• Home
  • Politik
  • Kolumne - Gerhard Spörl
  • Nachruf auf John le CarrĂ© (†89): Der Mann, der uns George Smiley schenkte


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextInflationsrate sinktSymbolbild fĂŒr einen TextDrosten zeigt "Querdenker" anSymbolbild fĂŒr einen TextSchĂŒsse bei Geldtransporter-ÜberfallSymbolbild fĂŒr ein VideoKritik an Scholz: Sprecherin reagiertSymbolbild fĂŒr ein VideoHochwasser und Erdrutsche in ÖsterreichSymbolbild fĂŒr einen TextSchĂŒlerin fehlt Punkt zum perfekten AbiSymbolbild fĂŒr einen TextNeue ARD-Partnerin fĂŒr SchweinsteigerSymbolbild fĂŒr einen TextFrau wochenlang an See misshandeltSymbolbild fĂŒr einen TextWie lange dĂŒrfen Benziner noch fahren?Symbolbild fĂŒr einen TextSensationstransfer vor AbschlussSymbolbild fĂŒr einen TextDirndl bei G7-Gipfel? Söder sauerSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserPocher fordert krasses SchmerzensgeldSymbolbild fĂŒr einen TextSchlechtes Hören erhöht das Demenzrisiko

Der Mann, der uns George Smiley schenkte

Von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 14.12.2020Lesedauer: 4 Min.
John le Carré: Der britische Bestseller-Autor ist im Alter von 89 Jahren gestorben.
John le Carré: Der britische Bestseller-Autor ist im Alter von 89 Jahren gestorben. (Quelle: Christian Charisius/dpa-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Erst war John le CarrĂ© ein Spion im Kalten Krieg, dann verließ er den Geheimdienst und schrieb BĂŒcher, die zu Bestsellern wurden. Zuletzt wollte er mit Brexit-England nichts mehr zu tun haben und wurde zu einem BĂŒrger Irlands.

Ich war jung, als ich David Cornwell alias John le CarrĂ© kennenlernte, und ungemein beeindruckt war. Er war ein feinsinniger Mann mit schmalem Kopf, der gerne lĂ€chelte. Lautes Lachen erschien ihm wohl unangemessen. Er sah die Welt als einen Tummelplatz seltsamer Spione, gebrochen und tĂŒckisch und besessen von ihrem Handwerk, das sie zum Scheitern verdammte, selbst im Erfolg. Außerdem war er nun einmal Brite und benahm sich auch so, obwohl er keineswegs aus guter oder gar wohlhabender Familie stammte, eher im Gegenteil.

Er mochte Deutschland, er kam regelmĂ€ĂŸig herĂŒber. Er lebte in jungen Jahren in Bonn und Hamburg, sprach gut Deutsch, in diesem behutsamen Singsang, weil Menschen sich in einer zweiten Sprache, so gut sie sie auch sprechen, stets in der Angst vor Fehlern bewegen, die sie in Verlegenheit stĂŒrzen könnten.

In einem seiner letzten Interviews erzĂ€hlte le CarrĂ© von seinen UrsprĂŒngen als Autor von Kriminalromanen. "Ich habe das GlĂŒck gehabt", sagte er, "dass ich mit einem Thema auf die Welt kam." Das Thema war nicht etwa der Kalte Krieg in der geteilten Nachkriegswelt, das Thema war sein Vater. Der war ein ebenso außergewöhnlicher wie unersĂ€ttlicher Krimineller, ein lebenslanger Hochstapler mit Verbindung zum organisierten Verbrechen in London.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
BBC-Moderatorin Deborah James ist tot
Deborah James: Die krebskranke Moderatorin verabschiedete sich in einem emotionalen Post von ihren Fans.


Cornwell flĂŒchtete in die Geheimdienste

"Eine endlose Prozession faszinierender Leute" mit verbrecherischem Hintergrund habe seine Kindheit bevölkert, sagte le CarrĂ© in diesem Interview. Er habe gar nicht gewusst, was Wahrheit ist. Wahrheit war das, womit man durchkam. Die Mutter brannte mit einem GeschĂ€ftsfreund ihres Mannes durch, als er fĂŒnf Jahre alt war. Der Vater sagte, sie sei tot. Dann steckte er ihn und seinen Bruder in teure Internate, weil Hochstapler eben groß denken.

