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Wie sich Donald Trump als Retter der Umwelt feiern ließ

MEINUNGPost aus Washington  

Wie sich Trump als Retter der Umwelt feiern ließ

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

12.07.2019, 15:55 Uhr
 (Quelle: Ting Shen/Xinhua/Imago)
"Reine Luft und kristallklares Wasser": Trump lobt Klimapolitik der US

US-Präsident Donald Trump hat bei einer Rede die Umweltbilanz seiner Regierung gelobt. Trotz Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sieht er die Vereingten Staaten auf einem guten Kurs. (Quelle: t-online.de)

Donald Trump: Der US-Präsident hat den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen gerechtfertigt. (Quelle: t-online.de)


Donald Trump als Retter der Umwelt? Im Weißen Haus ließ sich der Präsident von seinen Beratern in den Himmel loben – unserem Korrespondenten wurde dabei ganz schwindelig.

Donald Trump bot diese Woche im Weißen Haus dem beharrlichsten, entschlossensten und erfolgreichsten Umweltschützer der Vereinigten Staaten die ganz große Bühne. Bevor Sie lange rätseln, wer das sein könnte, verrate ich es Ihnen. Es ist … Trump selbst!

Wenn Sie jetzt lachen, weil der Mann ja das Pariser Abkommen aufgekündigt hat, Naturschutzgebiete für Ölbohrungen und Fracking öffnet und und und … warten Sie mal ab.

Montagnachmittag, East Room des Weißen Hauses: Trump trabt zur Präsidentenhymne "Hail to the Chief" in den Saal, im Publikum Tochter Ivanka, Minister, Behördenleiter. Ein offizieller, wichtiger Termin. Er legt los: "Von Tag eins an hat es meine Regierung zur Priorität gemacht, dass Amerika mit die allersauberste Luft und das allersauberste Wasser des Planeten hat."

Was jetzt folgt, ist die Reinform einer neuen Herrschaftskultur, die Trump ins Weiße Haus gebracht hat – man kennt sie eher aus autoritären Regimes oder Diktaturen. Der geliebte Anführer wird reihum gelobt, gelobt, gelobt. So überschwänglich, so quer zur Realität und so hoch in den Himmel, dass einem dabei ganz schwindelig wird.

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent Fabian Reinbold von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA unter Donald Trump. Gefällt Ihnen die Kolumne? Sie können sie hier als kostenlosen Newsletter abonnieren, der noch weitere Einblicke und Einschätzungen aus Washington enthält und einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Auftritt eines schweren Mannes namens Bruce Hrobak, Besitzer eines Ködergeschäfts an Floridas Küste. Kurzversion seiner Geschichte: Ihm vermiest eine Plage giftiger Algen aus dem Okeechobee-See das Business, doch Trump fördere jetzt die Aufrüstung eines Deiches, das werde ihn retten. Hrobak sagt: "Herr Präsident, Sie machen nicht nur generell einen hervorragenden Job. Dass Sie sich in meiner Umwelt engagieren, wärmt mein Herz." Trump steht schräg hinter ihm und lächelt, wie man ihn selten lächeln sieht.

Hrobak redet und redet, er kann es selbst nicht fassen, dass man ihn im Weißen Haus sprechen lässt, er ist jetzt bei seinem Vater, der Trump geähnelt habe, aber der Präsident sehe "viel besser aus". Am Ende reckt er die Faust in den altehrwürdigen East Room und ruft "Trump 2020!"

Sollte es nicht um die Umwelt gehen?

Dann ruft Trump Colleen Roberts auf die Bühne, eine Bezirksbeamtin aus dem Staate Oregon. Es geht um Maßnahmen, die man gegen Waldbrände ergreifen kann. "Sie, Präsident Trump, sind ein Freund und der größte Verbündete der Bezirke in diesem großartigen Land.“

Auftritt Andrew Wheeler, ein langjähriger Kohlelobbyist, den Trump zum Chef der Umweltbehörde EPA gemacht hat: „Jeder Amerikaner sollte wissen, dass unsere Nation sauberer, sicherer und stärker ist dank der Führung durch Präsident Trump.“ 

Der Nächste: Innenminister David Bernhardt, früher Öl-Lobbyist. „Es ist eine Ehre, einem Präsidenten zu dienen, der seit dem ersten Tag auf Umweltschonung fokussiert ist.“

Energieminister Rick Perry kommt erst auf Trumps Auftritt am Nationalfeiertag zu sprechen: Der Präsident habe „eine der großartigsten Geschichtsstunden“ erteilt, die es je zu sehen gegeben habe. Dann Umwelt: „Ich denke, die Welt muss auf Ihre Führungsrolle schauen, darauf schauen, was Sie getan haben.“

Uff.

Tun wir Minister Perry also den Gefallen und schauen wir auf Trumps Führungsrolle bei diesem Thema. Sage und schreibe 83 Umweltrichtlinien könnte seine Regierung bis Ende dieses Jahres abgeschafft haben, bei 49 ist schon Vollzug gemeldet worden. Kollegen der „New York Times“ haben das kürzlich zusammengetragen.

“Sauberste Luft der Welt”? Fracking-Firmen müssen nicht mehr berichten, wieviel Methan sie in die Atmosphäre pusten, das Verbot der Fluorkohlenwasserstoffe-Treibhausgase ist aufgehoben, Kraftwerke dürfen mehr Abgase verursachen.

“Sauberstes Wasser der Welt”? Richtlinien zur Wasserverschmutzung bei Fracking wurden kassiert, Kohlefirmen dürfen wieder Minengeröll in Flüsse leiten.

Die USA sind der zweitgrößte Produzent von Treibhausgasen auf unserer Erde. Trumps Umweltschutzbehörde konzentriert sich darauf, Umweltschutzstandards abzuschaffen.

Was sollte also dieser skurrile Auftritt im Weißen Haus?

Dahinter steckt in Wahrheit ein Anlass, der nur sehr indirekt mit der Umwelt zu tun hat: Vor ein paar Wochen präsentierte ein republikanischer Meinungsforscher Trumps Leuten eine Studie, wonach Trumps offenkundiges Desinteresse an Umweltfragen insbesondere die Generation der Millennials sowie Frauen in Vorstädten abschrecke. Es sind zwei Wählergruppen, bei denen Trump punkten muss, wenn er wiedergewählt werden will.


So kam es zur Lobhudelei im East Room, und jetzt möchte auch ich Trump einmal loben. Er hat ein wahres Kunststück fertiggebracht, nämlich 46 Minuten über den Umweltschutz und die Bewahrung der Schöpfung zu sprechen und sprechen zu lassen, ohne dass im East Room auch nur ein einziges Mal das Wörtchen Klimawandel erklang.

Denn den leugnet der oberste Umweltschützer der Nation ja allzu gern.

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