quelle: AP/dpa/Manuel Balce Ceneta)

Donald Trump (beim Abspielen des Elvis-Liedes im Weißen Haus): Ein (fast) präsidialer Auftritt. (Quelle: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa)

Donald Trump unterhält die Welt mit seinen Fehltritten, Unflätigkeiten und absurden Behauptungen. Doch im Weißen Haus erlebt man ihn in manchen Momenten ganz präsidial. Wenn er doch nur eine bestimmte Eigenschaft hätte!

Donald Trump sieht sich so gern als Spitzenreiter, deswegen halte ich es hier liebend gern einmal fest: In einer Kategorie liegt der Mann tatsächlich meilenweit vor seinen Amtsvorgängern.

Kein US-Präsident sorgt so oft mit einem Fauxpas, mit Beschimpfungen, mit absurden Behauptungen für Schlagzeilen, wie er es tut. Trump brüskiert X, Trump attackiert Y, Trump macht sich über Z lustig. Schlagzeilen wie diese gibt es fast täglich. Das ist auf t-online.de und auf anderen Nachrichtenseiten Alltag.

Das liegt daran, dass es oft so unangenehm quietscht, wenn Trump den Präsidenten spielt. Die Amerikaner erwarten von ihrem Präsidenten, dass er das ganze Volk vertritt, Anstand und Mitgefühl zeigt, bestenfalls sogar inspiriert. Trump vertritt aber vor allem nur eine Gruppe, seine weißen Stammwähler und nicht die Minderheiten. Er agiert impulsiv und sein Denken scheint vor allem um sich selbst zu kreisen.

Bräsige Telefonate zu Thanksgiving

Zum Thanksgiving-Fest am Donnerstag gab es neue Momente zum Fremdschämen über Donald Trump, etwa als er aus seinem Florida-Domizil Mar-a-Lago bräsig vor laufenden Kameras mit Militärs telefoniert und ihnen zwar auch ein bisschen dankt, aber vor allem sich selbst lobt.

Doch es gibt auch andere Momente. Momente, in denen Trump doch präsidial wirkt. Na ja, zumindest fast.

Vergangenen Freitagmittag, East Room, Weißes Haus: Trump verleiht erstmals die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Wir Journalisten stehen gequetscht hinter den Ehrengästen. Insgesamt sieben Leute bekommen sie, zum Teil postum, verliehen, etwa Miriam Adelson, eine Großspenderin der Republikaner, Senator Orrin Hatch nach 41 Jahren im Parlament, Baseball-Legende Babe Ruth und: Elvis.

Trump genießt das Zeremonielle

Trump findet neben dem Text auf dem Teleprompter persönliche Anmerkungen und einen passenden Ton für jeden Geehrten, lässt die Familien sich erheben, damit auch sie beklatscht werden. Trump genießt das Zeremonielle am Präsidentensein. Er steht mit durchgedrücktem Rücken vor dem Porträt George Washingtons. Vor dem ihm wohlgesonnenen Publikum beherrscht er die Rolle.

Dann lässt Trump Elvis Presley auflegen. Eine halbe Minute lang tönt Elvis’ Interpretation des Gospels "How great are thou" durch den East Room. Und spätestens als Trump sich brüstet, dass das seine Idee gewesen wäre mit dem Lied, und dass seinen Mitarbeitern die Marketing-Instinkte fehlen, weil sie die Musik zu früh abgedreht hätten, haben wir doch wieder einen typischen Trump-Moment im Weißen Haus erlebt.

Und noch eine Eigenschaft lieben die Amerikaner an ihrem Präsidenten: den Humor. Zuletzt sah es in dieser Hinsicht gut aus, Barack Obama war lustig, George W. Bush auf seine Art auch. Ebenso Bill Clinton und Ronald Reagan, der selbst über das Attentat auf ihn Witze machen konnte.

Unter Trump ist das mit dem Humor so eine Sache. Selbst die Vereinigung der Weißes-Haus-Korrespondenten hat sich jetzt entschieden, das nächste der berühmten White House Correspondents' Dinner ohne den traditionellen Komikerauftritt abzuhalten.

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent Fabian Reinbold von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA. Gefällt Ihnen die Kolumne? Sie können sie hier als kostenlosen Newsletter abonnieren, der noch weitere Beobachtungen aus Washington enthält und einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet. Sie können unserem Korrespondenten auch auf Twitter und Facebook folgen.

Ich bin Mitglied im Verein und wir hatten zuletzt bei der Mitgliederversammlung im September darüber diskutiert. Anlass ist der kontroverse Auftritt Michelle Wolfs im vergangenen April, in dem sie den US-Präsidenten heftig attackierte. 

Ich finde die Entscheidung falsch: Diese Auftritte muss man aushalten, auch wenn sie scharf geraten wie die Performance von Wolf, und auch wenn sie einem Kritik vom Weißen Haus einbringen. Immerhin soll das jährliche Dinner eine Feier der Meinungsfreiheit sein.

Kehrt Trump an den Ort seiner Schmach zurück?

Kaum war die Nachricht eines Dinners ohne Komiker in der Welt, meldete sich Trump per Tweet. Er stellte in Aussicht, vielleicht doch vorbeizukommen. Ob es wirklich so weit kommt oder nicht, steht in den Sternen. Ein einziges Mal, im Jahr 2011, war Trump als Gast bei dem Dinner und Zielscheibe der Scherze von Komiker Seth Meyers und Barack Obama. Er saß mit versteinerter Miene im Publikum.


Klar ist: Müsste er fürchten, von einem Komiker auf die Schippe genommen zu werden, würde Trump, wie in den beiden vergangenen Jahren, einfach fernbleiben.

Der Präsident kann nicht über sich selbst lachen. Auch das unterscheidet ihn von seinen Amtsvorgängern.

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