Was wird aus so einem Kind, Jugendlichen, jungen Mann, der so aufgewachsen ist? David Cornwell flĂŒchtete in die Institutionen, die hinter seinem Vater her waren. Als Student in Bern erwies er dem britischen Auslandsnachrichtendienst MI 6 kleine Dienste. In Oxford dann arbeitete er fĂŒr den Inlandsgeheimdienst MI 5 und horchte kleine kommunistische Studentenzirkel aus.

In England gehörte es im und nach dem Krieg dazu, dass einige Studenten aus bestem Hause eine seltsame Vorliebe fĂŒrs Spionieren entwickelten. Kim Philby zum Beispiel war Teil einer Clique, die der Sowjetunion Geheimmaterial zukommen ließ. Le CarrĂ© tat das Gegenteil und hatte keine sonderliche Sympathie fĂŒr die Philbys seines Landes. In "Dame, König, As, Spion" verarbeitete er diese fĂŒnfte Kolonne, deren Enttarnung ein Riesenskandal in England war.

In seine Geschichten flossen viele eigene Erfahrungen ein

Ehe David Cornwell zu John le CarrĂ© wurde, unterrichtete er den Nachwuchs der britischen Elite in Eton und versuchte sich als Kinderbuch-Illustrator. Dann trat er vollends dem Inlandsgeheimdienst bei und lernte, Agenten zu fĂŒhren, Telefone anzuzapfen und andere Spione zu verhören, eben das reiche, seelenlose Handwerk, aus dem er spĂ€ter seine Geschichten schöpfte.

Sein berĂŒhmtestes Buch blieb "Der Spion, der aus der KĂ€lte kam". Le CarrĂ© war gleich nach dem Mauerbau nach Berlin geschickt worden. Berlin war das Dorado fĂŒr sĂ€mtliche Geheimdienste der Erde. Ein idealer Ort fĂŒr diesen Roman, der zum ersten unter zahllosen Bestsellern wurde. 1965 wurde er mit Richard Burton in der Hauptrolle verfilmt.

Le Carré wies damals seine Bank an, sie möge ihn benachrichtigen, sobald 20.000 Pfund auf seinem Konto lÀgen. Als es so weit war, schied er aus dem Dienst aus und war fortan ein freier Mann, ein freier Schriftsteller. Er kreierte seine eigene Welt aus Spionen und brachte darin Biografisches aus dem echten Leben unter.

Hauptfigur dient auch als Vaterfigur in Carrés Fantasie

John le CarrĂ©s Hauptfigur ist George Smiley. Er ist klein und dick. Ein ebenso bescheidener Melancholiker wie brillanter Mann. Er ist der Inbegriff des desillusionierten Meisterspions, der an seinem Dienst irre wird und den seine Frau betrĂŒgt.

Zugleich ist Smiley so etwas wie CarrĂ©s Ersatzvater fĂŒr den leiblichen Vater, dem Monster an LĂŒge und Betrug, fĂŒr den der Sohn immer wieder aufkam, wenn er pleite war, Schulden angehĂ€uft hatte, ohne je zur Besinnung zu kommen. Le CarrĂ© sagte dazu: "Smiley war als Vaterfigur in meiner Fantasie die genaue Antithese zu meinem echten, unberechenbaren Vater."

In seinem letzten Buch "Federball" ist CarrĂ© ganz in der Gegenwart angekommen. Der amerikanische PrĂ€sident lĂ€sst seinen Geheimdienst mit den Briten zusammen arbeiten, um die demokratischen Institutionen der EuropĂ€ischen Union zu untergraben. "Schrecklich plausibel" nannte Le CarrĂ© diese Romanhandlung und verwies auf Donald Trump. Die Gegenwart liefert nun einmal die besten Geschichten, die niemand glauben wĂŒrde, dĂ€chte ein Autor sie sich nur aus.

Der britische Bestseller-Autor wird zum StaatsbĂŒrger Irlands

Am Ende seines Lebens wollte David Cornwell nicht einmal mehr Brite sein. Den Brexit fand er grauenvoll, besser gesagt fand er die Menschen grauenvoll, die den Brexit wollten und auch diejenigen, die ihn nicht verhinderten. So wurde aus ihm im Oktober 2019 ein StaatsbĂŒrger der Republik Irland.

60 Jahre lang hat John le CarrĂ© BĂŒcher geschrieben. Die Welt mit Geschichten beschenkt, die unsterblich sind. Bescheiden ist er geblieben und unnachgiebig in seinem Eigensinn. Was fĂŒr ein Leben, was fĂŒr ein Mann, was fĂŒr ein Werk! Danke, David.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandLondon
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website